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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie nnd Maritimen Meteorologie, Dezember 1900. 
irüher Yvon Villarceau!) einen weit geringeren und auch nach upserer 
heutigen Kenntnifs richtigeren Werth berechnet. Er fand nämlich für den 
Stillen Ozean längs der Küste von Peru die Erhebung der Meeresoberfläche in- 
folge der Anziehung der Anden nur gegen hundert Meter über das Vergleichs- 
ellipsoid. 
J. B. Listing?) geht seinerseits von den Schweremessungen auf den 
Ozeanen aus, welche ihm ergaben, dafs der Seespiegel an den Küsten von Süd- 
amerika 500 bis 600 m über dem Sphäroid steht, während er bei den ozeanischen 
Inseln bis 1300 m Depression des Meeres findet, also auf Niveauunterschiede von 
fast 2000 m kommt. Auch H. Bruns®) berechnet auf Grund vereinfachter An- 
nahmen über die Massenvertheilung nach der Potentialtheorie, dafs am Aequator 
anter 60° W-Lg der Meeresspiegel um 547 m höher steht als unter 10° W-Lg, 
woraus er schliefst, es seien bei der gegenwärtigen Vertheilung der Festland- 
massen Niveauunterschiede bis zu 1000 m zu erwarten. 
Diese stark verschiedenen Werthe für die Erhebung des Meeresspiegels 
an den Festländern beleuchtet G. Leipoldt*) in einem Vortrag, worin er, zum 
Theil allerdings durch eine irrige Anschauung über die Vertheilung des Luft- 
Iruckes auf den Ozeanen, aber ohne Kenntnifs der schon vorher erschienenen 
klassischen Untersuchungen Helmerts,°) zu dem Schlusse kommt, dafs die hohen 
Schwerewerthe, welche auf den ozeanischen Inseln gefunden werden, in erster 
Linie durch die ungleiche Dichte des Gesteins erklärt werden müssen. Er hält 
as für fraglich, ob die Erhebungen und Vertiefungen des Meeresniveaus dabei 
eine wesentliche Rolle spielen, welche er vielmehr für sehr gering, jedenfalls 
weit unter 1000 m schätzt. 
Die eingehendsten und besten Untersuchungen gab, wie schon angedeutet, 
F. R. Helmert. Unter Verwendung der gesammten damals vorhandenen 
Schweremessungen leitete er eine Formel für den normalen Werth der Schwere 
und einen Werth für die Abplattung der Erde ab. Aufserdem zeigte er mit 
Hülfe der Potentialtheorie, dafs die Störungswirkung der fünf Kontinente im 
Maximum für das Geoid eine Erhebung von 300 und eine Vertiefung von 400 m 
ist. Dieser Betrag wird jedoch noch vermindert, wenn man berücksichtigt, daß 
Helmert bei der Rechnung an Stelle der Kontinente mit allmählichem Ueber- 
gang der Bodengestalt kreisförmige Flächen von der mittleren Höhe der Fest- 
länder einführt, wodurch also die Massen konzentrirter auftreten, als es in 
Wirklichkeit der Fall ist. Es wird dann namentlich die von ihm gefundene 
verhältnifsmäfsig tiefe Einbuchtung des Geoids im Atlantischen Ozean stark ver- 
ringert und mehr dem wahrscheinlichen Werthe genähert. Später kommt Hel- 
mert®) abermals auf diese Frage zurück. Nachdem er gezeigt, dafs die Massen 
der Gebirge mehr oder minder unterirdisch kompensirt sind, schliefst er, dafs 
ebenfalls die gesammten Festlandmassen durch darunter liegende Defekte mehr 
oder weniger kompensirt sein werden. Die gröfsere Schwere, welche man daher 
auf den Inseln findet, ist zum Theil auf Rechnung der Inselpfeiler zu setzen, 
kann aber auch zum Theil in einer Massenanhäufung unterhalb des Meeres- 
bodens ihren Grund haben, in der Weise, dafs die Festlandmassen überkompensirt 
erscheinen. Er nimmt daher, ähnlich wie Faye,’) an, daß die Dichtigkeit der 
Massen in gewissen, nicht näher bekannten Schichten unterhalb des Meeres gröfser 
ist als in gleicher Tiefe unterhalb des Festlandes, Die Abstände des Geoids vom 
Erdellipsoid dürften daher -+ 200 m nicht überschreiten, ein Betrag, der mehr 
i) Yvron Villarceau: „Comptes rendus“, Bd. 73. 1871. 
Dr 7 B. Listing: „Neue geom. und dynamische Konstanten des Erdkörpers.“ Götting. 
3 H. Bruns: „Die Figur der Erde.“ Berlin 1878, 
4) G. Leipoldt: „Ueber die Erhebung des Meeresspiegels an den Festlandküsten.“ Verhandl. 
des 6. deutschen Geographentages zu Dresden 1886, Seite 73. Die Ansicht, welche Leipoldt über 
die Genauigkeit der Pendelmessungen und über die Verwendung des Barometers für sich allein als 
[nstrument zur Bestimmung der Intensität der Schwerkraft ansspricht, ist sofort nach dem Vortrage 
ron dem Vorsitzenden Prof, G. Neumayer mit Recht als unrichtig nachgewiesen worden (Seite 95). 
5) F. R. Helmert: „Die math. und physik. Theorien der höheren Geodäsie.“ Leipzig 1884. 
2. Bd., Seite 354. 
5) F. R. Helmert: „Die Schwerkraft im Hochgebirge.“ Berlin 1890. 
7) Faye: „Sur les variations seculaires de la figure mathematique de la Terre.“ Compt. 
vend. 1880. Bd. 90, Seite 1185 und 1444. Sur la constitution de la croüte terrestre, C. R. 1886. 
Ba. 102. Seite 651 und 786. ferner auch 1886, Bd. 103. Seite 99. 295. 841, 1093, 1221. 
Nachr.
	        
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