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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Die Witterung an der deutschen Küste im Oktober 1900. 
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mehrere Schwankungen auf, unter diesen besonders häufig‘ eine vorübergehende 
Erniedrigung am 27. oder 28. Oktober. Die Temperatur schwankte an der Küste 
zwischen der höchsten und der niedrigsten Temperatur von Neufahrwasser, 25° 
und 0,1°, hier also um 24,9°, während die kleinste Schwankung im Betrage von 
14,8° in Borkum beobachtet wurde. Die interdiurne Veränderlichkeit der 
Temperatur, berechnet als Mittel der Aenderungen von Tag zu Tag, schwankte 
mit ihren gröfsten den drei Beobachtungsterminen zukommenden Werthen zwischen 
1,5° und 2,5° und zeigte in der Mehrzahl der Fälle die kleinsten Werthe am 
Nachmittage, die gröfsten am Morgen. 
Der Monat Oktober brachte fast täglich Niederschläge über gröfserem 
Gebiete. Von Mecklenburg ostwärts blieben die Niederschlagsmengen des Monats, 
Theile der pommerschen Küste ausgenommen, meist erheblich unter 100 mm, 
während dieser Betrag sonst fast überall und besonders erheblich von der Elbe 
bis zur Kieler Bucht überschritten wurde; gegenüber 164 mm in Brunsbüttelkoog 
und 159 mm in Keitum fielen in Stolpmünde nur 56 und in Neufahrwasser 54 mın 
Niederschlag. Läfßst man den Niederschlagstag um 8a Ortszeit des gleich- 
namigen Kalendertages beginnen, und sieht man von geringfügigen oder ver- 
ginzelten Niederschlägen ab, so fielen die Niederschläge am 1. an der Ostsee, am 
2, an der Ostsee ostwärts bis zur Oder, am 3. bis 5. an der ganzen Küste, am 
6. und 7. von der Elbe ostwärts, am 9, an der Nordsee, am 10. an der ganzen 
Küste, am Il. zwischen Elbe und der Kieler Bucht sowie ostwärts der Oder, am 
12. an der schleswig-holsteinschen Küste, am 13, ostwärts bis Mecklenburg, am 
15. bis 24. an der ganzen Küste, am 25. bis 28, ostwärts bis zur Oder (27. ost- 
wärts bis Rixhöft), am 29. an der ganzen Küste, am 30, von der Elbe ostwärts 
und am 31. ostwärts der Oder. Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20,0 mm über- 
steigende Niederschlagsmengen fielen am Z, in Wismar (24), am 3, in Keitum (21), 
Arkona (22) und Thiessow (28), am 10. in Leba (21), Rixhöft (35) und Hela (25), 
am 14. in Wangeroog (25), Neuwerk (20), Cuxhaven (23), Brunsbüttel (42), 
Keitum (22) und Friedrichsort (21), am 15. in Wangeroog (26), Brake (24°, 
Cuxhaven (32), Brunsbüttel (22), Glückstadt (30), Brunshausen (32), Hamburg (28), 
Süderhöft (24), Keitum (23) und Flensburg (22), und am 27. in Borkum (21). 
Gewitter traten, meist in Verbindung mit stürmischer Witterung, vielfach am 1. 
an der pommerschen Küste, am 5., 6., 14. und 15. an Theilen der Nordsee und 
der Ostsee und vereinzelt am 27, und 29. an der westdeutschen Küste auf. 
Ausgebreiteter Nebel wurde am 21. ostwärts der.Oder und 25. an der west- 
deutschen Küste beobachtet. Als heitere Tage, an denen die Bewölkung im 
Mittel ihrer dreimaligen Schätzung zur Zeit der Beobachtungstermine nach der 
Skala 0 bis 10 unter 2 blieb, charakterisirten sich über größerem Gebiete der 
8. und 9. ostwärts bis zur Oder, der 13. ostwärts der Oder und der 3l. an der 
westlichen Ostsee. ; 
Bis zum 6. lag die Küste fast anhaltend im Bereich von Depressionen, 
die sich vom Ozean im NW in. wechselndem Umfang über Europa erstreckten. 
Ein am 3. und 4. von der Biscaya-See mit seinem Kern zunächst nach der Mitte 
Kontinentaleuropas vordringendes und sich dann weiter ostwärts verlagerndes 
Hochdruckgebiet rief wegen einer vom Ozean nachfolgenden neuen Depression 
nur kurze Unterbrechung der vorwiegend regnerischen Witterung ‘hervor; auf 
seiner Vorderseite traten am 4. die angeführten stürmischen Winde an der Ost- 
see-Küste auf, während die für den 5, bis 7, anvegebenen stürmischen Winde im 
Gebiet der neuen Depression hervorgerufen wurden. Zunahme des Luftdruckes 
über Kontinentaleuropa batte in diesen Tagen eine Verschärfung der Luftdruck- 
gegensätze in nord—südlicher Richtung hervorgerufen, und es entwickelte sich 
ein am 7. und 8, fast ganz Europa bedeckendes Hochdruckgebiet, das seinen 
Kern langsam von dem Alpengebiet ostwärts verlagerte, Im hohen Norden vor- 
überschreitende Minima dehnten ihren Einfluß bereits am 10, bis über Nord- 
deutschland aus, so dafs das am 8, und 9. beobachtete heitere trockene Wetter 
ein schnelles Ende fand; ein am 10, von England her längs der Küste wanderndes 
Theilminimum brachte der ganzen Küste wieder Regenfälle. Ebenfalls nur kurze 
Aenderung führte ein am Il. im Rücken dieser Depression mit seinem Kern von 
der Biscaya-See nach der Mitte Kontinentaleuropas dringendes;, rasch an Umfang 
und Intensität abnehmendes Hochdruckgebiet . herbei, da eine neue Depression 
gleichzeitig im NW herannahte. Ein am 13. und 14. nördlich von Schottland
	        
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