2653 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1942,
Als dritten „Beweis“ für das Vorhandensein des Stromzweiges gibt Skworzow
eine englische Karte (!) an, in der auf der Linie Sinope—Noworossijsk eine punk-
tierte Strömungslinie angedeutet ist. Daß ein solcher Beweis nicht gerade sehr
überzeugend wirkt, braucht hier nicht besonders hervorgeboben zu werden.
Wenn auch Knipowitsch mit Recht scharfe Kritik an Skworzows Strö-
mungsschema übt, so drückt er sich schließlich doch etwas vorsichtiger aus,
indem er sagt [(12) S. 206)]!): „Ich möchte das Bestehen einer Strömung vom
anatolischen Ufer nach Tuapse nicht verneinen. Es kann sein, daß sie vorhanden
ist; es kann auch sein, daß im östlichen Teil des Schwarzen Meeres zwei hali-
statische?) Gebiete existieren, Zur sicheren Feststellung müssen aber genauere
Messungen vorgenommen werden.“
1937 hat R. Ciocärdel (e) eine Arbeit über die Zirkulation des Schwarzen
Meeres veröffentlicht, in der er sich ganz dem Strömungsschema von Knipo-
witsch anschließt und nur das Bild der Wasserbewegungen an der rumänischen
und bulgarischen Küste auf Grund neuerer Untersuchungen ergänzt. Im selben
Jahre erschien in einem russischen Segelhandbuch für das Schwarze Meer (s)
eine schematische Darstellung der Oberflächenströmungen, die sich wieder mehr
an die Skworzowsche Auffassung anlehnt. Dieselbe Darstellung finden wir auch
in dem 1939 erschienenen großen russischen Atlas (29), und es ist anzunehmen,
daß in dieser Darstellung die neuesten‘ Anschauungen vertreten sind,
Dynamische Berechnungen für das Schwarze Meer sind mir in der Literatur
nicht bekannt geworden... Nur einer neueren Arbeit von J. M. Schokalski (21)
ist zu entnehmen, daß Dobrowolski für die Stationen einer Winterfahrt 1932
dynamische Isobathen berechnet hat, worauf Schokalski aber nicht weiter ein-
geht. Die betreffende Arbeit von Dobrowolski oder wenigstens einen Literatur-
hinweis habe ich nicht finden können; es ist möglich, daß diese Berechnungen
xyar nicht veröffentlicht sind.
2. Das Beobachtungsmaterial,
Die folgenden dynamischen Untersuchungen stützen sich in der Hauptsache
auf das seit 1922 von verschiedenen russischen Expeditionen gesammelte Beob-
achtungsmaterial (12) (10). Daneben wurden auch einige ältere Stationen der
Schwarzmeerexpedition 1890/91 (21) mitverwendet, die natürlich den mit moderneren
Mitteln ausgeführten Messungen der neueren Untersuchungsfahrten nicht gleich-
wertig, aber auch nicht so schlecht sind, um ganz unberücksichtigt zu bleiben.
Vor ihrer Verwendung ist auf jeden Fall eine strenge Kritik der einzelnen Beob-
achtungen notwendig, Vielfach war es sogar möglich, die Beobachtungen an den
alten Stationen mit in der Nähe gelegenen neueren direkt zu vergleichen, um
auf diese Weise zweifelhafte oder offensichtlich verfälschte Messungen von vorn-
herein auszuschließen.
Die Temperaturbeobachtungen der Schwarzmeerexpedition 1890/91 wurden
mit Negretti-Zambra- und Miller-Casella-Thermometern ausgeführt, wobei das
letztere Modell nur zur Messung der Temperatur der obersten Wasserschicht
verwendet wurde. Für die Genauigkeit der Temperaturmessung wird + 0.1° C
angegeben. Die Wasserproben wurden mit verschiedenen Schöpfern gewonnen;
as fanden folgende Modelle Verwendung: Buchanan, Meyer, Wille - Timt-
schenko und ein von Makaroff in seinem Werk „Le Vitiaz et 1’Oc6an Paci-
fique“ beschriebener Wasserschöpfer. Das spezifische Gewicht wurde aräometrisch
(Aräometer-Modell Steger, Kiel) bestimmt; die Ablesegenauigkeit betrug +0,00005
des spezifischen Gewichtes, d. h. etwa +0.06°%, des Salzgehaltes (n. Knudsen).
Bin Teil der geschöpften Wasserproben wurde in gut verschlossenen Flaschen
aufbewahrt und später im Laboratorium chemisch untersucht, Der Fehler zwischen
den aus dem Salzgehalt ermittelten und den aräometrisch bestimmten spezifischen
*) Aus dem Russischen übersetzt von Herrn Reg.-Rat Kapt. v. Gernet, An dieser Stelle möchte
ich nicht versäumen, Herrn Reg.-Rat Kapt. v, Gernet für die Übersetzung einzelner Abschnitte aus
russischen Arbeiten meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. — %) Nach dem Schema von Knipo-
witsch sollte hier nur ein halistatisches Gebiet vorhanden sein. K. bezeichnet mit „halistatischem“
Gebiet die Ansammlung salzreicheren Wassers im Zentrum der beiden Kreisströme.