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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

562 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1900. 
langen Kielwasser deutlich zu sehen war; der Wind war in den letzten 48 Stunden 
Ost, von mäfsiger Stärke, gewesen. Auch Fälle entgegengesetzter Art sind von 
mir schon beobachtet worden. 
Nach Beobachtungen vom Jahre 1882 bestehen in der Nähe der Küste 
zwischen den vor der Dnjestr-Mündung gelegenen Bänken und Odessa magnetische 
Störungen, so dafs dadurch bei der Annäherung an den Hafen von Odessa die 
Ablenkung der Magnetnadel eine gröfsere wird. Es ist daher wissenswerth, dafs 
der Kowalewski-Thurm, etwa 1 Sm südwestlich vom Leuchtthurm auf dem Kap 
Grofs-Fontan, in Linie mit diesem Leuchtthurm rw, S 66° 25' W peilt. In größerer 
Entfernung vom Lande verschwindet der Einflufs dieser magnetischen Störungen. 
Nachts erblickt man das weifßse feste elektrische Leuchtfeuer von Grofe- 
Fontan schon aus einer Entfernung von 21 Sm; auf der Rhede von Odessa wird 
dieses Feuer jedoch von der Peilung S 15°W an vom Lande verdeckt. 
Leuchtfeuer (siehe Leuchtfeuer- Verzeichni(s). 
Lootsen. Es giebt nur einen Hauptlootsen mit mehreren Gehülfen. Der 
Lootse kommt erst an Bord, wenn das Schiff auf der sogenannten kleinen Rhede 
innerhalb des Wellenbrechers ankert, und bringt es an den ihm zugewiesenen 
Platz am Kai oder Hafendamm. Das Lootsengeld beträgt für Schiffe von 3000 
bis 4000 R.-T. ein- und auslaufend 75 bis 80 Rubel. Die Anvahme eines Lootsen 
ist nicht obligatorisch. Am Quarantänehafen ist die Station der Lootsen der 
Nikolajeff-Gesellschaft, die von der Regierung die Erlaubnifs haben, Schiffe von 
Odessa nach Otschakoff zu lootsen. 
Schleppdampfer sind vier bis sechs vorhanden; sie haben keine feste Taxe 
und stellen ziemlich hohe Forderungen. 
Rettungswesen. Zwei gröfsere Rettungsstationen mit Betten und drei 
kleinere mit Booten und Raketenapparaten befinden sich in Odessa und der Um- 
gebung (vgl. Leuchtfeuer- Verzeichni[s). 
Sturmsignale werden bei Tage mit Kegel und Ball, nachts mit drei 
rothen Lichtern in Dreieckform von einem Mast auf dem Kopfe des neuen 
Hafendammes gezeigt. Wettersignale werden im Quarantäne- und im Praktischen 
Hafen gemacht. In diesen Häfen werden auch tägliche Wettertelegramme der 
hauptsächlichsten russischen Häfen ausgehängt. 
Quarantäne, Jedes vom Auslande kommende Schiff wird von dem 
Quarantänearzt auf den Gesundheitszustand untersucht. Ein Gesundheitspals wird 
stets verlangt. Von russischen Häfen kommende Schiffe ınüssen einen russischen 
Gesundheitspals vorweisen. Jedes Schiff muß bei seinem Eintreffen im Hafen, 
nachdem ihm von der Zollbehörde oder der Brandwache ein Platz angewiesen 
worden ist, am Fockmast eine gelbe Flagge, falls es einen reinen Gesundheits- 
pafs und keine Krankheit an Bord hat, und eine schwarze, falls es mit einem un- 
reinen oder mit Krankheit an Bord angekommen ist, hissen. Das Hissen einer 
schwarzen Flagge ist für die Schiffe, die aus einem verseuchten Hafen kommen, 
nicht obligatorisch, wenn während der letzten sieben Tage keine Erkrankungen 
an ansteckenden Krankheiten an Bord vorgekommen sind. Aus verseuchten 
Häfen kommende Schiffe werden als gesund anerkannt, wenn während der Reise 
keine ansteckenden Krankheiten an Bord sich gezeigt haben. Der Quarantäne- 
hafen für das Schwarze Meer ist Theodosia. 
Zollbehandlung. Die russischen Zollvorschriften sind sehr scharf und 
werden streng gehandhabt. Genaue Ladungsmanifeste, Konnossemente sowie 
Proviant- und Inventarliste werden verlangt. Für jedes zu viel oder zu wenig 
gelöschte Stück Ladung wird das Schiff in Strafe genommen. Das Schiff ist 
auch noch für die Ladung verantwortlich, bis sie in den Zollmagazinen angelangt 
ist, trotzdem der "Transport ziemlich weit ist. Der Kapitän kann jedoch ver- 
langen, dafs die aus dem Schiffe gelöschte Ladung von den Zollbeamten genau 
angeschrieben wird, Die Luken werden abends versiegelt und morgens zwischen 
6 und 7 Uhr wieder geöffnet. Bei Schiffen in Ballast wird nur der überflüssige 
Proviant versiegelt. 
Ankerplatz. Die ankommenden Schiffe ankern entweder auf der Rhede 
oder laufen gewöhnlich direkt in den Hafen, wo sie innerhalb des Wellenbrechers, 
jedoch frei von der Einfahrt, vor Anker gehen und den Besuch der Hafen- 
behörden abwarten. Wenn der Hafenmeister mit dem Wachtsoldaten nicht gleich 
an Bord kommt, kann der Kapitän auch allein an Land gehen, um sich bei der
	        
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