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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900. 
Es wehten also 1898 auf allen Stationen fast doppelt so viel westliche 
als östliche Winde, Dieses Vorherrschen der Westwinde kommt in den obigen 
Mittelwasserhöhen klar zum Ausdruck. Auch in den einzelnen Monaten läßt 
zich der Kinflufs der herrschenden Winde nachweisen. So stiegen im gleichen 
Jahre in den Monaten Januar, Februar, Juli, August, September und Nezember 
entsprechend dem häufigeren Auftreten der Westwinde die Mittelwerthe des 
Wassers von W nach O an; dagegen ergaben die Oststürme im März und Oktober 
ein Fallen in dieser Richtung, Wie für dieses Jahr, ebenso läfst sich dieser 
Zusammenhang für alle Jahre nachweisen. Der mittlere Meeresspiegel der Ost- 
see stellt daher zwar keine genaue Niveaufläche (Geoid) dar, sondern ist haupt- 
sächlich durch die vorherrschenden Westwinde im W etwas gesenkt und im © 
etwas gehoben; die Abweichungen aber sind so klein, dafs man das Mittelwasser 
für alle geographischen Untersuchungen als Niveaufläche betrachten kann. 
Aehnliche lokale Niveaudifferenzen konnte auch G. Zachariae') in Däne- 
ınark durch Feinnivellements nachweisen, welche vom Festlande nach der Insel 
Fünen über den Kleinen Belt und von da über den Grofsen Belt nach der Insel 
Seeland geführt worden sind, wobei trotz der grofsen Entfernungen über die 
Meeresarme eine Genauigkeit von nur wenigen Millimetern erreicht worden ist. 
An dieses Nivellement sind auch die Pegel (Mareographen) in Slip-haven auf 
Fünen und Korsör auf Seeland angeschlossen worden, woraus sich ergeben hat, 
dafs das mittlere Meeresniveau in Korsör um etwa 2cm höher als in Slipshaven 
steht. Dieser Unterschied erklärt sich recht gut aus der Lage beider Orte, in- 
dem die vorherrschenden Westwinde in Korsör eine Erhöhung hervorrufen müssen, 
während das in Slipshaven nicht der Fall ist, 
Auch an den Küsten der skandinavischen Halbinsel sind ähnliche Unter- 
schiede nachgewiesen worden, wozu noch die schon seit mehr als 100 Jahren be- 
kannten Veränderungen in der Höhenlage an den Küsten kommen. P.G. Rosen®) 
lafst die Resultate, welche sowohl aus den älteren wie aus den neueren Unter- 
suchungen, die hauptsächlich auf Feinnivellements beruhen, wie folgt, zusammen: 
i. Die periodischen Niveauänderungen, welche vom Klima abhängen, sind 
im Allgemeinen über das ganze Gebiet sehr übereinstimmend. Nur der Bottnische 
Busen weist eine Abweichung von dieser Regel auf, aber das beruht wahrschein- 
lich auf den reicheren und ungleicheren Zuflüssen, welche dieses Meer besitzt. 
2. Die lokalen Störungen in der Höhe der Meeresoberfläche, welche nicht 
zu verkennen sind, dürften hauptsächlich eine Folge der Winde und Meeres- 
strömungen sein. Ihr Spielraum beträgt etwa 30 cm. 
3. Weder Kattegat noch Ostsee besitzen eine konstante mittlere Wasser- 
oberfläche an den schwedischen Küsten. Die Veränderungen dürften sowohl 
säkuläre als periodische sein. 
4. Die mittlere Wasseroberfläche der Ostsee scheint ungefähr 15 cm höher 
als die des Kattegats zu liegen. 
Abgesehen von solchen geringen, nur wenige Centimeter betragenden 
lokalen Abweichungen, die sich auch für andere Küsten nachweisen lassen, liegen 
alle Europa einschliefsenden Meere in gleicher Höhe. Durch den Bau des Suez- 
Kanals ist ferner der Beweis erbracht worden, dafs auch das Rothe Meer der- 
selben Niveaufläche angehört, da in dem Kanal keine entsprechende Strömung 
nachzuweisen ist. Man kann daher wohl annehmen, dafs im Grofsen und Ganzen 
diese Höhengleichheit für alle Meere gilt. Als Stütze dieser Ansicht dienen die 
Messungen in Ostindien und in Nordamerika, von welchen Gestaden allein bis 
‚jetzt noch die erforderlichen Beobachtungen vorliegen. 
Grofsbritannien und seine Kolonien besitzen eine grofse Anzahl Pegel, 
welche zwar regelmäfßsig beobachtet werden, aber nicht unter der gleichen Auf- 
sicht stehen. Unter der Leitung der „Survey of India“ sind in dem letzten 
Vierteljahrhundert 40 Pegelstationen, von Suez über Aden, Vorder- und Hinter- 
indien vertheilt, angelegt worden, welche zum Theil untereinander durch Nivelle- 
‘) G. Zachariae: „Praevisions nivellementet over Lillebaelt ug over Limfjorden. Danske 
Vid. Selskabs Forh. 1894 und Praec. niv. over Store Belt. Ebenda 1898, 
2) Verhandlungen der 12. allgemeinen Konferenz der internationalen Erdmessung, abgehalten 
in Stuttgart 1898, Seite 452.
	        
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