Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900.
Schleppdampfer sind vorhanden. Jede Schlepperhülfe im Hafen kostet
gewöhnlich 25 Rubel.
Rettungsboot ist bei der Tabija Burun-Huk stationirt.
Sturmsignale werden nach Telegrammen des Observatoriums zu Odessa
an dem Mast bei der Tabija Burun-Huk gemacht. Wettersignale werden an
einem Hause am Hafen gezeigt. (Siehe unter Odessa.)
Quarantäne und Zollbehandlung. Bei Ankunft kommt der Quarantäne-
arzt an Bord, der das Schiff auf seinen Gesundheitszustand überholt, was etwa
25 Minuten dauert. Im Uebrigen ist die gesundheitspolizeiliche und Zoll-
behandlung dieselbe wie in den übrigen russischen Häfen.
Hafenanlagen. In den letzten Jahren ist im inneren Theile der Bucht
ein Hafendamm erbaut worden, der von der Stelle, wo das alte türkische Fort
lag, etwa 300 m in nördlicher und 500 m in westlicher Richtung sich erstreckt
and den Petroleumhafen bildet. Der Hafendamm hat Röhrenleitung, durch die
das Petroleum von den Behältern direkt in die Schiffe gepumpt wird. Die
Wassertiefe in diesem Hafen wird durch Baggern auf etwa 8 m erhalten. Inner-
halb des Hafendammes sind Liegeplätze für vier bis fünf Tankdampfer, Die vor
der Stadt befindlichen Landungsbrücken sind aus Holz und dienen zum Beladen
und Löschen der Leichter; nur die der russischen Gesellschaft für Dampfschiffahrt
and Handel gehörigen Landungsbrücken haben genügende Wassertiefen längsseit,
dafs die Dampfer dieser Gesellschaft dort anlegen können. Die übrigen Schiffe liegen
vor der Stadt, mit den Ankern in 55 bis 65 m Was-er und mit dem Heck am
Lande vertäut. Auf diese Weise können etwa 12 bis 14 Schiffe gleichzeitig
löschen und laden, während die übrigen in der Bucht so lange warten müssen,
bis ein Liegeplatz frei wird. Tankdampfer füllen in 24 bis 36 Stunden auf,
während 90000 bis 100 000 Petroleumkisten in etwa drei Tagen ohne Ueber-
stunden geladen werden können. Die Länge der im Jahre 1899 fertiggestellten
Kaie betrug 3000 m; man beabsichtigt jedoch, den Strand längs des ganzen
Hafens mit Kaianlagen zu versehen. An der Stelle des alten türkischen Forts
südlich vom Petroleumhafen soll ein neuer Hafen, der für die Küstenschiffahrt
bestimmt ist, gebaut werden.
Ein schwimmender Dampfkrahn von 40 t Hebekraft, der russischen Ge-
sellschaft für Dampfschiffahrt und Handel gehörig, ist vorhanden. Für Benutzung
desselben sind zu zahlen bei Lasten von 8 bis 10 t 100 Rubel, von 15 bis 20 t
200 Rubel, von 25 bis 30 t 350 Rubel und von 35 bis 40 t 500 Rubel.
Der gröfste Dampfer, der den Hafen besuchte, war der Dampfer „Cherson“
der russischen freiwilligen Flotte; Tonnengehalt 10225 Registertonnen, Länge
152 m und Tiefgang 7,6 m.
Reparaturen geringeren Umfanges können in der am Orte befindlichen
Kesselschmiede ausgeführt werden.
Hafenordnung. Bei Ankunft müssen alle Schiffe den von der Hafen-
behörde angewiesenen Platz einnehmen und dürfen nicht eher mit dem Lande
in Verbindung treten, bis Zoll- und Quarantänebesichtigung erledigt sind.
Alle im Hafen oder auf der Rhede verankerten Schilfe müssen ihre Anker
mit Ankerbojen versehen.
Die Trossen dürfen nur an den hierzu bestimmten Pollern oder Ketten
festgemacht werden, ohne dafs dadurch die Landungsplätze an den Kaien ge-
3perrt werden.
Auf Verlangen der Hafenbehörde müssen die Vertäuungen an Land zu
jeder Zeit nach einer anderen Stelle verlegt werden.
Schiffe, die einen Liegeplatz einnehmen und nicht innerhalb 24 Stunden,
nachdem alle Formalitäten erledigt sind, angefangen haben, zu löschen oder
zu laden, oder die das Löschen und Laden länger als 24 Stunden unterbrechen,
müssen ihren Platz einem anderen Schiffe einräumen, falls ein solches darauf
wartet, Feiertage oder Tage, an denen nicht gearbeitet werden kann, kommen
hierbei nicht in Betracht,
Ein Schiff, das auf der Rhede auf einen Liegeplatz wartet und nicht fertig
ist, wenn es an die Reihe kommt, wird erst wieder für einen Liegeplatz berück-
sichtigt, nachdem die Erklärung von Neuem eingereicht worden ist, dafs es fertig
zum Einnehmen von Ladung ist.
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