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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Messerschmitt,.J. B.: Ueber den Verlauf.des Geoids. 
ellipsoid, welcnes durch die Rotation einer Ellipse um ihre kleine Axe. entstanden 
ist. © Die. Abplattung beträgt etwa 1/99, während die beiden Halbmesser nach 
Bessel 6377 bezw. 6356 km betragen, von£welchen andere Bestimmungen nur 
wenig abweichen... BL 
Solche Gradmessungen sind fastZauf allen Kontinenten, sowohl auf der 
nördlichen als ‚auch auf der südlichen Halbkugel, ausgeführt worden, . welche 
untereinander recht befriedigende Uebereinstimmung zeigen. Immerhin bleiben 
zwischen . den einzelnen Resultaten noch kleine Unterschiede übrig, die nicht 
allein aus der Unsicherheit: der Messungen" erklärt werden können, sondern als 
reell betrachtet werden müssen. . Die Ergründung dieser Abweichungen .bildet 
eine der Hauptaufgaben der modernen Geodäsie. . . . 
Die von Newton entdeckte. allgemeine: Gravitation der Massen giebt, wie 
zuerst Newton und Huyghens zeigten, die physikalische Erklärung der Figur 
der Erde. Man definirt daher nach dem Vorgange von Bessel und Gaufs auch 
die mathematische Gestalt der Erde: als diejenige Fläche, auf welcher die Schwer- 
kraft stets normal’ steht; sie ist also eine Niveaufläche, welche man nach Listing 
Jas „Geoid“ nennt. Der sichtbare. Theil davon ist die ruhende Wasseroberfläche 
des Meeres, wobei von den kleinen Veränderungen des Niveaustandes durch Ebbe 
and Fluth, durch Wind und Meeresströmungen,: Luftdruckänderungen u. dergl. m. 
abzuseben ist. Man hat dabei an Stelle des jeweiligen Meeresspiegels eine mitt- 
lere Lage desselben zu setzen.“ Die Bestimmung dieser geschieht. durch regel- 
mäfsige. Ablesungen der Meereshöhe an Pegeln, wozu in neuerer Zeit Registrir- 
apparate (Mareographen), welche:fortlaufend den Stand des Meeres aufschreiben, 
gekommen sind. 
Regelmäfsige Pegelbeobachtungen in der einen oder anderen Form werden 
schon. wegen des praktischen Interesses, welches dafür die Schiffahrt hat, gegen- 
wärtig. fast an allen Meeresküsten angestellt. Dies führt unmittelbar zu der Frage: 
Ist. das Meer in seiner. mittleren. Höhe überall gleich hoch? Zur Lösung dieses 
Problems sind die Pegel durch genaue; Höhenmessungen, Nivellements, mitein- 
ander zu verbinden, welche Messungen bis jetzt nur in beschränktem Mafse aus- 
geführt sind. In Europa haben nun in der That die Nivellements das Resultat 
ergeben, dafs die Europa umspülenden Meere, die Binnenmeere Ostsee und Mittel- 
ländisches Meer mit dem Schwarzen Meere ebenso wie der Atlantische Ozean 
und das Nördliche Eismeer, gleich hoch sind. Die kleinen, .wenige Centimeter 
betragenden Unterschiede, welche bei den die Meere verbindenden Nivellements 
noch übrig bleiben, fallen theils innerhalb der unvermeidlichen Fehlergrenzen der 
Höhenmessungen, theils rühren sie von lokalen Strömungen und Stauungen her 
oder lassen ‚sich auf anormale Schwereverhältnisse längs der betreffenden Nivelle- 
mentslinien, also auf die Form des Geoids, zurückiühren. 
Bierfür bietet die Ostsee ein passendes Beispiel. Die Pegelablesungen an 
der deutschen Küste zeigen für die Mittelwasser, sowohl für die einzelnen Jahre 
als auch im Mittel aus langjährigen Beobachtungen, von W nach O. ein geringes 
Ansteigen des Wassers... So ergaben z. B. die” Beobachtungen von 1898 die fol- 
genden Stände der Mittelwasser,!) bezogen auf N. N. (Normal Null): 
Travemünde - Wismar Warnemünde Arkona . Swinemünde Pillau Memel 
—0.048m —00583m —0.0651m +0020m  —0,002m -+0,089m -+0,138 m 
Die Erklärung dieser Unterschiede liefert uns die Vergleichung mit den 
vorherrschenden Windrichtungen. Wie die meteorologischen Beobachtungen dar- 
thun, überwiegen in diesem Gebiete die Westwinde die anderen, Vergleicht man 
für das nämliche Jahr 1898 nach dem „Deutschen Meteorologischen Jahrbuch 
für 1898. Beobachtungssystem der Deutschen Seewarte“ die Windbeobachtungen 
der Stationen Kiel, Wustrow, Swinemünde und Memel und fafst jeweilen die drei 
Windrichtungen um die vier Haupthimmelsgegenden zusammen, so erhält man die 
folgenden Zahlen: ; 
Kiel Wustrow Swinemünde . Memel 
Nördliche Winde 289 276 319 285 
Destliche 267 324 309 345 
Südliche ‚435 463 480 426 
Westliche ” - 581 6 574 550 465 
) Jahresbericht des Direktors des Königlich geodätischen Instituts, Berlin 1899,
	        
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