Knudeen, M.: Erneuerung der unteren Wasserschichte in der Ostsee. 587
funden, der von dem in der Tabelle angegebenen wesentlich verschieden war,
nämlich im. Mai 17,49°%0o (Temperatur 3,2°) und im November 13,05% 0o (Tempe-
ratur 11,9%. Aus Ekmans Messungen 1877 geht hervor, dafs man in>der Kadet-
rinne sehr wohl einen hohen Salzgehalt finden kann, obne dafs eine Einströmung
nach der Ostsee stattfindet. Ein solcher isolirter hoher Salzgehalt weist daher
auf nichts Anderes hin, als dafs eine Salzwassereinströmung möglicherweise
eben vor sich gegangen ist oder bald vor sich gehen wird. Die Messungen
yon Professor Krümmel!) am 7. Mai 1894 haben ein von den dänischen sehr
verschiedenes Resultat ergeben, das doch kaum etwas Anderes bedeutet, als dafs
in der Zeit zwischen den zwei Untersuchungen — eine Zeit, die zwei Tage- nicht
überschreiten kann — eine geringe Veränderung in der Lage der Grenze vor
sich gegangen ist. - .
Zufoige obiger Tabelle kann. man, im Gegensatze: zu dem, was früher
hervorgehoben worden; erwarten, dafs das 'salzige Bodenwasser in allen
Monaten des Jahres also mit einer Temperatur von 2,0° bis 13,0° in die
Ostsee wird einströmen können. Die Temperatur der Unterschichte der
Ostsee ändert sich in Uebereinstimmung hiermit auch recht bedeutend. Als
Beispiel seien in folgender Tabelle die Messungen an Ekmans Stationen 51, 61
und 67 angeführt: ?)
Ekman St. 51
1877
Tiefe, ,
. P ‚ Salz
in Temp. ; 9
mn ‘0/00
35
10
8,9°
10,6°
10,29
890
10,30
11,58
12,23
in
4
12,80:
Ekman St. 61 |] . Ekman St. 67
1877 1877
Sr. kom. -St. 67
1892
Sv. kom. St. 67
- 1896
efo |
in |Temp. |
m
Tiefe}
dar j in |Temp.
m
Tiefe $
Salz
ı in |Temp.
Salz
0/00
Tiefe:
in ‚Temp.:
a
Salz
0/9
50
50
63
2,4° 10.131 50 33°
2,7° 1250) 60 2,79
8,.1° "18,411 70 2,8
80 | 2,8°
30 2,8°
9,391 50 3,90°! 9,93 50
0% 60 7,00% 13,49 60
15,82 70 5,90° 14,64 70
16.08] 80 4,45° 15,271 80
16,96] 90 ! 2.800 | 16,28] 90
2,309 |
4,17°
4,65°
5,099
800° |
8,30
12,22
18,77
15,33
15,75
Indem die Unterschichte der Ostsee durch die stofsweise Zu-
strömung von der Kadetrinne erneuert wird, steht zu erwarten, dafs
die verschiedenen eingeströmten Wassermassen bezüglich der T’empe-
ratur besonders untereinander verschieden sein müssen. Man ersieht
denn auch aus obiger Tabelle, dafs in der Unterschichte der Ostsee
recht bedeutende Variationen vorkommen, sowohl von Ort zu Ort zur
selben Zeit, als von Zeit zu Zeit am selben Orte. . .
Wenn die vorgefundenen. Verschiedenheiten auf diese Weise erklärt
werden, muß man annehmen, daß das neue einströmende Wasser sich erst vor
der alıen Unterschichte anhäufen, sie vor sich her ein Stück weiter in die Ustsee
hineinschieben und dadurch das Niveau der Unterschichte zum Steigen bringen wird,
Demnächst. wird das neue einströmende Wasser sich nach und nach in die alte
Unterschichte einkeilen, an der Stelle, wo das specifische Gewicht ihm einen
Platz anweist. Hierdurch verliert es seine charakteristischen Eigenschaften, und
die Unterschiede gleichen sich nun in der Ostsee aus, so daß die lemperatür
und der Salzgehalt der Unterschichte in der That ein Resultant der "Temperatur
und des Salzgehaltes der zu verschiedenen Jahreszeiten einströmenden Wasser-
massen wird, kombinirt mit der kühlenden und entsalzenden Wirkung der Ober-
schichte und dem durchgreifenden Einflusse der "Fiefenverhältnisse.
Wir wollen ‚nun untersuchen, ‚auf welchen Wegen, mit welchen Eigen-
schaften das salzige Wasser in die Ostsee hineinkommt. Dazu wollen wir das
dänische meteorologische Jahrbuch für 1897 benutzen, welches die Leuchtschiff-
beobachtungen für jeden lag des ganzen Jahres enthält. 1897 war der Salz-
5) „Petermanns Miuheil.“, Ba. 41, 1895, Seite 81,
?) Kongl. Sv. Vet-Akad. Handlingar Band 25, No. 1, F. L. Ekman och ©. Petterson:
„Den svenska hydrografieska Expeditionen Ar 1877“, ferner: „Biheng til Kongl. Sv. Vet.-Akad,
Handlingar“, Band 19, Afd, 2, No. 41. O. Pettersson: „Redegörelse för de svenska hydrogratiska
Uudersösningarne Aren 1893 bis 1894.“