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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1900.
Darstellung nach bestimmter Richtung hin abwechselnder Druck-Erleichterungen
und -Verstärkungen. Im Sinne der Helmholtzschen Anschauung der Wogen
bewegung einer Luftschicht entlang ihrer Diskontinuitätsfläche gegen eine andere
von abweichender Strömungsrichtung kann man es aus einer solchen Wogen-
bewegung erklären, indem die Druck-Verminderung einem Auftrieb, die -Vermehrung
einem Abtrieb der wogenden Lufttheilchen entspricht. Diese Erklärung steht im
Einklang mit den experimentellen Untersuchungen der Gebrüder Weber und
kann ohne Weiteres mit der auf der zweiten Tafel ihrer Wellenlehre gegebenen
Fig. 28 belegt werden.
Die Wichtigkeit der so festgestellten Wogenbewegung besteht besonders
nach zwei Richtungen.
1. Die örtliche Depressionsbildung eines Kaltwetterregens findet durch sie
ihre Erklärung. Sie kann für die Prognose gleichartiger Erscheinungen dienen.
2. Da die Wogenbewegung im Wogenschnitt nach der örtlichen Entfernung,
im Barogramm nach der Zeit vertheilt erscheint, ist die Berechnung der Ge-
schwindigkeit möglich, in der sie sich vollzieht. Diese Berechnung ergiebt für
den vorliegenden Fall ungefähr
500 kn : 5 Stunden oder 500 000 m : 18 000°
also roh 28 m in der Sekunde.
Dafs diese Bewegung dem Strömungsunterschied der beiden Luftschichten
und bei der gering und variabel bewegten unteren Atmosphäre wie in diesem
Falle fast rein der Geschwindigkeit der oberen Luftströmung gleich ist, das ging
aus verschiedenen ähnlichen Berechnungen von Luftwogen im Vergleich mit
gleichzeitigen Ballonfahrten hervor, über die theilweise anderwärts Mittheilung
gemacht ist.) Es scheint so ein Mittel gegeben, dominirende Oberströmungen der
Luft auch ohne Wolkenbeobachtungen lediglich aus Barometerbeobachtungen an
der Erdoberfläche zu berechnen.
Der noch in jüngster Zeit mit einschneidender Bedeutung aufwetretenen
Dürregefahr gegenüber möchte ich nicht unterlassen, noch die Frage aufzuwerfen,
ob die in Indien seit etwa 20 Jahren alljährlich aufgestellten Monsunprognosen
nicht einer Verschärfung auf ähnlichem Wege zugänglich sind.
Bei den Kaltwetterregen haben wir Depressionen, die nach dem Wogen-
schlag, den ein Südoststurm der oberen Atmosphäre auf der unteren Luftschicht
im nordindischen Gebirgswinkel erzeugt, als Wirbel sich ausbilden und dem
Himalaya im S entlang von W nach O durch das Ganges-Thal ziehen,
Die Monsunregen werden über dasselbe Ganges-Thal und besonders sein
nördliches Randgebirge durch Depressionen gebracht, welche von SO nach NW
ungefähr denselben Weg ziehen. Dieser Weg steht senkrecht zur Richtung des
eigentlichen Südwestmonsuns, der seine Feuchtigkeit schon theilweise bei Ueber-
windung der süd- und mittelindischen Gebirge abgegeben hat und über das flache
Luftmeer der nördlichen Bai, des Deltas und des Ganges-Thales weiterströmt.
Es liegt nahe, an eine ähnliche Erklärung der Monsunstürme, besonders
in Assam, Bengalen und den Nordwestprovinzen, zu denken, wie an diejenigen der
Kaltwetterstürme.
Ich möchte nicht schliefsen, ohne der Deutschen Seewarte für die mir in
entgegenkommendster Weise zugänglich gemachte Bibliothek, und dem meteoro-
logischen Amt in Kalkutta für die liberale Ueberlassung seines handschriftlichen
Materials zur Kontrole und theilweise zur Gewinnung der zur Verwendung
gekommenen Luftdruckheohachtungen den gebührenden Dank abzustatten.
y
U. A. in den Jahrgängen 1894 bis 1596 der „Meteorologischen Zeitschrift“ (Wien).