Knudsen,.M.: Erneuerung der unteren Wasserschichte in der Ostsee, 589
etwa 17°; die Temperatur des einströmenden Kattegat-Wassers war 15° bis 17°;
aber der Strom des Ostseewassers, welcher der genannten Salzwassereinströmung
folgte, zeigte nur eine Temperatur von etwa 13°, Der Wind mag etwas, wenn
auch nicht viel, dazu beigetragen haben, die kälteren tiefen Schichten blofs zu
legen, da er in den Tagen vor dem Eintreten des Temperaturminimums: bei
Drogden wohl hauptsächlich westlich war, aber sehr schwach.
Von den 1897 bei Drogden vorkommenden bedeutenderen Maxima des
Salzgehaltes, die längere Zeit gedauert haben, sei aufser dem angeführten im
Juli eines im Anfange und eines am Schlusse des September erwähnt, wozu
noch eines am Schlusse des November kommt. Bei den letzteren zeigen Strom
und Temperatur ganz dieselben Veränderungen wie im Juli. Den zwei Maxima
im September folgt, jedem für sich, ein Temperaturminimum in dem von der
Ostsee ausströmenden Wasser, das wegen der vorgerückten Jahreszeit weniger
ausgeprägt ist. Bei dem letzteren der beiden Maxima ist ersichtlich, dafs der
Wind südöstlich gewesen ist, so dafs die Erscheinung des Minimums der Tempe-
ratur in diesem Falle durchaus nicht vom Winde herrühren kann, der ihm viel-
mehr entgegen wirken mufs. Nach dem Minimum wuchs der südsüdöstliche und
der südöstliche Wind indessen zu grofser. Stärke, was ein Temperaturmaximum
zur Folge hatte, das zwei Tage nach dem Minimum eintrat. Wir können also
schließen, daß eine Einströmung von Salzwasser die tieferen Schichten
des Wassers der Ostsee blofslegt und dadurch Veränderungen der
Temperatur der Oberfläche hervorbringen kann.
Bei den vier hier erwähnten Maxima des Salzgehaltes hat die Ostsee
salziges Wasser durch den Sund empfangen. Dieser hohe Salzgehalt hielt am
längsten an in der zweiten Hälfte des November, in welcher Zeit die Zuführung
des Salzwassers zur Ostsee denn auch am gröfsten gewesen sein mufs. Nachdem
das salzige Wasser am 14. November sich bei Drogden gezeigt hatte, folgten
16 Tage, an denen der Strom hauptsächlich* einwärts ging, Die mittlere
Schnelligkeit desselben war 0,93 Sm in der Stunde, wobei ausgehende Ströme
negativ gerechnet wurden. Ein solches Verfahren ist dadurch berechtigt, dafs
der ausgehende Strom in dem genannten Zeitraume nicht von solcher Dauer ge-
wesen jst, dafs das. salzige Wasser ganz von der Oberfläche des Sundes weg-
getrieben war, wie die Messungen am Lappegrunde zeigen. Oftmals ist das
Wasser bei Drogden wegen des eingehenden Stromes salzig gewesen, und noch
öfter sind eingehende Ströme vorgekommen, die das salzige Wasser nicht so weit
südlich bis Drogden brachten.
Die Temperatur des einströmenden salzigen Wassers war im Juli 15° bis
17°, am Ende desselben Monats 13,1° bis 13,7” und im November 6,0° bis 8,7°,
Der Salzgehalt des einströmenden Wassers ist im Winter am gröfsten,
im Sommer am geringsten, weildas Wasser der Oberfläche des Kattegats
auf diese Weise das ganze Jahr hindurch seinen Salzgehalt so ver-
ändert. Durchgehends ist der Salzgehalt des durch den Sund in die
Ostsee kommenden Wassers gröfser als der des salzigen Wassers, das
der Ostsee durch den Querschnitt Gjedser—Darsser Ort zugeführt wird.
Selbst wenn auch, wie wir nun gesehen haben, bedeutende Mengen salzigen
Wassers durch den Sund einströmen können, wird die größte Menge salzigen
Wassers der Ostsee doch durch den Schnitt Gjedser — Darsser Ort zugeführt
werden. Hier wird der Salzgehalt nie so hoch, als er bei Drogden werden
kann, aber wenn er höher als der Salzgehalt der Ostsee wird, so kann er sich
viel länger hoch halten, als es bei Drogden möglich ist. Daher müssen
auch weit ansehnlichere Wassermassen durch den Gjedser-Querschnitt einströmen
können als durch den bei Drogden. Dazu kommt, dafs der Gjedser - Querschnitt
der weitaus breitere und, was das Wichtigste ist, der weitaus tiefere von den
beiden ist. Schliefslich liegen die zwei Schnitte so, dafs die Erdrotation das
Wasser vorzugsweise durch den Sund hinaus-, bei Gjedser— Darsser, Ort hinein-
führen mulfs,
Während wir indessen, was Drogden betrifft, mit Hülfe der vorliegenden
Strom- und Salzgehaltbeobachtungen entscheiden können, ob dort eine Einströmung
von Salzwasser stattgefunden hat oder nicht, ist dies in Bezug auf Gjedser nicht
der Fall, weil das Leuchtschiff auf zu seichtem Wasser liegt, als dafs man aus
den Verhältnissen ‚an dieser Stelle schließen könnte, wie der Strom auf dem