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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Krebs, W.: Luftdruckbeobachtungen in Britisch-Indien. 
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!/as Zoll- Skala von 30,00 bis 30,16 Zoll oder von 762 bis 766 mm entworfen. 
In diese hinein sind die Ordinaten verlängert und auf ihnen die Maxima und 
Minima des Luftdruckes derart eingetragen, dafs, entgegengesetzt dem baro- 
metrischen Sprachgebrauch, die Minima hoch, die Maxima tief gelegt sind. 
Dieses Profilbild läfst viermal eine Periodieität erkennen, die um so 
strenger erscheint, als Abstände von ungefähr 200 und 300 km neunmal genau 
alterniren. KErstere fallen ausschliefslich dem Uebergang von Maximum zu 
Minimum, letztere demjenigen von, Minimum zu Maximum des Luftdruckes zu. In 
der Atmosphäre des nördlichen Vorderindien stellte sich demnach am Morgen 
des 15. Januar ein Rhythmus von Druckerleichterung und Druckvermehrung in 
der Richtung der durch Dallas’ Beobachtungen festgestellten oberen Luft- 
strömung heraus. Schon hiernach erschien der Schlufs auf eine Wogenbewegung 
des unteren Luftmeeres in der angegebenen Richtung gestattet. 
Wie bei den europäischen Untersuchungen wandte ich mich nunmehr um 
Bestätigung an das Barogramm über einer der der Profillinie nahegelegenen 
Stationen. Denn nur dann ist auf wirklichen Vollzug der Wogenbewegung zu 
schließen, wenn dieselbe über einer solchen Station auch in zeitlicher Vertheilung 
auftritt. Für Lahore wurde mir die Konstruktion eines solchen ermöglicht durch 
handschriftliche Mittheilung von Ablesungef, leider nur von stündlichen, eines 
Draperschen selbstregistrirenden Barometers. Von dem so konstruirten Baro- 
gramm erhielt ich zuerst keinen Aufschlufs. Die in den Tropen und Subtropen 
beherrschend ausgebildete tägliche Periode des Luftdruckes brachte den dem 
Profilbilde entsprechenden Rhythmus zum Verschwinden. Ich suchte diesen Ein- 
fuß der täglichen Periode, soweit sie gerade um die Zeit der Beobachtung 
wirksam war, in der Weise zu eliminiren, dafs ich von den Barographenständen 
der fünf Tage vom 14. bis 18. Januar für jede Stunde das arithmetische Mittel 
und dann die Abweichung von diesem Mittelwerthe berechnete. Eine Kurve dieser 
Abweichungen mufste annähernd den gesuchten Rhythmus des Luftdruckes er- 
kennen lassen. 
Thatsächlich war das der Fall, und zwar am ausgeprägtesten in der 
nächsten Umgebung der Zeit 8 Uhr morgens, welche für das Augenblicksbild 
des Profilschnittes gültig ist. Diese Kurve ist unterhalb des letzteren eingetragen. 
Der Vertikalmafsstab ist derselbe. 
. Eingetragen wurden die einstündigen Luftdruckabweichungen von dem ge- 
wählten fünftägigen Mittel von 2 bis 11 Uhr morgens. Die Orientirung zum 
Profilschnitt mulßste derart erfolgen, dafs die früheren Stände über Lahore den 
Barometerständen westlich des Lahore-Meridians entsprachen, sollte anders das 
Fortschreiten wirklich von SO nach NW stattinden. Die Lahore im Karten- 
bilde benachbarte Periode des Luftdruckes kehrt genau in der seiner Ortszeit, 
8 Uhr morgens, benachbarten Periode des Barogramms wieder. Die Druck ver- 
minderung erfordert zwei, die Druckvermehrung drei Stunden. Nur das eine 
Bedenken bleibt zunächst noch, dafs das Maximum des Barogramms auf 9, das- 
jenige des Profils auf 8 Uhr morgens liegt. Ein Blick auf die beim Vortrage 
demonstrirte Karte behebt auch dieses Bedenken. Lahore liegt nicht selbst in 
der Profillinie. Die Isobare von 30,08 Zoll oder 764 mm läfst deutlich erkennen, 
dafs das Maximum bei einer Fortpflanzung von SO her über Lahore später ein- 
treffen mußte als um 8 Uhr morgens, - 
Ein weiteres Studium der Barographenkurve ergab, dafs vom 14. bis 
16. Januar das Maximum des Luftdruckes in demselben fünfstündigen Intervall 
fünfmal, in zehnstündigen Intervallen viermal, das Minimum in fünfstündigen 
Intervallen zweimal, in zehn- und fünfzehnstündigen je einmal auftrat. Die 
Periodicität ließ sich also weiter verfolgen. Dafs sie nicht im KEinzelnen so 
streng auftrat wie in der direkten Nachbarschaft von 8 Uhr morgens, das wird 
zur Genüge durch die Ungenauigkeit der nach Stundenwerthen entworfenen 
Barographenkurve erklärt. 
Wir erkennen hier also eine in strengem Wechsel über einer bestimmten 
Richtungslinie auftretende rhythmische Aenderung des Luftdruckes. Dieselbe 
rhythmische Aenderung vollzieht. sich in dem Luftdruck über einer einzelnen 
Station. Wir sind berechtigt, das als eine Wogenerscheinung anzusprechen, 
Für ein Profilbild wie das hier entworfene habe ich deshalb die Bezeich- 
nung Wogenschnitt vorgeschlagen. Streng genommen ist es nur eine graphische
	        
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