Messerschmitt, J. B.: Ueber den Verlauf des Geoids.
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ments verbunden sind. Nach den Mittheilungen von G. H,. Darwin‘) erhält
man für Vorderindien die folgenden Meereshöhen, wenn man diejenigen bei
Karachi an der Indus-Mündung als Nullpunkt annimmt.
Karachi
Bombay
Karwar
Madras
Beypore
Tuticorin
Vizagapatam
False Point
0,000 m Nullpunkt.
— 0,055
+ 0,180
+0,470
+ 0,261
0,276
— 0,515
= 0,553
0,519
0,524
Westküste 1
äber Madras und Vizagapatam.
über Sindh, Punjab, Nordwestprovinzen und Bengalen.
Der Schlufsfehler des Nivellements für Bombay ist 0,048 m, indem auf dem
Rückwege dessen Höhe zu -+ 0,007 m gegen die direkte Verbindung zu — 0,055
gefunden wurde, Oberst Gove, der Leiter dieser Aufnahmen, glaubt danach,
dafs das Meeresniveau bei Karachi und Bombay etwas niedriger ist als an der
Ostküste, während sein Vorgänger, General Walker, die gefundenen Unter-
schiede der Hauptsache nach auf die Unsicherheit der Nivellements zurückführt,
was bei den grofsen Entfernungen?) nicht zu verwundern ist. In der That
sprechen die beiden Zahlen von Tuticorin für diese Annahme, während anderer-
seits die beiden Werthe von False Point und Bombay wieder bessere Ueberein-
stimmung zeigen.
Ein Theil des Unterschiedes könnte vielleicht auch auf den Einflufs der
Winde zurückgeführt werden, die ja hier zeitweise in grofser Regelmäfsigkeit
auftreten. Der Hauptsache nach aber ist auch auf diesem grofsen Gebiete bis
auf kleine Quantitäten die Meereshöhe wie in Europa gleich hoch.
Auch die ausgedehnten Aufnahmen der „Coast and Geodetic Survey“ der
Vereinigten Staaten von Nordamerika ergaben die Gleichheit des Meeres an der
Ostküste nahe innerhalb derselben Grenzen, wie sie für Europa gefunden worden
zind.*) Immerhin ist auch durch doppelte Feinnivellements der Beweis erbracht
worden, dafs das Meer im Golf von Mexico etwas höher liegt als dasjenige bei
New York. Dieser wenn auch geringe Unterschied ist für die Mechanik des
Golfstromes gewifs von Bedeutung, da ein solches Potentialgefälle die Strömungs-
richtung gewährleistet und sie von anderen noch mitwirkenden Faktoren in ge-
wissem Grade unabhängig macht. Möglicherweise lassen sich mit der Zeit auch
für andere Meeresströmungen ähnliche Niveauunterschiede nachweisen.
Nachdem so durch geometrische Nivellements das Geoid längs der Meeres-
küsten bestimmt und festgelegt ist, kann man mit Hülfe der „Lothabweichungen“
die Untersuchungen desseiben weiter ausdehnen, wozu sich besonders das von
F. R. Helmert angegebene „astronomische Nivellement“ eignet.*‘) Wie bereits
bemerkt, verläuft das Geoid stets senkrecht zur Lothrichtung. Bestimmt man
also eine Anzahl solcher Richtungen in Bezug auf einen gemeinsamen Ausgangs-
punkt, so kann man relativ die Abweichungen des Geoids studiren. Würde man
im ersten Punkte die wahre Richtung (Lothablenkung) kennen, so hätte man die
Möglichkeit, das Geoid selbst zu untersuchen, was bis jetzt nicht möglich ist.
Hierzu müßte man z. B. Beobachtungen über die ganze Erde nahe gleichmäfsig
vertheilt haben, was schon wegen der Ozeane nicht möglich ist. Andere Methoden
versagen zur Zeit ebenfalls wegen der dabei nöthigen großen Genauigkeit oder
wegen anderer eintretender Unsicherheiten (z. B. Refraktion).
Die Lothabweichungen bestimmt man in der Weise, dafs man über einen
Theil der Erdoberfläche ein Dreiecksnetz legt und auf einem der Dreieckspunkte
die geographische Breite (Polhöhe) astronomisch bestimmt, Dann kann man
anter Zugrundelegung der bekannten Erddimensionen die Breiten und Längen der
Ostküste
1) Verhandlungen der 12. allgemeinen Konferenz der internationalen Erdmessung.
Stuttgart 1898, Seite 380.
2) Der Weg des direkten Nivellements von False Point nach Bombay z. B. beträgt über
1900 km; ein konstanter Fehler von 0,1 mm pro Kilometer würde also schon eine Differenz von
0,2 m erzeugen.
3) I. c. Verhandlungen. - Stuttgart 1898, Seite 438,
4) F.R, Helmert: „Die math. und physik. Theorien der höheren Geodäsie.“ Leipzig 1880.
Ba. 1, Seite 564.
Ann. d. Hydr. ete., 1900, Heft XI.