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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Noworossisk. 
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versiegelt werden. Proviant wird jederzeit vom Zollbeamten nach Bedarf heraus- 
gegeben. Ein Gesundheitspafßs und die Ladungskonnossemente müssen vorgelegt 
werden; ebenso ist die Anzahl der zu löschenden Güter genau anzugeben. Die 
Zollbehandlung ist, wie in allen russischen Häfen, umständlich und streng. 
Quarantäne mufs in Theodosia abgelegen werden. 
Ankerplatz, Schiffe, die warten müssen, bis ein Liegeplatz an den Lan- 
dungsbrücken frei wird, ankern innerhalb der Wellenbrecher in der Mitte des 
Hafens auf etwa‘ 12m Wasser. Der Ankerplatz ist vollständig sicher, da im 
Hafen auch bei den schweren Nordoststürmen keine nennenswerthe See auf- 
kommen kann. 
Hafenanlagen. Der Hafen von Noworossisk liegt im inneren Theile der 
Bucht und wird durch zwei Wellenbrecher gebildet, deren Köpfe 370 m vonein- 
ander entfernt sind und die den Hafen nach der allein offenen Südostseite voll- 
ständig schützen. Der östliche Wellenbrecher ist ebenso wie der westliche etwa 
1070 m lang. Die Wassertiefe beträgt in der Mitte des Hafens etwa 12 bis 13 m 
und nimmt nach dem Lande zu allmählich ab (vgl. Tafel 15). Eine Versandung 
der Bucht ist nicht zu befürchten, da der einzige in sie mündende Flufs, der 
Zemess, so gut wie keine Strömung hat und kein Geschiebe ablagert. 
Die von der Regierung erbauten Kaianlagen an der Ostseite zwischen der 
Cementfabrik und dem östlichen Wellenbrecher mit Wassertiefen von 1,5 bis 10 m 
längsseit haben Schienenverbindung mit der KEisenbahnstation, werden jedoch von 
nichtrussischen Dampfern kaum benutzt. Der Einfuhr und Ausfuhr dienen aus- 
schliefslich die ebenfalls mit Schienengeleisen versehenen Anlagen der Wladi- 
kawkas-Eisenbahngesellschaft, die auf jede Weise bestrebt ist, den Schiffsverkehr 
zu erleichtern und zu heben. Sie übernimmt Stauen sowie jede Arbeit, Lieferung 
von Proviant u. s. w. zu festgesetzten Preisen, um die Hafenkosten auf das 
Mindestmafs zu reduciren; ebenso erledigt sie die für das Zollamt u. 8. w. nöthigen 
Formalitäten. Die Hafenunkosten stellen sich daher im Vergleich mit anderen 
russischen Häfen bedeutend billiger. 
Von den fünf Landungsbrücken der Gesellschaft hat die nördlichste, mit 
No. 1 bezeichnete einen Aufbau, auf dem durch kleine Eisenbahnwagen Getreide 
aus den grofsen Lagerhäusern herangeschafft wird, um durch Röhren direkt in 
den Schiffsraum verladen zu werden, Die Landungsbrücke No. 4 hat ein eisernes 
Gerüst (Estakade), das durch eine in der ganzen Länge gedeckte Galerie oder 
Bahn mit einem 300000 Tschetwert (ä& 2,099 hl) Getreide fassenden Elevator 
verbunden ist, In der Galerie laufen zwei Gummi-Transportbänder, die das Ge- 
treide vom Elevator in den Schiffsraum befördern. Eine ebensolche Einrichtung 
ist für die Brücke No. 3 im Bau. Die Landungsbrücke No. 5 hat Rohrleitungen 
für Naphtha und Naphthaprodukte, für deren Lagerung 14 Tanks, je zu 130000 Pud 
(ä 16,4 kg), vorhanden sind. Die Wassertiefe am Kopfe der im Durchschnitt 
etwa 250m langen Landungsbrücken beträgt ungefähr 6,5 bis 83m. Nach dem 
Lande zu nehmen die "Piefen schnell ab, doch können immerhin zwei Dampfer 
hintereinander liegen und laden. Aufser dem Elevator hat die Eisenbahngesell- 
schaft noch eine groflse Zahl von Speichern, die für die Getreideausfuhr von be- 
sonderer Bedeutung sind. . 
. Das gröfste Schiff, das den Hafen benutzte, hatte bei einem Raumgehalt 
von 10500 R.-T. einen Tiefgang von 8,2 m. 
Am Strande vor der Stadt ist eine kleine Hafenanlage mit einer Landungs- 
brücke und Kaien im. Bau, die von der Regierung lediglich für die Küstenschiff- 
fahrt ausgeführt wird. 
Gelöscht wird in Eisenbahnwagen; besonders schwere Stücke werden von 
einem fahrbaren Dampfkrahn von 10 t Hebekraft wahrgenommen und auf einen 
Wagen gesetzt, der auf einem anderen Geleise steht, Aufserdem ist noch ein 
schwimmender Krahn. von 50 t Hebekraft vorhanden. Im Winter wird die Arbeit 
durch die schweren Nordoststürme, die von aufserordentlicher Kälte begleitet 
sind, oft unterbrochen. Für Sonntagsarbeit mufs besondere Erlaubnifs eingeholt 
werden. ' 
Hafenkosten. Von der Regierung werden durch das Zollamt 2!/a Kop. 
pro Registertonne Tonnengelder erhoben, An die Wladikawkas-Eisenbahngesell- 
schaft sind für Benutzung der Landungsbrücken 10 Kop. Brückengeld pro Register- 
tonne bei voller Ladung oder 10 Kop. vro Tonne Ladung bei Theilladung zu
	        
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