accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Odessa. 
565 
Hafenkosten. 1. Lastgebühr (1 Last ä 2 R.-T. netto) beträgt 10 Kop. 
einkommend und 10 Kop. auslaufend, wird jedoch beim Anlaufen von mehreren 
russischen Häfen unmittelbar hintereinander nur einmal erhoben, 
? Leuchtfeuerabgaben bei Ankunft und Abfahrt je 7,15 Rubel für jedes Schiff, 
Quarantänegebühr 2 Kop. pro Last. 
Kanzleigehühr 30 Kop. pro Schiff, 
Ankergeld 7 Kop. pro Last. ; 
Uebersetzung von Papieren für die Quarantäneverwaltung 3 Rubel. 
ı. Rollensteuer 2 Rubel. 
Die Benutzuug der Konveyors der Estakade-Bahn ist frei, 
Die beiden schwimmenden Krähne sind Privateigenthum und haben eine 
besondere Taxe. 
Die Stadt Odessa hat etwa 425000 Einwohner (1899), darunter etwa 
1000 Reichsdeutsche und zahlreiche Deutschrussen, und ist Heimathshafen von 
135 Dampfern und 170 Segelschiffen, ungerechnet 112 kleinere Dampfer und 342 
Segelfahrzeuge. Sie ist eine Schöpfung der neueren Zeit und verdankt ihr Ent- 
stehen und die Grundlage ihrer späteren Entwickelung der Kaiserin Katharina II. 
and ihrem Rathgeber Potemkin. An Stelle des heutigen Odessa lag zu Ende 
des vorigen Jahrhunderts der kleine befestigte türkische Ort Hadschi-Bey, der 
1789 durch den russischen Admiral de Ribas erobert wurde. Fünf Jahre später 
verlieh Katharina II. dem Ort den Namen Odessa, der an die alte in der 
Nähe gelegene griechische Kolonie Ordesos erinnern sollte. Der erste Gouverneur 
der Stadt, Admiral de Ribas, dann Herzog von Richelieu, Prinz Michael 
v. Worontzoff u. A. m. haben sich grofse Verdienste um die rasche Ent- 
wickelung des Handelsemporiums erworben. 
Odessa liegt auf einer von einigen jetzt überbrückten Einschnitten durch- 
zogenen Hochebene und ist sehr regelmäßig gebaut. Seine breiten gut ge- 
pflasterten Strafsen werden häufig mit den Pariser Boulevards verglichen. Unter 
denselben ist der die ganze Stadt an der Landseite umspannende äufsere Boulevard, 
eine Fahrstrafse, welche die Vorstädte abgrenzt, seiner grofsen Ausdehnung wegen 
bemerkenswerth. Von den Anlagen des schönen Boulevard Nicolas geniefst 
man einen weiten Ausblick auf den Hafen und die See. Von der breiten 
200 Stufen zählenden Freitreppe, die von der Mitte des Hafens hinauf zur Stadt 
führt, gelangt man über den Richelieuplatz zum Katharinenplatz und nach kurzer 
Strecke zu dem mit schönen Parkanlagen verzierten Theaterplatz, auf dem sich 
das Theater erhebt. Aufser dem Alexanderpark sind noch die Strafsen Richelieu, 
Deribas, Preobraschenska und Puschkin, die zu den belebtesten der Stadt ge- 
hören, erwähnenswerth. Unter den öffentlichen Gebäuden sind die kirchlichen 
Bauten beachtenswerth. Odessa besitzt 21 in verschiedenen Stilarten erbaute 
Kirchen, mehrere Klöster und Synagogen. 
Zum Stadtgebiet zählen auch die am Strande nördlich vom Hafen liegende 
Vorstadt Peressyp und die Viertel Tiraspol und Woronkowka im Südwesten der 
Stadt mit dem Güterbahnhof und den Hauptwerkstätten der Südwestbahn, Von 
Letzterem führt eine Eisenbahnlinie nach dem Personenbahnhof am Siennaja- 
Platz, Zahlreiche Strafsenbahnlinien durchziehen die Stadt und verbinden sie 
mit den Vororten und der‘ Umgegend., 
Das Klima von Odessa hält die Mitte zwischen Land- und Seeklima. Der 
Winter tritt langsam ein, ist nicht lang und im Allgemeinen auch nicht streng, 
Während der letzten Jahre war der Hafen nur einmal, im Januar 1896, durch 
Eis vollständig gesperrt. Nördliche Winde sind im Winter und Herbst am 
häufigsten, sonst wehen südliche; östliche und westliche Winde sind selten. Im 
Herbst wehen östliche Winde zuweilen orkanartig, im Winter kommen mehr- 
tägige rauhe Nordstürme vor. Die gefährlichsten Winde sind ostnordöstliche und 
südöstliche; Letztere erzeugen eine schwere See auf der Rhede. 
Der Sommer hat eine kurze Hitzeperiode und trockene Nordwinde, Die 
Niederschläge sind unregelmäfsig, so dafs zuweilen Dürre herrscht. Das Jahr 
hat im Durchschnitt 118 windige Tage. Bei beständigem Wetter folgt der Wind 
im Sommer der Bewegung der Sonne von Ost nach West. Morgens weht er 
dann schwach von Norden, dreht dann mit dem Steigen der Sunne nach Osten 
und frischt auf. Mittags ist er Ost; nachmittags dreht er südwärts und west- 
wärts und flanut ab. Darauf nimmt’ er wieder eine nördliche Richtung an. Das
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.