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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Uß 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900, 
Breite 
Erhebung des Geoids 
— 34° 20 
— 34° 10° 
—34° 0 
= 33° 50° 
0,00 m 
+ 0,08 m 
= 0,14 m 
+ 0,06 m 
Also auf einer Entfernung von etwa 50 km ist der Höhenunterschied nur 
wenig über 1dm; in den Alpen war auf die gleiche Entfernung die Steigung bis 
zum 20fachen Betrag gefunden worden. 
In Kaukasien erhält man ähnliche Werthe wie für die Alpen, eine Er- 
hebung bis etwa 20m über das entsprechende Geoid, welches das Ellipsoid an 
den Meeresküsten berührt, 
Von besonderem Interesse sind die Werthe, welche man für die Insel 
Hawaii findet, auf welcher dank den Bemühungen der Amerikaner bereits 
mehrere Lothabweichungen bestimmt worden sind. Infolge der Lage mitten im 
tiefen Ozean sind die daselbst gefundenen Zahlen dafür auch die gröfsten, welche 
bis jetzt erhalten wurden. Man hat nämlich: 
Beobachtungsort 
Kohala, Nordküste von Hawaii 
Kawaihae, Nordwestküste . . 
Maunag Kea, im Krater, 3981 m 
Kalaieha, südlich davon 2030 m 
Ka Lae, Südspitze von Hawaii 
Breite 
Lothabweichung 
+20° 14,8' + 41,6" 
+20° 1,9 + 10,8" 
+19° 48,7’ A 11,37 
+19° 42,1‘ — 0,9" 
+4+18° 54,8‘ — 56,0” 
Es sind also hier auf einer Entfernung von nicht ganz 150 km über 1,5‘ 
Lothabweichung in Breite vorhanden, während in den Alpen auf gröfserer Ent- 
fernung die gröfste Differenz noch keine Minute erreicht. Die ersten vier 
Punkte lassen sich für die Berechnung der Erhebung des Geoids verwenden. Da- 
nach erhebt sich dieses über das Ellipsoid. welches an der Nordküste mit ihm 
zusammenfällt, wie folgt: 
Breite 
+20° 10° 
+20° 0 
+19° 50° 
419° 40: 
Erhebung 
+13 m 
) +2,5m 
| —+3,9 m 
+4,5m 
Die Erhebung ist also hier mehr wie doppelt so steil als in den Alpen, 
indem bereits auf etwa 60 km Entfernung schon 4 bis 5m Höhe erreicht wird. 
Weiter gegen S nach Ka Lae fehlen bis jetzt für diese Untersuchung noch die 
nöthigen Zwischenpunkte. Soweit man nach den Karten den Verlauf des 
Terrains beurtheilen kann, schwankt das Geoid zunächst etwas auf und ab und 
sinkt dann rasch gegen die Küste hin auf Null. 
Aus allen diesen Berechnungen kann man den Schlufs ziehen, dafs auf den 
Kontinenten und Inseln das Geoid nur wenig sich über das Ellipsoid erhebt, und 
zwar dürfte für Europa höchstens 20 m Differenz vorkommen. In Asien und 
Amerika sind gröfsere Beträge zu erwarten, welche mit 50 m jedoch reichlich 
hoch bemessen sind. 
Von noch gröfserer Bedeutung, man möchte fast sagen, auch von 
praktischer Wichtigkeit, ist diese Frage für die Ozeane. Die Meeresoberfläche 
stellt ja, abgesehen von den Aenderungen durch den Luftdruck, die Bewegungs- 
erscheinungen durch Winde, Ebbe und Fluth u. s. w., nahezu das Geoid dar. 
Alle Messungen geschehen von der Oberfläche aus und beziehen sich also zu- 
nächst nur auf den betreffenden Schiffsort. Bei den meisten ozeanographischen
	        
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