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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

590 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900. 
Boden der- Kadetrinne gewesen sei. Wenn der Salzgehalt beim Leuchtschiffe 
von Gjedser in einer Tiefe von 11 m längere Zeit hoch gewesen ist, darf man 
vielleicht als Regel annehmen, dafs durch den Querschnitt von Gjedser eine 
intensive Einströmung salzigen Wassers stattgefunden hat, da die Wassermassen, 
die hinein sollen, grofs sind. Es geht aus den Kurven des Salzgehaltes hervor, 
dafs eine Einströmung Anfang April, Anfang Juli, fast im ganzen 
September, mitten im Oktober, Ende November und Anfang Dezember 
stattgefunden hat, und scheinbar gleichzeitig durch beide Schnitte. 
Es ist ein bedeutender Unterschied zwischen dem salzigen Wasser, das 
durch den Sund in die Ostsee kommt, und dem, das der Ostsee durch den 
Gjedser-Querschnitt zugeführt wird. Durch den Sund kommt das salzige Wasser 
nämlich direkt von der Oberfläche des Kattegats, während das, welches über die 
Schwelle von Gjedser eingeführt wird, von der Unterschichte des westlichen 
Theiles der Ostsee herrührt. Dies mufßs in Bezug auf die Temperatur darin zu 
Tage treten, dafs das durch den Sund einkommende Wasser alle Temperaturen 
vom Gefrierpunkte des Wassers bis 18° bis 19° haben kann. Das salzige 
Wasser, das im Vorsommer durch den Querschnitt von Gjedser in die 
Ostsee strömt, mufs als eine Mischung von nördlichem Bankwasser 
oder 34%o Wasser mit warmem Ostseewasser angesehen werden; das 
im Herbst und dem ersten Theil des Winters einströmende salzige 
Wasser als eine Mischung von südlichem Bankwasser und kälterem 
Ostseewasser. 
Wenn die salzige Unterschichte sich zwischen dem Grofsen Belt und 
Gjedser befindet, wird sie nie sehr kalt sein; ihre Temperatur sinkt kaum unter 
1° bis 2°. Auf der anderen Seite wird die Temperatur auch nicht sehr hoch 
werden; sie übersteigt selten 14°, aber diese Temperatur hält sich dagegen einen 
grofsen Theil des Jahres hindurch, vom Vorsommer an bis zum Beginn des 
Winters. Hieraus folgt, dafs salziges Wasser mit sehr niedrigen oder 
sehr hohen Temperaturen nie über die Gjedser-Schwelle in die Ostsee 
kommt. Im Winter ist die salzige Unterschichte in der westlichen 
Ostsee nicht so dick und nicht so salzig wie im Sommer; man mufs 
daher annehmen, dafs die Einströmung des Salzwassers in die Ostsee 
durch den Querschnitt von Gjedser im Sommer am bedeutendsten ist, 
also zu der Zeit, da das Wasser am wärmsten ist. 
In Bezug auf den Salzgehalt der in die Ostsee einströmenden Wasser- 
massen verhalten die Einströmungen durch den Sund und durch den Querschnitt 
Gjedser— Darsser Ort sich entgegengesetzt. Durch den Sund kommt das Wasser 
mit dem gröfsten Salzgehalt im Winter, durch den Querschnitt Gjedser— Darsser 
Ort im Sommer in die Ostsee hinein. 
Ueber den Verlauf des Geoids auf den Kontinenten 
und auf den Ozeanen. 
Von Dr. J, B. Messerschmitt, Seewarte Hamburg. 
Die Frage nach der Gestalt und Gröfse der Erde, so alt sie an und für 
sich ist, hat ihre Lösung erst in der neueren Zeit gefunden, wenn es auch nicht 
an der Wirklichkeit entsprechenden Deutungen und darauf gegründeten messenden 
Versuchen schon im Alterthum (Erathostenes, Posidonius) gefehlt hat. 
Welch geringes Vertrauen man diesen Hypothesen aber noch im Mittelalter ent- 
gegenbrachte, zeigt die Geschichte der Entdeckung Amerikas, Es mufste eben 
erst der sinnliche Beweis für die Kugelform der Erde gebracht werden, um da- 
durch zur allgemeinen Anerkennung zu gelangen. Die Entscheidung darüber 
brachten einzig die Seefahrer, und die erste Weltumsegelung durch Magelhaens 
ist daher auch für die Geschichte der Kenntnifs der Erdgestalt eines der wich- 
tigsten Ereignisse, 
Die namentlich in den letzten beiden Jahrhunderten ausgeführten Grad- 
messungsarbeiten haben nun die geometrischen Werthe zahlenmäfsig festgesetzt. 
Danach ist die Erde nahe eine Kugel, genauer ein schwach abgeplattetes Rotations-
	        
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