Durch die Sunda- und die Karimata-Strafse in das Südchinesische Meer, 57
Mittags versuchten wir mit NWzW-Wind etwas weiter ab von dem Riff zu
kommen, und setzten deshalb Segel; der Strom war aber so stark entgegen, dafs
wir nicht voraus kamen und gegen 6 Uhr wieder auf 43 m (24 Faden) ankern
mufsten, Abends war der Wind wieder flau aus .SW und der Strom schwach.
Mit lebhafter Briese aus NW, aber gegen 2 Sm Strom, erreichten wir am
Mittag des 24. März 2° 54’ S-Br und 108° 38‘ O-Lg, wo der hohe Berg auf
Billiton WNW2/AW peilt. Nachmittags begann der Strom nach OzS zu setzen,
wurde aber um 9'/3 Uhr abends still, und auch der flaue Zug aus SW ging
dann zur Stille herunter. Nachdem wir am 25. wegen widriger Umstände längere
Zeit vor Anker gelegen hatten, gingen wir am 26. um 7 Uhr morgens bei leichtem
Nordwestwinde und wenig starkem Gegenstrome unter Segel. Später holte der
Wind nach WNW und frischte auf. Wir nahmen damit unseren Kurs südlich
der Montaran-Gruppe und von Evans Shoal; abends 8 Uhr, als der Wind sehr
fAlau wurde, . ankerten wir Sz0!420 ungefähr 20 Sın von der Karimata - Insel auf
23 m (13 Faden) Tiefe. Der Strom hatte in den letzten Tagen etwa 16 bis
18 Stunden den Tag südwärts gesetzt; für 6 bis 8 Stunden war der Strom still.
Leider trat Letzteres immer des Nachts ein, wenn Windstille oder ganz leichter
nördlicher Zug herrschte. Nördlicher Strom war nie zu spüren. .
Durch Windstille und starken Strom nach O0SO waren wir genöthigt, bis
zum Morgen des 29. März auf unserem Ankerplatze zu bleiben. Als wir dann
um 7 Uhr bei leichtem Westwinde und wenig Gegenstrom ankerauf gingen, kamen
wir auch nicht weit, da alsbald der Wind still und der Strom nach SO stärker
wurde. Wir mußten wieder zu Anker. Mit solcher Gelegenheit aus der Strafse
heraus zu kommen, ist kaum möglich. Wenn. es hier immer so ist, möchte ich
keinem Schiffsführer rathen, in dieser Jahreszeit durch die Karimata - Strafßse zu
gehen. Ich möchte behaupten, dafs von der Gaspar - Straße mit nordwestlichen
Winden doch leichter nach Norden zu kommen ist. Wäre nur die West-
durchfahrt der Karimata-Straße befeuert und betonnt, so ginge es am Ende noch
eher; aber wenn ein grofses, tiefgehendes Schiff um das Evans-Riff herumsteuern
soll, so mufs es, da eine Tonne fehlt und die Karten vielfach ungenau sind, dies
in weitem Abstande thun und kann dann nicht höher als bis unter Karimata
kommen. Von dort die 30 Sm gegen Wind und Strom aufzukreuzen, ist für ein
grofses Schiff wie „Osorno“ kaum möglich. ;
Windstille, Mallung und Strom nach SO, der von Mittag bis Mitternacht
am stärksten lief und nie durch eine Strömung in entgegengesetzter Richtung
ersetzt wurde, hielten uns auf unserem Ankerplatze bis zum 2. April fest. Am
Morgen dieses Tages gingen wir bei leichter Briese aus West und wenig Strom
anter Segel. Der Wind flaute bald sehr ab und wurde veränderlich, wobei er
ans auf den einen wie auf den anderen Halsen immer wegschralte, und konnten
wir infolgedessen nichts gewinnen. Auch als er um Mittag südlicher, bis SWzS
holte, konnten wir damit, weil wir zu dicht unter Land waren, nicht von dem
Riffe bei Karimata freikommen. Wir mufsten deshalb um 5 Uhr nachmittags
S/W von der Ostspitze Karimatas auf 15,5 m (81/2 Faden) wieder zu Anker gehen.
Am 3. April war es anfänglich ganz still; gegen 7 Uhr morgens kam
jedoch leichter Zug aus NO durch, worauf wir den Anker lichteten und nun das
Riff von Karimata umsegelten. Nachmittags sahen wir mehrere Fischerkanoes,
von denen zwei bei uns längsseits kamen und gegen einige gute Fische Tabak
und alte Kleidungsstücke eintauschten. Um 5 Uhr nachmittags wurde es wieder
ganz still, und wir mufsten wieder ankern. Die höchste Spitze von Soruetu
peilte N!ZW, 6 Sm entfernt, Wassertiefe 27 m (15 Faden). Hier wie überall in
der Straße hatten wir blauen Thongrund. Nachmittags passirten uns zwei
Dampfer, südostwärts steuernd. Nachts und am 4. April still, oder sehr fiaue
nordwestliche Briese und fortwährend starker Strom von 2 Sm in der Stunde
nach O0SO, mußten liegen bleiben. Es passirten uns mehrere Dampfer, nord-
westlich gehend, darunter der Hamburger „Elbing“, der uns melden wollte,
Am 5. April um 7 Uhr morgens gingen ankerauf. Da der Wind aus SO sehr
flau war, konnten wir anfangs gegen den Strom nur wenig vorwärts kommen; mit
einer steifen Böe aus SW passirten wir jedoch um Mittag das Westende von
Soruetu. Gegen Abend flaute der Wind wieder ab. Wir wechselten Signale mit
dem niederländischen Dampfer „Ban Lyang Son“ und sahen auch noch einen
nordwärts gehenden Tankdampfer. Am 6. bei Tagwerden konnten wir Karimata