Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1900.
am 10. bis 12, bewirkte ein neues vom Ozean nach dem Norwegischen Meere
ziehendes Minimum, das einen von der südlichen Nordsee durch den Süden der
Ostsee nach Westrussland schreitenden Ausläufer entwickelte. In seinem Bereich
wurden die Winde an der Nordsee in der Nacht zum 11. aus SW stellenweise
stürmisch und wehten am 1l. an der ganzen Küste, von SW nach NW drehend,
vielfach in dieser Stärke sowie noch am 12. vereinzelt an der Nordsee und
westlichen Ostsee und in größerer Verbreitung an der mittleren und Ööst-
lichen Ostsee.
Aufsergewöhnlich heftige und anhaltende Gewitter mit sehr schweren
Hagelböen traten am Abend des 11. an der Nordsee und westlichen Ostsee auf.
Während nun an der Küste ostwärts bis zur Oder trockene Witterung im
Bereiche eines von Südwesten her nach Kontinentaleuropa vordringenden Hoch-
druckgebietes eintrat, währten die Niederschläge an der pommerschen und
preufsischen Küste am 13, bis 15. fort, zunächst unter dem KEinflußs der De-
pression im Osten und sodann im Gebiet einer am 14. bis 16. vom Norwegischen
Meere nach dem Innern Russlands fortschreitenden Depression, die am 15. und
16. über dem genannten Gebiet vielfach stürmische Winde, meist Stärke 8 bis 9,
aus nördlichen Richtungen hervorrief. Nachdem am 14. an der ganzen Küste
und am 15. an der Nordsee Nebel geherrscht hatte, trat klareres und am 15.
an der Nordsee heiteres Wetter ein.
Im Bereiche hohen von den Britischen Inseln über Centraleuropa aus-
gebreiteten Luftdruckes, der über Westeuropa zeitweise 780 mm überstieg, hatte
die ganze Küste am 16. bis 18. trockenes Wetter. Hierauf schritten nachein-
ander am 19. und 20. wie am 21. und 22, tiefe Minima im hohen Norden ost-
wärts vorüber, die ihr Gebiet bis Norddeutschland erstreckten, während hoher
Luftdruck vom Ozean her über dem Westen Kontinentaleuropas in wechselnder
Erstreckung ausgebreitet lag. Auf der Rückseite dieser Depressionen traten am
20., bezügl. am 21. und 22. vielfach stürmische Winde an der Küste auf, wie
im Eingang angegeben, und Niederschläge herrschten am 19. bis 21. an der
ganzen Küste wie am 22. an der Nordsee und der Ostküste Schleswig-Holsteins;
am 21. traten im Westen meist die niedrigsten Temperaturen des Monats ein.
Bei hohem Luftdruck über dem Süden Kontinentaleuropas schritt am 23.
bis 25. ein tiefes Minimum über Mittelskandinavien nach dem Innern Russlands
fort, das am 23. und 24. an der ganzen Küste von Niederschlägen begleitet war
und an diesen Tagen an der Küste stürmische Winde aus westlichen Richtungen
hervorrief, die am 24. im Osten zu schwerem Sturm anwuchsen und hier noch,
an Stärke vermindert, am 25, theilweise auftraten.
Nur kurze Zeit herrschte am 25. an der ganzen Küste wieder trockenes und
an der mittleren wie der östlichen Ostsee heiteres Wetter im Bereich eines sich
über Centraleuropa entwickelnden Hochdruckgebietes, da ein neues am 26. und
27. im hohen Norden vorüberschreitendes tiefes: Minimum sein Gebiet wieder
über Norddeutschland ausbreitete, so dafs an diesen Tagen abermals überall Nieder-
schläge und an der ganzen Küste am 27. wieder stürmische Winde aus west-
lichen Richtungen, besonders häufig an der mittleren und östlichen Ostsee, auf-
traten, die für die pommersche und preußische Küste die niedrigsten Temperaturen
des Monats herbeiführten.
In der Folge hatte am 28. bis 30. nur die Küste ostwärts der Oder noch
Niederschläge. Bei hohem Luftdruck über der Südwesthälfte Europas mit einem
Maximum über Frankreich schritt am 28. wieder ein tiefes Minimum im hohen
Norden südostwärts, das sein Gebiet nach der südlichen Ostsee ausdehnte und
hier an der mittleren und östlichen Ostsee - Küste stürmische Winde meist aus
dem Nordwestquadranten hervorrief. Dann breitete sich das Hochdruckgebiet
weiter nordostwärts über Centraleuropa aus, so dafs eine neue im Nordosten am
30. auftretende Depression wenig Einflufs auf die Küste gewann und nur stellen;
weise stürmische Winde an der preufsischen Küste im Gefolge hatte.
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