598 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900.
silberbarometers, so giebt der Unterschied beider die Schwerekorrektion für die
gefundene Barometerhöhe am Beobachtungsort. Hierbei ist es nöthig, dafs beide
Methoden nahe die gleiche Genanigkeit ergeben. Den Barometerstand kann man
auf 0,05 bis 0,02 mm erhalten; um mit dem Hypsometer die nämliche Genauig-
keit zu erhalten, mufs man die Temperatur auf 1 bis 2 Tausendstel Grad Celsius
geben können. Wie die Untersuchungen von H. Mohn‘) nun darthun, läfst sich
in der That eine solche Genauigkeit erreichen, und er konnte mit dieser Methode
ür eine größere Anzahl von meteorologischen Stationen (48), auf welchen nur
zum Theil die wahre Schwere bekannt ist, die Schwerekorrektion recht sicher
ermitteln. Für diejenigen Orte, an welchen durch die Pendelmessungen von
0. E. Schiötz die wahre Schwere bekannt ist, konnte Mohn die Schwere-
korrektion des Barometers sofort ableiten. Vergleicht man damit die Resultate,
welche das Hypsometer liefert, so kann man daraus die Konstanten des letzteren
Instrumentes bestimmen. Mit den bekannten Konstanten von Barometer und
Hypsometer aber, also mit der Barometerhöhe (b) und dem wahren Luftdruck (B),
erhält man die Schwere aus der Gleichung
BL
RK = Sıs
WO g,5 die normale Schwere unter 45° Breite bedeutet. Die von Mohn er-
'angte Genauigkeit ist zu + 0,26 mm für die Acceleration der Schwere anzu-
aehmen, d. h. etwa dreimal geringer, als sie aus relativen Pendelmessungen er-
halten wird. Aber auch diese geringere Genauigkeit genügt noch, um über
manche wichtige Frage Licht zu verbreiten. So würde damit auf den Ozeanen
noch sicher erwiesen werden können, ob Depressionen von einigen hundert Metern
vegen das Ellipsoid existiren, da sich g für je 100m um 0,03 mm ändert.
Auch das Aräometer”) verspricht nach dem Genauigkeitsgrade, welcher
damit schon jetzt erreicht ist, eventuell bei einer noch verbesserten Konstruktion
für diese Zwecke dienstbar gemacht werden zu können.
Ebenso dürfte der von Mascart’) gemachte Versuch, mit einem Heber-
barometer, dessen kurzer Arm geschlossen ist und eine konstante Gasmasse
(Stickstoff z. B.) enthält, die Schwerekorrektion zu bestimmen, verbesserungsfähig
zein. Es wird hierbei einfach die Höhe einer Quecksilbersäule gemessen, welche
unter dem Drucke dieser Gasmasse bei konstanter Temperatur steht. Wenn auch
die damals erhaltenen Resultate wegen der Unsicherheit bei der Reduktion auf
zonstante Temperatur nicht die gewünschte Genauigkeit hatten, so ist doch zu
erwarten, daß es den heutigen Hülfsınitteln gelingt, die verschiedenen Schwierig-
keiten jetzt zu überwinden und so ein brauchbares und leicht transportables In-
strument zu schaffen, welches geeignet ist, auch auf See Verwendung zu finden.
Kine Verbesserung des Apparates hat übrigens bereits J. Marek*%) angegeben,
dagegen sind Beobachtungen damit nicht veröffentlicht und wohl auch nicht aus-
geführt worden.
Um nun nach den jetzt vorhandenen Beobachtungs- und Rechnungsergeb-
nissen zu brauchbaren Werthen für die Geoidabweichungen auf den Ozeanen zu
kommen, wird es nöthig sein, diesen Theil in seiner historischen Entwickelung
zu verfolgen.
Aus den Bestimmungen der Intensität der Schwerkraft an verschiedenen
Punkten der Erde ergiebt sich, dafs auf den von den Festländern entfernten
Inseln eine viel gröfsere Schwere gefunden wird als auf den Kontinenten in
4) H. Mohn: „Das Hypsometer als Luftdruckmesser und seine Anwendung zur Bestimmung
der Schwerekorrektion.* Vidensk.-Selsk. Skrifier. M.-N. Kl. Christiania 1599, No. 2.
N K.T. Fischer: „Ein neues Barometer,“ Meteorologische Zeitschrift 1900, Bd. 17, Seite 257.
Mascart: „Sur les variations de ]a pesanteur.“ Compt. rend. Tome 95, 1882, Seite 126,
and „Sur le barometre & gravite“, ebenda Seite 631. Vgl. auch Th. v. Oppolzer: „Bericht über
die Bestimmung der Schwere mit Hülfe verschiedener Apparate.“ Verhandl, der 7. allgem. Konferenz
der Europ. Gradinessung zu Rom 1883, Anlage VI, und Zeitschrift für Iustrumentenkunde, 4, Jahrg.
1884, Seite 303 und 379,
*) J. Marek: „Relative Bestimmung der Intensität der Schwere durch Messung der Höhe
einer Quecksilbersäule, die von einem Gase von konstanter Spannung getragen wird.“ Verhandl.
d. Europ. Gradmessung zu Rom 1883, Anh. VI, und Zeitschrift für Instrumentenkunde, 4, Jahrg.
1854, Seite 391. Vgl. auch Issel: „Note sur un instrument destine ä mesurer l’intensite de la
pesanteur.“ Bull. Soc. imp. de Moscou. 1882. I. Seite 134.