Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Febrnar 1900,
Am 13, März blieb der Wind aus NW sehr flau; der Strom setzte tags-
über nach NO0OzO0. Um nicht zwischen die Tausend - Inseln zu treiben, mufsten
wir westlich von Babi-Insel auf 54 m (30 Faden) Tiefe von Neuem ankern, Am
15. März gingen wir wieder ankerauf. Da wir einsahen, mit den herrschenden
flauen nördlichen Winden und dem östlichen Strome Nord-Wächter ohne großen
Zeitverlust nicht anholen zu können, hielten wir ab und steuerten an der Nord-
küste Javas entlang, um so die Gaspar- oder die Karimata-Strafse zu erreichen.
Abends bei Dunkelwerden ankerten wir auf 22,5 m (13 Faden), Menscheneeter-
Insel in SC’/4S und den Feuerthurm von P’ayung-Insel in N0OzO rw. Am 16. März
passirten wir mit leichten Nordwestwinden die Inseln Amsterdam und Edam, am
18. sichteten alsdann Shoe-Insel im Norden und ankerten abends bei den Schaar-
vogel - Inseln im Eingange der Karimata - Stralfse. Wind WNW bis SW, sehr
leicht, gegen Abend still.
Jetzt begann eine böse Zeit für uns und besonders für den Fortgang
unserer Reise. Am 19, März blieben wir, da der Wind nördlich, flau und auch
der Strom entgegen war, vor Anker liegen. Wir fuhren mit dem Boot nach
den Schaarvogel - Inseln, um die abliegenden Riffe zu untersuchen, und fanden,
dafs dieselben sich sehr weit ins Meer erstrecken. Frisches Wasser fanden wir
nicht. Die Inseln schienen ursprünglich Korallenriffe gewesen zu sein, sind aber
jetzt mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Bei den Riffen zeigten sich viele
Fische. Abends kamen zwei Kanoes mit zwei oder drei Eingeborenen darin, die
bei Fackelschein fischten. Am 20. morgens 4 Uhr lichteten wir bei Westnord-
westwind Anker; es wurde aber wieder still, so dafs wir mit dem Strom zurück-
trieben, dicht vorbei an einem in unserer Karte nicht verzeichneten Korallenriff
auf 3° 11,5‘ S-Br und 108° 29,5‘ O-Lg, in dessen Nähe wir auf 18 m (10 Faden)
ankerten. Abends hatten wir harten Gewittersturm aus NW.
Am 21, März untersuchten wir das Riff. Auf der höchsten Stelle, die etwa
zwei Bootslängen lang und eine breit ist und sich von Nordwesten nach Südosten
erstreckt, fanden wir 5,4 m (18 Fuß). Rund herum war tieferes Wasser. Wir
verankerten auf dem Riff ein Fafßs mit Stange und rother Flagge, das jedoch
bei einem um Mittag eintretenden Gewitter forttrieb. Auch am 22, blieb der
Wind bis Mittag nördlich, flau, und der Strom südlich setzend. Dann kam
leichte Briese aus West, und der Strom wurde schwächer. Wir gingen anker-
auf, mufsten aber, da der Wind bald wieder nördlich holte, und wir zurück.
trieben, schon um 4/2 Uhr nachmittags wieder zu Anker geben. Die Insel
Selandok peilte W!/ZN und Merai SWzS rw. Von hier aus sahen wir wieder
eine helle Stelle in Nordost und fuhren mit dem Boot hin, um auch diese, die
ebenfalls nicht in unserer Karte verzeichnet war, zu untersuchen. Auf diesem
Riff, das bedeutend gröfßser ist wie das am 20. gefundene, wurden an der
seichtesten Stelle 1,8 bis 2,4 m (6 bis 8 Fufßs) gemessen; dicht dabei waren
Tiefen von 3,6, 7,2 bis 144m (24 bis 8 Faden). In einer amerikanischen
Karte fand ich später in dieser Gegend zwei Riffe als Protet-Riffe verzeichnet,
deren Position — 2° 50‘ S-Br und 108° 38‘ 0-Lg — von der. von uns bestimmten
— 3° 0’S-Br und 108° 29 O-Lg — freilich erheblich abwich.') Abends wurde,
ebenso wie in der vorhergegangenen Nacht, der Wind südwestlich, aus welchem
Viertel er indessen nur bis 3 Uhr morgens anhielt, und der Gegenstrom hörte
fast auf; da aber das Wetter dunkel und die Einzeichnung der Riffe auf der
Karte so sehr unzuverlässig war, durften wir des Nachts hier nicht zu segeln
wagen. Tagsüber hatten wir, wenn wir unter Segel waren, stets einen Mann
zum Ausgucken nach Riffen auf der Bramraa. Am 23., der mit steifem Nord-
westwinde, Regen und starkem Südstrom begann, fuhren wir nochmals nach dem
Riff und legten auch auf diesem eine Boje aus, die aber auch am nächsten
Morgen verschwunden war. Dies Riff, das ebenfalls aus Korallen besteht, ist
ungefähr 90 m (300 Fufs) lang und 60 m (200 Fufs) breit. Die seichteste Stelle
hat einen Umfang von drei Bootslängen. Von derselben nimmt die Tiefe nach Süd-
ost am meisten zu. Ungefähr 3/4 Sm südlich vom Riff fanden wir 18 m (10 Faden).
‚A. ;zx
1) In den Karten der britischen Admiralität „Eastern Archipelago, Western Portion“, Part I,
korrigirt bis Januar 1834, ist Protet-Riff auf 3° 3'S-Br und 108° 31,5‘ O-Lg eingetragen, Findlays
„Sailing Directory for the Indian Archipelago and China“, 1889, giebt die Breite des Riffes zu
3° 2' 46“ S-Br an. In „China Sea Directory“, 1896, Vol. [, sind als die Lagen zweifelhafter Riffe
in der Karimata-Strafse genannt: 3° 0' 30“ S-Br. 109° 5’ O-Lg und 3° 7‘ S-Br. 109° 17‘ O-Lg.