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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900.
gehalt bei Drogden an etwa 100 Tagen des Jahres hoch genug, um salziges
Wasser in die Ostsee bringen zu können. Es fand sich so eine l4tägige Periode
Ende März und Anfang April, in der der Salzgehalt in einer Tiefe von 6 m bei
Drogden durchschnittlich 17,0% oo betrug. 52 Stunden vor dieser Periode ging
der Strom einwärts mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 1,2 Sm in der
Stunde. Bei dieser Schnelligkeit kann ein Wassertheil sich in 52 Stunden
62,4 Sm fortbewegen; er kann also weither vom Kattegat gekommen sein, aber
das braucht er nicht, weil die Möglichkeit vorhanden ist, dafs der Strom bei der
schwedischen Küste ausging. Eingehende Ströme wurden beim Lappegrunde
atwas, doch weniger als acht Stunden, später als bei Drogden bemerkt. Dies
hat vermuthlich seinen Grund, dafs das Leuchtschiff des Lappegrundes verhältnifs-
mäßig weiter von der dänischen Küste entfernt liegt als das von Drogden; doch
wird es kaum lange gedauert haben, bis der Strom überall im Sunde einwärts
ging, Der eingehende Strom begann bei Drogden in der Nacht zwischen dem
18. und 19. März; schon am Morgen des 21. hatte das Wasser hier einen Salz-
gehalt von etwa 15% von der Öberfläche bis auf den Boden. Die Einströmung
dauerte indessen nur wenige Stunden; grofse Mengen salzigen Wassers sind zu
lieser Zeit nicht durch den Sund in die Ostsee gekommen; sie wurden wieder
zurückgetrieben. In der folgenden Zeit wechselte der Salzgehalt recht schnell
infolge der wechselnden ein- und ausgehenden Ströme. Unter solchen Ver-
hältnissen kann die Zuführung salzigen Wassers zur Ostsee auf diesem Wege
aur unbedeutend sein,
Der wechselnde Salzgehalt hei Drogden ist natürlich eine Folge wechseln-
der ein- und ausgehender Ströme. Sind die Variationen schnell, so kann von
ziner bedeutenden Salzwasserzuführung zur Ostsee nicht die Rede sein. Nur
wenn der Salzgehalt sich einen längeren Zeitraum hindurch hoch hält, ist die
Möglichkeit einer solchen Zuführung gegeben; eine absolute Sicherheit dafür,
Jafs die Ostsee Salzwasser durch den Sund erhält, hat man in dem
Falle, dafs hoher Salzgehalt längere Zeit mit eingehendem Strome
vorhanden ist,
Um den hohen Salzgehalt in Drogden hineinzubringen, zeigt sich cin drei-
tägiger einwärts gehender Strom mit einer mittleren Geschwindigkeit von 0,75 Sm
in der Stunde während der Einströmung im Juli als nothwendig. Der ein-
gehende Strom dauerte danach sieben Tage (vom 4. bis zum 11. Juli) mit einer
mittleren Schnelligkeit von 0,8 Sm in der Stunde fort. In dieser Zeit mufs der
Dstsee eine ansehnliche Menge Salzwasser zugeführt worden sein. Wir ersehen
nämlich aus dem „Meteorologisk Aarbog“, dafs der Oberflächenstrom am 11. Juli
zwischen 12 Uhr mittags und 4 Uhr nachmittags seine Richtung wechselte.
Schon am nächsten Morgen, den 12. Juli, um 8 Uhr war der Salzgehalt an der
Oberfläche der für die Ostsee allgemeine, 8,2 °/oo, in einer Tiefe von 3 m 10,9°/w
and in einer Tiefe von 6m 17,5%0o. Am 13. Juli 8 Uhr morgens zeigte sich
niedriger Salzgehalt von der Oberfläche bis auf den Boden. Also: Selbst ganz
kurze Zeit nach einer längeren Periode eingehenden Stromes wird
der ausgehende Strom das süfse Oberflächenwasser der Ostsee mit
sich führen, nicht das eingekommene salzige Wasser. Dieses sinkt in
der Ostsee schnell zu Boden und bleibt dort, bis es nach und nach im Laufe
langer Zeit gemischt wird und danach einen Theil der oheren Schichte bildet.
Nur der Theil des salzigen Wassers, der sich im Sunde als oberste Schichte
findet, wird durch einen Umschlag des Stromes direkt zurückgetrieben; dies
dauert, wie gezeigt, nur wenige Stunden.
Indem das salzige Wasser in die Ostsee eindringt und sich dem KEinlaufe
zunächst auf dem Boden lagert, wird die Oberfläche an der Stelle gehoben, und
die Schichte der Oberfläche strömt weiter in die Ostsee hinein, flielst also vom
Einlaufe weg, wodurch tiefere Schichten blofegelegt werden. Dals es so geht,
ist eine gerade Folge davon, dafs die Einströmung von einem hydrostatischen
Druckunterschiede zwischen der Ostsee und den äufseren Meeren herrührt.
(Luftdruckveränderung, Wasserstau.) Im Juli sind die Schichten der Oberfläche
der Ostsee stark von der Sommerhitze erwärmt, und die Temperatur nimmt nach
der Tiefe hin schneller ab. Wenn tiefere Schichten emporkommen, mufs dies sich
folglich durch eine niedrigere Temperatur der Oberfläche äufsern. Die Tempe-
ratur des von der Ostsee ausströmenden Wassers war bei Drogden Anfang Juni