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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1900, 
14. Februar, dem 27. Tage der Fahrt von‘ der Linie, in 40,2° S-Br nach dem 
Meridian von Greenwich. 
Beim Ablaufen der Länge hielt „Aldebaran“ sich zunächst auf ziemlich 
niedriger Breite für die Jahreszeit, indem er bis 70° O-Lg nicht über 43° S-Br 
hinausging, doch fand er auch hier den Wind ununterbrochen günstig aus den 
westlichen Strichen und, wenn auch nicht sehr stark, doch hinreichend kräftig, 
um einen guten Fortgang zu halten, mit dem er schon am 19. Tage, am 5. März, 
in 43,9° S-Br nach 80° O-Lg kam. 
Der Segelanweisung für die Jahreszeit folgend, setzte Kapt. Bruns die 
Fahrt nach Osten fort. Der Wind blieb günstig aus den westlichen Vierteln, 
beständig und kräftig, aber ohne jemals zu stärkerem Sturme anzuwachsen. Kr 
führte das Schiff, das sich hier meistens auf 44° S-Br hielt, nach weiteren 15 Tagen 
an das Ende des Weges nach Osten. Am 20. März wurde der Meridian des 
Südkaps von Tasmanien — 147° O-Lg — in 44,3° S-Br gekreuzt. 
Auf dem Wege nach NO und Nord, der jetzt begann, fand das Schiff an- 
fänglich eine ganz befriedigende Gelegenheit, zuerst mit nördlichen Winden, die 
es ziemlich weit nach Osten drängten, von 35° S-Br an aber mit östlichen, die 
es wieder auf seine Route nach der Westseite von Neu-Caledonien zurückbrachten. 
Am 27. März, nach sieben Tagen Fahrt, überschritt „Aldebaran“ den Parallel 
von 30° S-Br in 163,2° O-Lg. Von hier an ging es weniger gut. Ein lange an- 
haltender orkanartiger Sturm aus O durch N nach NW brachte dem zum Bei- 
liegen genöthigten Schiffe so langen Aufenthalt, dafs es in den vier Tagen vom 
28. März bis zum 1, April seine Breite — 26,5°S — um nichts veränderte, *) 
ferner hielt der Südostpassat nur von 24° bis 13° S-Br an und dann folgten bis 
8° S-Br noch Stille und Mallung vornehmlich aus W bis N, die das Zurücklegen 
dieser fünf Breitengrade wieder auf sechs Tage verzögerten. Der nordwestliche 
Wind, der vor dem Einsetzen des Passats herrschte, führte das Schiff so weit 
nach Osten, dafs es später sehr nahe der Westküste Neu - Caledoniens und den 
D’Entrecasteaux-Riffen passirte. Zur Durchfahrt zwischen San Cristoval und den 
Santa Cruz - Inseln gaben die in 13° S-Br beginnenden flauen nordwestlichen 
Winde eine gute Gelegenheit. Sie brachten „Aldebaran“ bis 8° S-Br und 
165° O-Lg, weit genug nach Osten, daß das Schiff mit den hier wieder ein- 
setzenden Winden aus dem östlichen Halbkreise, die zuerst aus NNO bis NO 
kamen, unbehindert nach NW stehen konnte. Mit raumerem Winde von 4° S-Br 
an erreichte es am 18. April den Aequator in 162° O-Lg, nachdem es auf der 
Strecke vom Südkap Tasmaniens bis hier 29 Tage zugebracht hatte. 
Oestliche, ziemlich veränderliche und zwischen NO und SO wechselnde 
Winde, die nur für kurze Zeit durch Windstille unterbrochen wurden, führten 
das Schiff auf nördlicher Breite bis 6,6° N. Hier stellte sich der Nordostpassat 
ein, der bis 19° N-Br recht frisch wehte, dann aber flauer wurde und mehr nach 
SO neigte und „Aldebaran“ auf geradem Wege östlich von den Carolinen und 
Marianen und in Sicht von San Augustino-Insel in rascher Fahrt nach 27° N-Br 
und 139° O-Lg brachte. Hier ging der Wind, erst frisch wehend, aber bald ab- 
flauend, auf SSW; dann folgten leichte, umlaufende, vorwiegend aus SW und 
SO kommende Briesen, mit denen es nur langsam vorwärts ging. Schliefslich 
mußte von Omai-Saki, dessen Feuer in der Nacht vom 7. zum 8. Mai in Sicht 
kam, noch gegen südöstlichen Wind gekreuzt werden, so dafs die Rhede von 
Yokohama, nachdem schon am 10. um 5'% Uhr morgens ein Lootse an Bord 
gekommen war, erst am Nachmittage des 11. Mai erreicht wurde. Immerhin war 
die Strecke von der Linie her in nur 23 Tagen zurückgelegt und die ganze 
Reise ab Lizard in 142 Tagen vollendet worden. 
Von diesen 142 Tagen wurden gebraucht auf der Strecke 
34 
von Lizard bis 00° Breite 29 Tage, 
0° Breite „ 0° Länge 27 
0° Länge „ 80° O-Lg 19 
80° O-Lg „ 147° O-Lg 5 
147° O-Lg. „ 0° Breite 29 
0° Breite . Yokohama 23 
4) Eine eingehendere Schilderung dieses Sturmes befindet sich „Ann. d. Hydr. ete.“ 1900. 
S. 17. Es war der einzige, von dem „Aldebaran“ auf der Reise betroffen wurde.
	        
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