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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Messerschmitt, J. B.: Ueber den Verlauf des Geoids. 
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Untersuchungen, z. B. bei der Konstruktion des: Reliefs des Meeresbodens aus 
den Tiefenlothungen, macht man nun die stillschweigende Annahme, die Meeres- 
oberfläche sei ein Ellipsoid, Solange die Abweichungen zwischen ihm und dem 
Geoid nur von ähnlicher Gröfsenordnung wie für die Kontinente sind, wird man 
die Differenz unbedenklich vernachlässigen können, indem die gröfseren Unter- 
schiede erst in weiter Entfernung von der Küste auftreten und dann bei den 
grofsen Tiefen die Zahlen dadurch noch nicht um 1% geändert werden, also um 
Beträge, die noch innerhalb der betreffenden Messungsgenauigkeit liegen. Würden 
aber die Unterschiede auf mehrere hundert oder gar tausend Meter und darüber 
ansteigen, so dafs also gewisse Theile der Meeresoberfläche um so viel näher 
dem Erdmittelpunkte lägen als die Festlandsküsten, was einige Mathematiker an- 
nehmen zu müssen glaubten, so müßte darauf wohl Rücksicht genommen werden. 
{m Gegensatz hierzu ist die Reduktion von Barometerständen auf Meeres- 
höhe, streng genommen, nicht auf ein Ellipsoid, sondern auf eine Niveautläche, 
für welche ja das Potential der Schwerkraft konstant ist, speciell auf das Geoid 
vorzunehmen, solange beide Flächen nicht zusammenfallen. So beträgt der 
Höhenunterschied für den Brocken etwa 4m, für Bamberg 6 m, für Augsburg 
fast 7m, für Innsbruck und Zürich 10 m, für den St. Gotthard 15m u. 8. w. 
(Hamburg nur einige Centimeter), um welche Beträge die Meereshöhen über das 
Ellipsoid gröfser sind als über das Geoid, Die Reduktion des Barometerstandes 
auf die Niveaufläche in Meereshöhe ist also in den angeführten Fällen zwischen 
0,3 und 1,3 mm kleiner als auf das Ellipsoid. Auf den Ozeanen hingegen beob- 
achtet man nahe genug auf dem Geoid, um allfällige Reduktionen vernachlässigen 
zu können. Dies ist auch der Grund, warum man aus Barometermessungen allein 
nicht die Gestalt des Geoids ableiten kann. Dagegen kann man, theoretisch 
wenigstens, die durch Meeresströmungen u. dergl. erzeugten Abweichungen des 
Geoids finden; in der Praxis allerdings dürfte dies freilich wegen der meist zu 
geringen Unterschiede, wie sie z. B. oben für die Ostsee angegeben wurden, 
nicht möglich sein. 
Anders verhält es sich mit Vergleichungen zwischen dem Quecksilberbaro- 
meter, dessen Stände von der Intensität der Schwere abhängen, mit den Angaben 
anderer Instrumente, die davon unabhängig sind. Hierzu eignen sich Aneroide, 
Siedethermometer, Aräometer u. dergl. 
Auf die Anwendung des Aneroids machte wohl zuerst Freiherr v. Wüllers- 
dorf-Urbair!) aufmerksam. Bis jetzt liefern aber alle Instrumente, welche, wie 
das Aneroid, von der Elasticität der Metalle abhängen, wegen der unkontrolir- 
baren zeitlichen Aenderungen kaum brauchbare Werthe, wohl auch dann nicht, 
wenn man, wie es neuerdings von englischer Seite nach dem Vorschlage von 
Watkind®) ausgeführt worden ist, die Aneroide ständig unter gleichem Luft- 
druck hält und nur jeweilen während der kurzen Beobachtungszeit dem herr- 
schenden Luftdruck aussetzt. Durch diese Aenderung scheint allerdings gegen- 
über dem gewöhnlichen Gebrauche ein grofser Fortschritt erreicht zu sein, wo- 
durch die Verwendung des Aneroids mehr als bisher möglich sein wird, 
Die Konstruktion der Hypsometer (Siedethermometer) ist durch die 
moderne Glastechnik sowohl in Frankreich als auch in Deutschland (Jena) zu 
einer solchen Vollkommenheit gediehen, daß diese Instrumente geeignet er- 
scheinen, in den Fällen, wo Schweremessungen nicht gut möglich sind, wie in 
schwer zugänglichen Gegenden, auf den Ozeanen u. s. w., mit Erfolg angewendet 
werden zu können. Mit dem Hypsometer wird der Siedepunkt des Wassers be- 
stimmt, und da bei ihm die Maximalspannkraft der Wasserdämpfe gleich dem 
Luftdruck ist, wenn die Dämpfe sich frei in die Luft ausdehnen können, so kann 
man nach den bekannten Beziehungen zwischen der Temperatur des Wasser- 
dampfes und der entsprechenden Maximalspannkraft den wahren Luftdruck be- 
rechnen.?) Beobachtet man nun gleichzeitig auch noch den Stand eines Queck- 
1) Frhr, v., Wüllersdorf-Urbair: „Das Aneroid als Instrument zur Messung der 
Aenderung der Schwere.“ „Zeitschr, d. österr, Ges. f. Meteorologie“, Bd. 1, 1866, Seite 97, 
- 2) J. Hann: „Ein neues Aneroid.“ „Met. Zeitschr.“ 1899, Seite 28, und E. Hammer: 
„Geogr. Monatsber.“ in „Petermanns Mittheilungen“ 1899, Seite 23. 
3) Vyl. H. F. Wiebe: „Tafeln über die Spannkraft des Wasserdampfes zwischen 76° 
und 101,53°“. Berlin 1894. oder auch: „Tables meteorologique internationales“, Paris 1890.
	        
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