Messerschmitt, J. B.: Ueber den Verlauf des Geoids.
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als ausreichend ist, um den Widerspruch in den Ergebnissen der Gradmessungen
und Pendelmessungen für die Abplattung des Erdellipsoids zu erklären. Die
einzigen auf dem Ozean vorhandenen Schweremessungen, welche Scott Hansen
gelegentlich von Nansens Polarfahrt im festgefrorenen Schiffe bei 3 km. Meeres-
tiefe erhielt, sprechen auch für die soeben gegebenen Annahmen, da sie einen
normalen Werth der Schwere lieferten.!)
Diese auf den Schweremessungen beruhenden Untersuchungen haben daher
die grofsen Abweichungen für das Geoid beseitigt. Für die Kontinente haben
aber die Resultate aus den Lothabweichungen eine Maximalerhöhung von gegen
50 m wahrscheinlich gemacht. Man könnte nun daran denken, diese Methode
auch bei den Ozeanen zu verwenden. Direkt lassen sich die Lothabweichungen
allerdings dort nicht beobachten, man müfste also zur Berechnung aus den sicht-
baren Massen greifen. Abgesehen von der WeitschweißGgkeit der hierbei nöthigen
Rechnungen, welche sich für jeden Punkt auf die ganze Erde ausdehnen mülsten,
ist es die Unkenntnifs über die Vertheilung der Dichte, welche diesen Weg fast
ungangbar macht. Man kann aber, gestützt auf die vorhandenen Werthe auf den
Kontinenten, immerhin sich eine Vorstellung von der Vertheilung der Lothab-
weichungen auf den Ozeanen machen. - Würden die Bodenschichten derselben
die gleiche Dichte haben wie die gleich tief liegenden Erdschichten unter den
Kontinenten, so erhielte man ein ziemlich einfaches System von Lothabweichungen
gemäfs. dem Bodenrelief der Meere. Daraus folgt für den Verlauf des Geoids
ein Abbild des Meeresbodens in starker Verkleinerung. Da aber nach den
Pendeluntersuchungen in Uebereinstimmung mit Helmert und Faye die Dichte
des Meeresbodens gröfser anzunehmen ist als die in gleicher Tiefe liegenden
Kontinentalmassen, so müssen die Lothabweichungen im Allgemeinen kleiner aus-
fallen als ohne diese Vertheilung. Für den Atlantischen Ozean z. B. sind bei
gleichmäfsiger Massenvertheilung keine gröfseren Lothabweichungen als etwa 1’
zu erwarten. Damit erhält man im Nordatlantie eine Vertiefung des Geoids
gegenüber dem Ellipsoid von höchstens 70m; bei ungleicher Massenvertheilung
aber, wenn der Meereshoden eine größere Dichte als die Kontinentalschichten
hat, viel weniger, vielleicht nicht einmal 50 m. Analog verhält es sich bei den
anderen Meeren. Es dürften danach. für die Ozeane kaum Depressionen zu er-
warten sein, die 150m überschreiten. Andererseits aber ergaben oben die Kon-
tinente Erhebungen von etwa 50m im Maximum, so dafs also die Gesammtab-
weichung höchstens 200 m beträgt. Es zeigen somit alle in Betracht kommenden
Faktoren nur auf verhältnilsmäfsig geringe Ein- und Ausbuchtungen des Geoids
gegenüber dem Ellipsoid hin, welche bei den meisten geographischen und auch
geophysikalischen Problemen unberücksichtigt bleiben dürfen.
Eingänge von meteorologischen Tagebüchern bei der Deutschen
Seewarte im Monat Oktober 1900.
Von Schiffen der Kaiserlichen Marine.
S. M. Schiffe und Fahrzeuge:
1. „Frithjof“, Kommandant .Freg.- Kapt. Gildemeister. Geführt. in
heimischen Gewässern. ; .
; 2. „Hyäne“, Kommandant Korv.-Kapt. Schönfelder. Geführt in heimischen
Gewässern. .
3. „Heimdall“, Kommandant Korv.-Kapt. Frhr. v: Schimmelmann. Ge-
führt in heimischen Gewässern. 5 . ; 7
4. „Siegfried“, Kommandant Freg.-Kapt. Wentzel.. Geführt in heimischen
Gewässern. ;
5. „Aegir“, Kommandanten Korv.-Kapts. Truppel, Wallmann, Rallmann,
Bachem und Freg.-Kapt. Pohl. Geführt in heimischen. Gewässern. ;
6. „Cormoran“, Kommandanten Korv.- Kapts. Brusatis und Ensmann.
Geführt auf der ostasiatischen Station und im Grofsen Ozean.
1) FR. R. Helmert: „Neuere Fortschritte in. der Erkenntnifs der mathematischen ‘Erdgestalt,“
Vortrag am 7. internat. Geogr. Kongrefs. Berlin 1899.