508 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900,
her nach Mittelskandinavien schreitendes tiefes Minimum erstreckte seinen Ein-
Aufs rasch bis zu den Alpen und rief die für diese Tage genannten stürmischen
Winde hervor, während ein vom Skagerrak nach dem Finnischen Busen dringen-
des Theilminimum die stürmischen Winde des 15. und 16. im Gefolge hatte.
Nun erfolgte eine Aenderung der Wetterlage, indem eine am Morgen des
17. mit ihrem Centrum nordwestlich von Schottland liegende neue Depression
durch ein über dem Ozean von NW her vordringendes Hochdruckgebiet südost-
wärts gedrängt wurde. Hoher Luftdruck breitete sich über Nordwesteuropa aus
und erhielt sich hier bis zum 21. gegenüber einem meist Süd- und Centraleuropa
bedeckenden Depressionsgebiet.
Bei dem Erscheinen einer neuen Depression in NW verlagerte sich das
Hochdruckgebiet in W rasch südwärts und breitete sich von seinem Kern 780 mm
übersteigenden Druckes südwestlich von Irland über Kontinentaleuropa bis Süd-
russland aus, KEin tiefes, am 23. und 24. über Mittelskandinavien südostwärts
nach Russland fortschreitendes Theilminimum rief am 23, und 24, die genannten
Stürme an der Ostsee hervor. Nachdem vom 15. bis 24. fast die ganze Küste
täglich Niederschläge gehabt hatte, blieb der Osten weiterhin bis auf den 29.
meist trocken, während die regnerische Witterung für den Westen auch ferner
anhielt, Eine neue Depression in NW breitete ibr Gebiet rasch über Europa
aus; ein tiefes Theilminimum drang am 27, und 2®%,, von den anfgeführten
stürmischen Winden begleitet, durch die südliche Nordsee nach Jütland, von wo
es nach Mittelschweden weitereschritt, und ein weiteres Theilminimum zog am
29. bis 3l. von der südlichen Nordsee über Südschweden nach der mittleren
Ostsee, das die für diese Tage genannten stürmischen Winde hervorrief.
Bücherbesprechung.
Bolte, Dr. F., Öberlehrer an der Navigationsschule in Hamburg, Die Nautik in
glementarer Behandlung. Einführung in die Schiffahrtskunde. Verlag von
Jul. Maier, Stuttgart 1900. Preis 5 Mk.
Das vorliegende Buch will dazu dienen, das Verständnifs des Wesens und der Mittel der
Schiffahrt, im Speciellen der sogenannten Steuermannskunst, zu fördern. Es ist dabei in erster Linie
an diejenigen jungen Leute gedacht worden, welche sich dem Seemannsberufe widmen wollen, wes-
halb darin auch der Aufbau der Nautik sich auf eine in mathematischer Hinsicht elementare Grund-
lage stützt, wie sie den Schülern der höheren Lehranstalten geläufig ist. Dabei sind die in see-
männischen Kreisen üblichen Kunstausdrücke an passenden Stellen erklärt, In zweiter Linie soll
auch dem mathematischen Unterricht an den höheren Schulen ein Anwendungsgebiet eröffnet werden,
um so die Bestrebungen der Vertreter des mathematischen Unterrichtes nach Anpassung desselben
an die wirklichen Verhältnisse des praktischen Lebens zu unterstützen,
Das Buch selbst zerfällt in vier Abschnitte, nämlich die Küstenschiffahrt, die Schiffahrt nach
der Besteckrechnung, die Schiffahrt nach astronomischen Beobachtungen und die nautischen Instru-
mente und ihr Gebrauch. In leicht fafslicher Weise werden in Frage- und Antwortform (System
Kleyer) alle in Betracht kommenden Gegenstände behandelt und an ausführlichen Beispielen er-
läutert. Die vielen Aufgaben mit Lösungen erhöhen den Werth des Buches noch. Es dürfte daher
das Buch dem gesetzten Ziele entsprechen und auch manchem angehenden jungen Seemann als
Hülfsbuch neben den grofsen Handbüchern der Navigation willkommen sein,
Brunswig, H., Tabellen zur Bestimmung der Breite. II. Auflage, Verlag von
Eckardt & Mefstorff, Hamburg 1900. Preis 4,50 Mk.
Die bekannten Tabellen liegen nunmehr in erweiterter Form vor. Während in der ersten
Auflage sie nur auf die Breiten 40° bis 60° ausgedehnt waren, gehen sie jetzt von 2° bis 60°
Breite und kommen dadurch wohl manchen Wünschen entgegen. Die früher beigefügte Tabelle der
„Verbesserung der Höhenänderung für je 10‘ Breite“, „eine kleine Strichtafel“ und die „Verwandlungs-
tafel von Fufs in Metern“ sind jeizt fortgelassen worden, welche ja in anderen Büchern stets an
Bord vorhauden sind. Eine kurze Erklärung der Tabellen mit Beispielen (in fünf verschiedenen
Sprachen) giebt in anschaulicher Weise ihre Verwendung. Angesichts der grofsen Vortheile, welche
durch dieses Buch bei der Breitenbestimmung geboten werden, ist anzunehmen, dafs es auch in dem
neuen Gewande viele Freunde zu den alten gewinnen wird.
Berichtigung.
In dem Artikel „Die Mündung des Yangtse-kiang“
Seite 410, ist an Stelle der 11. Zeile von unten zu setzen:
weiter als bis zur Glockentonne gehen sollen,“.
„Ann, d. Hydr. ete.“, 1900, Heft IX,
„grofse tiefgehende Segelschiffe nicht
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