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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Batum., 
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Nach Einnahme der Ladung mufs jedes Schiff sofort auf die Rhede holen, 
wenn ein anderes Schiff auf einen Liegeplatz wartet. a ; 
Russische Dampfer auf grofser Fahrt, die Ladung für die Regierung ein- 
nehmen sollen, können vom Hafenmeister auch aufser der Reihe einen Liege- 
platz erhalten. 
Beim Ausbruch eines Feuers oder bei anderen Vorkommnissen, die Schiffe 
oder den Hafen gefährden, sind alle Schiffe auf Anordnung des Hafenmeisters 
zur Hülfeleistung verpflichtet. 
Kein Schiff darf ohne Erlaubnifs des Hafenmeisters verholen. 
Dampfer, die im Petroleumhafen verholen, dürfen ihre Schraube nicht 
dazu gebrauchen, ausgenommen in besonderen Fällen und mit Erlaubnifs des 
Hafenmeisters. 
Alle zum Auslaufen fertigen Schiffe müssen nach dem Ausklariren bei der 
Zollbehörde ihre Papiere dem Hafenmeister vorlegen und bei ihm um die Er- 
laubnifs nachsuchen, den Hafen zu verlassen. 
Hafenkosten. (Vgl. auch unter Odessa.) Besondere Hafenabgaben sind 
nicht zu zahlen, dagegen ‚erhebt die Stadt für sämmtliche gelöschten und ge- 
ladenen Güter 1 Kopeken für das Pud ä 16,4 kg. Leuchtfeuergebühren betragen 
14,30 Rubel für das Schiff und Lastgebühren 10 Kopeken für die Last (1 Last = 
2 Registertonnen netto) einkomwmend und auslaufend. Für Befestigung der Trossen 
am Lande zahlen Frachtdampfer 20 Rubel und Passagierdampfer 10 Rubel. Jedes 
ausländische Schiff hat für den an Bord befindlichen Zollsoldaten 40 Kopeken 
täglich zu zahlen. Lootsengeld siehe unter Lootsenwesen. Kin Dampfer von 
3928 Registertonnen netto bezahlte an Last- und Leuchtfeuergebühren 251,88 Rubel 
und an Lootsengeld 112,06 Rubel. 
Die Stadt Batum kam im Jahre 1878 durch den Berliner Vertrag unter 
russische Herrschaft und nahm unter der Gunst der Regierung einen raschen 
Aufschwung, so dafs es an Bedeutung bald Poti übertraf. Die Verlegung des 
kommerciellen und militärischen Schwerpunktes fiel in die Zeit, wo die Petroleum- 
gewinnung in Baku einen gewaltigen Aufschwung genommen hatte, der auf den 
Seeverkehr des Platzes eine ungeheure Wirkung ausüben mufste. Batum. war 
von 1878 bis 1886 Freihafen. Mit der Einführung der hohen Zölle sank die 
Einfuhr bedeutend. Die exklusive Wirthschaftspolitik konnte jedoch die Ent- 
wickelung der Stadt nicht hemmen, so dafs Batum jetzt einer der ersten Petroleum- 
häfen der Welt ist. 
Die ursprüngliche Bevölkerung Baätums war mohammedanischer grusinischer 
Abkunft; bei der Besitzergreifung durch die Russen wanderte jedoch ein grofser 
Theil nach der Türkei aus. Die jetzige Bevölkerung, die etwa 30000 zählt, 
darunter 20 Deutsche, ist gröfstentheils aus den verschiedenen Theilen des 
Kaukasus, aus Russland und dem Auslande eingewandert.. Die Stadt ist Sitz des 
Vice-Gouverneurs und eines Hafenkommandanten. Eine griechische, katholische 
und russische Kirche sowie verschiedene Moscheen sind am Ort. Unter den 
staatlichen Anstalten sind das Militär- und das Civilhospital erwähnenswerth. In 
neuerer Zeit ist ein schöner Park angelegt worden. 
Batum ist Heimathshafen von zwei Dampfern. Von industriellen Unter- 
nehmungen sind nur die grofsen Werkstätten zur Herstellung von Petroleum- 
blechdosen und der dazu gehörigen Holzkisten zu nennen, 
In den Monaten Juli, August und September herrschen Fieber, die aber 
nach den starken Regen und Winden der Tag- und Nachtgleichen aufhören. Zu 
dieser Zeit fluthet das Wasser der umliegenden Sümpfe über und bahnt sich 
einen Ausgang ins Meer. 
Handelsverkehr. Im Jahre 1898 liefen 601 Dampfer mit 847 354 Register- 
tonnen und 1704 Segelschiffe mit 76 556 Registertonnen ein; davon waren deutsch 
34 Dampfer mit 38 102 Registertonnen, russisch 95 Dampfer mit 98 523 Register- 
tonnen und 123 Segelfahrzeuge mit 766 Registertonnen und englisch 209 Dampfer 
mit 368 815 Registertonnen. 
Einfuhr: Weißblech aus England für ungefähr 10 000 000 Mk. jährlich, 
Bretter aus Galatz, Schwefel, Chemikalien, Kolonialwaaren und Süfsholz im 
Werthe von etwa 3 000 000 Rubel (1897), ausschliefslich Weifsblech. ° 
Ausfuhr: Naphthaprodukte, Nufsbaumholz, Manganerz, Seidenkokons und 
Rohseide im Werthe von etwa 38 000 000 Rubel (1897).
	        
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