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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Fehrnar 1900, 
auf 60 Sm Entfernung noch eben in SO sehen. Die Insel ist ungefähr 1200 m 
hoch. Nachts hatten Gewitter aus NO, sonst den Wind flau, westlich und wenig 
Strom. Letzterer setzte später nach NO. Am Morgen des 7. hatten wir Direction- 
Insel auf 25 Sm in Nz0!420 in Sicht. Um Mittag peilte obige Insel N!/20 und 
Pulo Datu ONO. Nachmittags wurde der Wind nördlich, und da starker Strom 
aus derselben Richtung kam, trieben wir ganz südlich. Wir lagen westwärts, weil 
ich hinter den Tambelan-Inseln weniger Strom vermuthete. 
Am 8. April um 6 Uhr morgens hatten wir Pulo Datu in NNO, 20 Sm 
entfernt. Wir kreuzten mit leichten Nordnordwest- und Nordwinden gegen den 
Strom, der nur so kochte. Obgleich „Osorno“ sonst ein fixer Kreuzer ist, 
konnten wir bei dem harten Strom und dem flauen Winde kaum unsere Stellung 
halten, viel weniger Boden gewinnen. Am 9. hatten wir Pulo Datu in ONO und 
Direction-Insel in NWzN und passirten den Aequator in 108° 16’ O-Lg. Während 
der Nacht bis 0° 8‘ S-Br zurückgetrieben, überschritten wir die Linie am nächsten 
Tage in 108° 14‘ O-Lg zum zweiten Male. Die Dauer unserer Reise von 80° O-Lg 
bis hier war 42 Tage. 
Die kleine Insel in der Karte in der Nähe von Direction - Insel ist fast 
ebenso grofs wie letztere, nur nicht so hoch. In östlicher Richtung saben wir 
noch sechs Inseln, alle ziemlich hoch und stark bewaldet. 
Nach meinen Erfahrungen auf dieser Reise sehe ich nicht ein, warum in 
dieser Jahreszeit laut Segelanweisung der Seewarte zur Fahrt nach Norden die 
Karimata - Stralse der Gaspar - Stralse vorgezogen werden soll. Letztere liegt 
westlicher, also mehr luvwärts, ist kürzer und erstreckt sich so ziemlich Nord 
und Süd und hat drei Feuer. Sie ist allerdings enger als die Karimata-Strafse, 
aber diese ist ohne Feuer und Tonnen und mit den vielen Riffen — an denen 
freilich in und vor der Gaspar - Strafse auch kein Mangel ist — der Windstille 
and dem Gegenstrom für ein grofses Schiff in dieser Jahreszeit schwierig zu 
passiren. Ein Glück ist es noch, dafs man überall auf haltbarem Thongrund 
ankern kann; sonst verlöre man Alles wieder, was man mit Mühe aufgearbeitet 
hat. Das Aufkreuzen gegen die flauen Winde, die bei Tage herrschen, und den 
mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 2'/a Knoten laufenden Strom ist fast un- 
möglich, und des Nachts, wenn der Strom schwächer ist und zuweilen sogar 
nördlich setzt, kann man nicht fahren, weil es erstens meistens windstill ist und 
man zweitens keine Peilungen machen und die Riffe nicht sehen kann. Eigentlich 
sollten diese Gewässer in der Kenterungszeit der Monsune nur von Dampfern 
befahren werden. Das Schlimmste für eiserne Segelschiffe ist hier noch, daß sie 
bei dem vielen Stillliegen in diesem warmen Wasser durch Bodenansatz beinahe 
festwachsen. 
ߣs wundert mich sehr, dafs Kollegen, welche diese Gewässer besucht 
haben, ihre Erfahrungen nicht bekannt gegeben haben, damit man sich ein 
richtiges Bild der hiesigen Verhältnisse für jeden Monat machen könnte. In den 
englischen Directories und auch im Segelhandbuch der Seewarte sind die Angahen 
nicht hinreichend ausführlich. Es wäre sehr zu wünschen, dafs Schiffsführer um 
solche Berichte sich mehr bemühen wollten. Wie die Befeuerung und Betonnung 
hier vernachlässigt ist, ist wirklich ein unleidlicher Zustand. Es fragt sich freilich, 
wer dafür Sorge tragen sollte. Die Holländer sind die nächsten dazu. Wenn 
es diese nicht thun, so müßte eine internationale Vereinbarung eintreten. Die 
Kosten von einigen Tausend Gulden, welche eine genügende Betonnung und 
Befeuerung verursachen würden, reichen doch bei Weitem nicht an den Werth 
eines einzigen grofsen Schiffes und dessen Ladung, wenn dieses hier durch die 
Mängel des Fahrwassers verloren geht.!) 
1) Die Route durch die Karimata - Strafse ist im „Segelhandbuch für den Indischen 
Ozean“ der Seewarte für die Monate März und die erste Hälfte April nur unter Vorbehalt em- 
pfohlen worden. Auf Seite 650, wo auf diese Route für Reisen nach Singapore aufmerksam gemacht 
wird, heifst es: „Wir thun dies unter allem Vorbehalt, indem wir bemerken, da(ls Berichte über 
bereits auf dieser Route gemachte Reisen nicht vorliegen, und wir sind uns wohl bewufst, wie 
mifslich es ist, einen Weg zu empfehlen, der noch nicht erprobt worden ist. Immerhin glauben wir 
zu der Annahme berechtigt zu sein, dafs eine so lange Zeit, wie jetzt die Schiffe auf der Route von 
Anyer durch die Banka - Strafse nach Singapore benöthigen, auf der Route durch die Karimata- 
Strafse kaum gebraucht werden wird, besonders wenn man die Route nur unter gewissen, gerade 
angetroffenen Umständen wählt.“ Nach der Erfahrung von „Osorno“ scheinen die Voraussetzungen 
nicht recht zuzutreffen. Indessen war in diesem Falle Kavpt. Albrand, als er durch die Ver-
	        
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