Odessa.
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Hafenkosten. 1. Lastgebühr (1 Last ä 2 R.-T. netto) beträgt 10 Kop.
einkommend und 10 Kop. auslaufend, wird jedoch beim Anlaufen von mehreren
russischen Häfen unmittelbar hintereinander nur einmal erhoben,
? Leuchtfeuerabgaben bei Ankunft und Abfahrt je 7,15 Rubel für jedes Schiff,
Quarantänegebühr 2 Kop. pro Last.
Kanzleigehühr 30 Kop. pro Schiff,
Ankergeld 7 Kop. pro Last. ;
Uebersetzung von Papieren für die Quarantäneverwaltung 3 Rubel.
ı. Rollensteuer 2 Rubel.
Die Benutzuug der Konveyors der Estakade-Bahn ist frei,
Die beiden schwimmenden Krähne sind Privateigenthum und haben eine
besondere Taxe.
Die Stadt Odessa hat etwa 425000 Einwohner (1899), darunter etwa
1000 Reichsdeutsche und zahlreiche Deutschrussen, und ist Heimathshafen von
135 Dampfern und 170 Segelschiffen, ungerechnet 112 kleinere Dampfer und 342
Segelfahrzeuge. Sie ist eine Schöpfung der neueren Zeit und verdankt ihr Ent-
stehen und die Grundlage ihrer späteren Entwickelung der Kaiserin Katharina II.
and ihrem Rathgeber Potemkin. An Stelle des heutigen Odessa lag zu Ende
des vorigen Jahrhunderts der kleine befestigte türkische Ort Hadschi-Bey, der
1789 durch den russischen Admiral de Ribas erobert wurde. Fünf Jahre später
verlieh Katharina II. dem Ort den Namen Odessa, der an die alte in der
Nähe gelegene griechische Kolonie Ordesos erinnern sollte. Der erste Gouverneur
der Stadt, Admiral de Ribas, dann Herzog von Richelieu, Prinz Michael
v. Worontzoff u. A. m. haben sich grofse Verdienste um die rasche Ent-
wickelung des Handelsemporiums erworben.
Odessa liegt auf einer von einigen jetzt überbrückten Einschnitten durch-
zogenen Hochebene und ist sehr regelmäßig gebaut. Seine breiten gut ge-
pflasterten Strafsen werden häufig mit den Pariser Boulevards verglichen. Unter
denselben ist der die ganze Stadt an der Landseite umspannende äufsere Boulevard,
eine Fahrstrafse, welche die Vorstädte abgrenzt, seiner grofsen Ausdehnung wegen
bemerkenswerth. Von den Anlagen des schönen Boulevard Nicolas geniefst
man einen weiten Ausblick auf den Hafen und die See. Von der breiten
200 Stufen zählenden Freitreppe, die von der Mitte des Hafens hinauf zur Stadt
führt, gelangt man über den Richelieuplatz zum Katharinenplatz und nach kurzer
Strecke zu dem mit schönen Parkanlagen verzierten Theaterplatz, auf dem sich
das Theater erhebt. Aufser dem Alexanderpark sind noch die Strafsen Richelieu,
Deribas, Preobraschenska und Puschkin, die zu den belebtesten der Stadt ge-
hören, erwähnenswerth. Unter den öffentlichen Gebäuden sind die kirchlichen
Bauten beachtenswerth. Odessa besitzt 21 in verschiedenen Stilarten erbaute
Kirchen, mehrere Klöster und Synagogen.
Zum Stadtgebiet zählen auch die am Strande nördlich vom Hafen liegende
Vorstadt Peressyp und die Viertel Tiraspol und Woronkowka im Südwesten der
Stadt mit dem Güterbahnhof und den Hauptwerkstätten der Südwestbahn, Von
Letzterem führt eine Eisenbahnlinie nach dem Personenbahnhof am Siennaja-
Platz, Zahlreiche Strafsenbahnlinien durchziehen die Stadt und verbinden sie
mit den Vororten und der‘ Umgegend.,
Das Klima von Odessa hält die Mitte zwischen Land- und Seeklima. Der
Winter tritt langsam ein, ist nicht lang und im Allgemeinen auch nicht streng,
Während der letzten Jahre war der Hafen nur einmal, im Januar 1896, durch
Eis vollständig gesperrt. Nördliche Winde sind im Winter und Herbst am
häufigsten, sonst wehen südliche; östliche und westliche Winde sind selten. Im
Herbst wehen östliche Winde zuweilen orkanartig, im Winter kommen mehr-
tägige rauhe Nordstürme vor. Die gefährlichsten Winde sind ostnordöstliche und
südöstliche; Letztere erzeugen eine schwere See auf der Rhede.
Der Sommer hat eine kurze Hitzeperiode und trockene Nordwinde, Die
Niederschläge sind unregelmäfsig, so dafs zuweilen Dürre herrscht. Das Jahr
hat im Durchschnitt 118 windige Tage. Bei beständigem Wetter folgt der Wind
im Sommer der Bewegung der Sonne von Ost nach West. Morgens weht er
dann schwach von Norden, dreht dann mit dem Steigen der Sunne nach Osten
und frischt auf. Mittags ist er Ost; nachmittags dreht er südwärts und west-
wärts und flanut ab. Darauf nimmt’ er wieder eine nördliche Richtung an. Das