Noworossisk.
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versiegelt werden. Proviant wird jederzeit vom Zollbeamten nach Bedarf heraus-
gegeben. Ein Gesundheitspafßs und die Ladungskonnossemente müssen vorgelegt
werden; ebenso ist die Anzahl der zu löschenden Güter genau anzugeben. Die
Zollbehandlung ist, wie in allen russischen Häfen, umständlich und streng.
Quarantäne mufs in Theodosia abgelegen werden.
Ankerplatz, Schiffe, die warten müssen, bis ein Liegeplatz an den Lan-
dungsbrücken frei wird, ankern innerhalb der Wellenbrecher in der Mitte des
Hafens auf etwa‘ 12m Wasser. Der Ankerplatz ist vollständig sicher, da im
Hafen auch bei den schweren Nordoststürmen keine nennenswerthe See auf-
kommen kann.
Hafenanlagen. Der Hafen von Noworossisk liegt im inneren Theile der
Bucht und wird durch zwei Wellenbrecher gebildet, deren Köpfe 370 m vonein-
ander entfernt sind und die den Hafen nach der allein offenen Südostseite voll-
ständig schützen. Der östliche Wellenbrecher ist ebenso wie der westliche etwa
1070 m lang. Die Wassertiefe beträgt in der Mitte des Hafens etwa 12 bis 13 m
und nimmt nach dem Lande zu allmählich ab (vgl. Tafel 15). Eine Versandung
der Bucht ist nicht zu befürchten, da der einzige in sie mündende Flufs, der
Zemess, so gut wie keine Strömung hat und kein Geschiebe ablagert.
Die von der Regierung erbauten Kaianlagen an der Ostseite zwischen der
Cementfabrik und dem östlichen Wellenbrecher mit Wassertiefen von 1,5 bis 10 m
längsseit haben Schienenverbindung mit der KEisenbahnstation, werden jedoch von
nichtrussischen Dampfern kaum benutzt. Der Einfuhr und Ausfuhr dienen aus-
schliefslich die ebenfalls mit Schienengeleisen versehenen Anlagen der Wladi-
kawkas-Eisenbahngesellschaft, die auf jede Weise bestrebt ist, den Schiffsverkehr
zu erleichtern und zu heben. Sie übernimmt Stauen sowie jede Arbeit, Lieferung
von Proviant u. s. w. zu festgesetzten Preisen, um die Hafenkosten auf das
Mindestmafs zu reduciren; ebenso erledigt sie die für das Zollamt u. 8. w. nöthigen
Formalitäten. Die Hafenunkosten stellen sich daher im Vergleich mit anderen
russischen Häfen bedeutend billiger.
Von den fünf Landungsbrücken der Gesellschaft hat die nördlichste, mit
No. 1 bezeichnete einen Aufbau, auf dem durch kleine Eisenbahnwagen Getreide
aus den grofsen Lagerhäusern herangeschafft wird, um durch Röhren direkt in
den Schiffsraum verladen zu werden, Die Landungsbrücke No. 4 hat ein eisernes
Gerüst (Estakade), das durch eine in der ganzen Länge gedeckte Galerie oder
Bahn mit einem 300000 Tschetwert (ä& 2,099 hl) Getreide fassenden Elevator
verbunden ist, In der Galerie laufen zwei Gummi-Transportbänder, die das Ge-
treide vom Elevator in den Schiffsraum befördern. Eine ebensolche Einrichtung
ist für die Brücke No. 3 im Bau. Die Landungsbrücke No. 5 hat Rohrleitungen
für Naphtha und Naphthaprodukte, für deren Lagerung 14 Tanks, je zu 130000 Pud
(ä 16,4 kg), vorhanden sind. Die Wassertiefe am Kopfe der im Durchschnitt
etwa 250m langen Landungsbrücken beträgt ungefähr 6,5 bis 83m. Nach dem
Lande zu nehmen die "Piefen schnell ab, doch können immerhin zwei Dampfer
hintereinander liegen und laden. Aufser dem Elevator hat die Eisenbahngesell-
schaft noch eine groflse Zahl von Speichern, die für die Getreideausfuhr von be-
sonderer Bedeutung sind. .
. Das gröfste Schiff, das den Hafen benutzte, hatte bei einem Raumgehalt
von 10500 R.-T. einen Tiefgang von 8,2 m.
Am Strande vor der Stadt ist eine kleine Hafenanlage mit einer Landungs-
brücke und Kaien im. Bau, die von der Regierung lediglich für die Küstenschiff-
fahrt ausgeführt wird.
Gelöscht wird in Eisenbahnwagen; besonders schwere Stücke werden von
einem fahrbaren Dampfkrahn von 10 t Hebekraft wahrgenommen und auf einen
Wagen gesetzt, der auf einem anderen Geleise steht, Aufserdem ist noch ein
schwimmender Krahn. von 50 t Hebekraft vorhanden. Im Winter wird die Arbeit
durch die schweren Nordoststürme, die von aufserordentlicher Kälte begleitet
sind, oft unterbrochen. Für Sonntagsarbeit mufs besondere Erlaubnifs eingeholt
werden. '
Hafenkosten. Von der Regierung werden durch das Zollamt 2!/a Kop.
pro Registertonne Tonnengelder erhoben, An die Wladikawkas-Eisenbahngesell-
schaft sind für Benutzung der Landungsbrücken 10 Kop. Brückengeld pro Register-
tonne bei voller Ladung oder 10 Kop. vro Tonne Ladung bei Theilladung zu