accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

364 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900, 
Der neuerbaute Petroleumhafen befindet sich 21/2 Werst (etwa 2! km) 
nördlich vom Haupthafen und schlieflst sich an den Stadttheil Peressyp an; er 
wird durch den Petroleunm-Hafendamm gebildet, dessen Kailänge 1980 m beträgt. 
Die Wassertiefe ist hier etwa 7,3 m. 
Das gröfste Schiff, das den Hafen im Jahre 1898 benutzte, war bei einem 
Tiefgang von 7,3 m und einer Länge von 155m 7300 R.-T. grofßs. 
Der Hafen von Odessa ist mit Wasserleitung versehen und wird durch 
62 elektrische Lampen beleuchtet, die sich auf den Hafendämmen und an den 
Kaien befinden. Alle Kaie und Hafendämme haben Eisenbahnverbindung. Das 
Getreide wird, wie bereits erwähnt, am Quarantäne-Hafendamm aus besonderen 
Eisenbahnwagen durch Röhren und am Materialwaaren-Kai durch sechs Konveyors 
in die Schiffe verladen, Neuerdings werden hierzu auch schwimmende Elevatoren 
gebraucht. Für das Löschen und Laden von Kohlen besitzt sowohl die „Russische 
Gesellschaft für Dampfschiffahrt und Handel“ als auch die „Gesellschaft der Süd- 
westbahnen“ auf dem Materialwaaren-Kai und dem Neuen Hafendamm bewegliche 
Dampfkrähne. Aufserdem sind zwei schwimmende Dampfkrähne von je 30t 
Hebekraft vorhanden. 
Geplant ist die Erweiterung des jetzigen Hafens durch Errichtung eines 
neuen Wellenbrechers von 250m Länge, der in einer Entfernung von 320 m vom 
jetzigen Wellenbrecher. in gerader Linie auf den Kopf des Petroleum-Hafen- 
dammes zu laufen soll. Aufserdem soll noch ein neuer Hafendamm von 1080 m 
Länge mit Wassertiefen von 8,5 m zu beiden Seiten an der Nordwestseite des 
Kronhafens erbaut werden. Zwischen dem Petroleumhafen und den Hellingen, 
längs des Strandes vor dem Stadttheil Peressyp, soll eine hölzerne Schutzwehr 
errichtet und das ganze Gelände aufgeschüttet werden. Auch die jetzigen Hafen- 
dämme und Kaianlagen sollen theilweise vergröfsert werden. Die „Russische 
Gesellschaft für Dampfschiffahrt und Handel“ beabsichtigt die Erbauung eines 
Schwimmdocks und einer Aufschlepphelling. 
Feuerlöschvorrichtungen befinden sich an Bord des dem Hauptlootsen 
gehörigen Dampfers „Schalun“, der mit einer starken Centrifugalpumpe versehen 
ist und gleichzeitig zu Bergungszwecken benutzt wird. Im Uebrigen ist die 
städtische Feuerwehr zur Hülfeleistung bei Schiffsbränden verpflichtet. Im Winter 
ist der Bergungsdampfer „Berthilde“ des Nordischen Bergungsvereins im Hafen 
von Odessa stationirt. Als Eisbrecher dienen zwei starke, der russischen Dampf- 
schiffahrts- und Handelsgesellschaft gehörige Schleppdampfer. Ein neuer His- 
brecher ist im Bau. 
Dockanlagen und Reparaturen, Trocken- und Schwimmdocks giebt 
es in Odessa nicht. Die dortigen Schiffe docken in Sebastopol. Die „Russische 
Gesellschaft für Dampfschiffahrt und Handel“ hat ein Schwimmdock in Auftrag 
gegeben, das im Sommer 1900 zur Ablieferung gelangen und Schiffe bis zu 
4500 t heben soll. 
Es sind nur zwei kleine Patenthellingen vorhanden; die eine dient der 
„Russischen Gesellschaft für Dampfschiffahrt und Handel“ zur Reinigung, Aus- 
besserung u. 8. w. ihrer eigenen Schiffe und ist für Schiffe bis zu etwa 700 t 
Gewicht, 75m Länge und 2,4 m Tiefgang berechnet, während die andere, der 
Aktiengesellschaft Bellino Fenderich gehörig, zwar allgemein zugänglich, in 
ihrer Leistungsfähigkeit jedoch auf Schiffe von etwa 1200 t Gewicht mit einem 
Tiefgang von 3 bis 3,5 m beschränkt ist. Die Patenthellingen befinden sich 
hinter dem Praktischen Hafen neben dem Andrassowschen Hafendamm. 
Abgesehen von Torpedobooten, die von der Aktiengesellschaft Bellino 
Fenderich vor einigen Jahren fertiggestellt wurden, sind Schiffe bis jetzt in 
Odessa noch nicht gebaut worden. Ausbesserungen an Schiffen und Maschinen 
werden von der genannten Gesellschaft sowie von den Fabriken Roestel, 
Bertrand, Romanoff und Kurtz übernommen. 
Hafenvorschriften, Das Einlaufen in den Hafen von Odessa ist nur von 
Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang erlaubt. Nachtarbeit im Hafen wird aus- 
nahmsweise gestattet, jedoch nur zum Laden und nur an bestimmten Plätzen, 
z. B. an den an der Estakade-Bahn gelegenen Liegeplätzen. Eine Hafenordnung 
oder Hafenpolizeiordnung im Sinne einer Zusammenstellung der einschlägigen 
Bestimmungen giebt es nicht.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.