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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Die Witterung zu Tsingtau im April, Mai und Juni 1900. 581 
für den 3. April SO 6 und OSO 7, für den 4. S bis SO 6, für den 5. SO 6, für 
den 7. N 6, für den 9. O6, für den 12. N 6, für den 26, WNW 6 und NW 6. 
Der Monat Mai blieb in Bezug auf die mittlere Monatstemperatur nur um 
etwa 1° hinter dem des Vorjahres zurück: auch die Unterschiede der höchsten 
und niedrigsten Luftwärme dieser beiden Maimonate sind nicht sehr erheblich. 
Die Bewölkung im Mai 1900 ist jedoch noch um ein Zehntel gröfser als im 
Mai 1899, und die Niederschläge übertreffen die des vorjährigen Mai ganz be- 
deutend. Elf Zwölftel der Monatssumme ging allerdings an nur zwei Tagen 
nieder, nämlich am 6. und am 26. Mai. Von Mitternacht bis 9 Uhr am Abend 
des 26. Mai fiel Regen in einer Höhe von 57,3 mm. Gewitter wurde gemeldet 
ür den 11. Mai, außserdem Wetterleuchten für den 17. und 30. Mai. Dunst und 
Nebel erscheinen in diesem Monat häufiger, Im Vergleich zum Mai 1899 ist das 
arheblich .häufigere Auftreten nordwestlicher Winde in diesem Mai bemerkens- 
werth; die Winde aus den Richtungen von WNW bis N wehten an etwa einem 
Viertel der Beobachtungstermine. Am 7. Mai traten stürmische Winde aus WNW 
auf; am 26. herrschte ein schwerer Sturm aus O und OSO in den Stärken 10 
bis 12 der Beaufort-Skala. 
Ueber den Sturm am 26. Mai wird besonders berichtet: „Am 25. Mai lag 
nach einem Telegramm von Schanghai über der Mongolei eine Depression mit 
nach SO fortschreitender Bewegung. In Tsingtau herrschte bei ganz langsam 
fallendem Barometer Südostwind, Stärke 6. Nachmittags trat Nebel auf, der 
Himmel bezog sich, und von 6'/a bis 7'/s Uhr nachmittags fiel feiner Sprühregen. 
[n der Nacht vom 25. zum 26. gegen 12 Uhr fing es an zu regnen; es regnete 
mit ganz kurzen Unterbrechungen bis zum Abend des 26. Der Wind war wäh- 
rend der Nacht um 2 Strich nach O0SO herumgegangen. Um 7 Uhr morgens 
frischte der Wind stetig auf, um 9 Uhr schon Stärke 11 während der Böen er- 
reichend und Dächer abdeckend. Seine gröfste Stärke erreichte der Wind jedoch 
nachmittags gegen 2 Uhr, da er nicht nur die Dächer der Häuser abdeckte, 
sondern selbst die Mauern der Häuser zum Theil stark beschädigte, zum Theil 
ganz niederwarf; viele kleinere Dschunken und Sampans wurden gegen die Felsen 
unterhalb der Feldartillerie und bei Yu-nui-san getrieben und zerschellten. Mit 
gleicher Stärke und unveränderter Richtung wehte der Sturm bis gegen 6 Uhr 
nachmittags, dann etwas schwächer werdend, namentlich hHefsen die Böen nach. 
Um 7*30” sprang der Wind auf O und frischte wieder auf. Nach 8 Uhr ließen 
die Böen nach, es klarte etwas auf. Um 9 Uhr wehte es noch mit Stärke 10 
aus O; von nun an Hiefsen die Böen nach, und es flaute allgemein ab.“ 
Aufser an den beiden stürmischen Tagen wehten im Mai 1900 starke 
Winde noch: am 2. SSW 6, am 5. 0S0O 6. am 8. NNW 7, am 10. SO 6, am 13. 
WNW 6, am 25. SO 6. 
Das Monatsmittel der Luftwärme des Juni 1900 ist um fast 2° niedriger 
als das entsprechende für Juni 1899; auch die Maximum- uud Minimumtempera- 
turen bleiben in diesem Jahre gegen die im gleichen Monat des Vorjahres zurück. 
Obwohl im Juni des Vorjahres häufiger Nebel aufgezeichnet wurden, so ist die 
Himmelsbedeckung in diesem Juni um 1,4 Zehntel des Himmels gröfser als in 
jenem. Die Monatssumme des Niederschlages und die Anzahl der Regentage 
3ind geringer im Juni 1900 als im Juni 1899. Gewitter werden gemeldet vom 
3., 9., 24., 28, und 29., aufserdem Wetterleuchten vom 3., 25., 26. und 27. Juni. 
Die Winde aus dem Nordwestquadranten sind in diesem Juni fast ganz ver- 
schwunden, und für mehr als zwei Drittel der Terminbeobachtungen werden 
Winde aus dem Südostquadranten aufgezeichnet. Am 7. Juni wehte es stürmisch 
aus 0SO, am 15. aus O, sonst wird von starkem Wind zur Zeit der Termin- 
veobachtungen nur gemeldet für den 14. aus O, für den 26. aus OSO. 
Die Stärke der „Allgemeinen Luftbewegung“ aus südöstlicher Richtung 
nimmt in diesem Vierteljahr von Monat zu Monat zu und erreicht im Juni 1900 
eine Geschwindigkeit, entsprechend Stärke 2,5 der Beaufort-Skala. Dagegen ist 
die mittlere Windgeschwindigkeit im Juni erheblich kleiner als im Mai; die leb- 
hafteren Nordwestwinde in diesem Mai und das bereits erwähnte fast völlige 
Verschwinden der Winde aus diesem Quadranten im Juni bewirken das entgegen- 
gesetzte Verhalten der mittleren Windgeschwindigkeiten und der Stärke der all- 
zemeinen Luftbewegung in diesen beiden Monaten.
	        
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