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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Jahresbericht der Deutschen Seewarte für 1899. 
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Weideplätze. Nur bei südlichen und östlichen Winden ist das Operiren durch 
die Nachbarschaft der Isebeck und der Strasse erschwert. 
Auf diesem Terrain sind im Anfang des Sommers zwei hölzerne Hütten 
errichtet worden, eine größere feste von den Dimensionen 3.1X3.0X2.7 m und 
eine kleinere, drehbare in der Grösse 2.4X2,.1X2.1 m. Die erstere ist zur Auf- 
bewahrung von Drachen und Geräthschaften und zur Werkstatt bestimmt; sie 
genügte für den Anfang, mufste aber, da mit grofsen Hargrave-Drachen gearbeitet 
wird, eine bedeutende Vergröfserung erfahren. In der zweiten Hütte ist die 
Winde aufgestellt, die den als Drachenleine dienenden Strahldraht aufnimmt. 
Diese Hütte wird, wenn die Drachen fliegen, so gedreht, dafs der den Drachen 
haltende ‚Draht zur breiten offenen Thür hinausgeht, und die operirende Person 
sowie die Winde u. s. w. vor dem Wetter geschützt sind. Mit der Vergrösserung 
des Betriebes mufsten an der 1898 hergestellten Winde einige Aenderungen aus- 
geführt werden; ein gründlicher Umban derselben fand alsdann im Jahre 1900 
statt. Mit der Zeit wird ebenso, wie es auf dem Blue Hill, in Washington und 
in Trappes geschehen ist, die Handwinde durch eine mit Dampf oder Elektricität 
betriebene ersetzt werden müssen, da die Arbeit des Einhievens der Drachenleine 
bei Hochaufstiegen zu grofs wird, um sie mit Menschenkraft befriedigend zu be- 
wältigen. 
Im Juni wurden der Direktion von der vorgesetzten Behörde aus dem 
Versuchsfonds der Kaiserl. Marine 3000 Mk. für die Drachenversuche bewilligt. 
Es wurden nunmehr sofort je ein Richard’scher Meteorograph in Paris und ein 
Marvin’scher in Washington bestellt. Auch die Bestellung eines grofsen Original- 
Drachens vom Modell des Weather Bureaus hatte das Washingtoner Institut die 
Gefälligkeit, für die Seewarte zu vermitteln. Der Meteorograph aus Paris konnte 
am 13. September zum ersten Male in die Luft gesandt werden, wobei er von 
einem selbstgebauten Hargrave 520 m emporgehoben wurde und eine befriedi- 
gende Aufzeichnung zurückbrachte. In der folgenden Zeit wurde dieser Versuch, 
sobald der Wind es gestattete, theils mit Hargrave- Drachen, theils mit 2 bis 4 
hintereinandergespannten Malay-Drachen wiederholt, mit wechselndem Erfolg. 
Am 10. Oktober wurde bei schwachem Winde mittels dreier Malay-Drachen ein 
Aufstieg bis zu 1200 m Höhe gemacht, der ein sehr gutes Meteorogramm ergab. 
Wenn aber der Wind auf der Seewarte 10m p. s. irgend erheblich überstieg, 
wurden alle diese Drachen unruhig und wichen, wohl infolge von ungleichseitiger 
Zusammendrückung, zur Seite ab, wobei sie sich dem Erdboden so näherten, 
dafs sie in mehreren Fällen nicht mehr wieder aufkamen. Das Instrument kam 
zwar ohne Beschädigung davon, Aufzeichnungen konnten aber unter solchen Um- 
ständen nicht gewonnen werden. Am 4. und 9. Oktober hatte sich die Drachen- 
station des Besuches der Herren Rotch und Teisserenc de Bort zu er- 
freuen und wurde die Biegsamkeit der hier gebauten Drachen als Ursache dieser 
Mifserfolge erklärt. Am 14. Oktober kam endlich der Drache aus Washington 
an; durch Windstille wurde sein erstes Aufsteigen bis zum 25. Oktober verhindert, 
an diesem Tage stieg er zwar vortrefflich auf, zerbrach aber beim Landen 11 
von den 44 Stöcken, die sein Gestell bilden. Nach deren Ersatz konnten einige 
sehr befriedigende Aufstiege gemacht werden, die allerdings, wegen des frühen 
Einbruchs der Dunkelheit und da genügende Assistenz nur am Nachmittage sich be- 
schaffen liefs, nicht bis zu gröfseren Höhen als 1300 m fortgesetzt werden konnten. 
Durch die besondere Freundlichkeit des Herrn Teisserenc de Bort erhielt 
die Seewarte auch einen Drachen von der jetzt in Trappes (bei Paris) gebräuch-
	        
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