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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1900
die Himmelsrichtung der periodischen Druckänderung genauer fest-
zulegen,
die Geschwindigkeit zu berechnen, in welcher sie sich über die Land-
oberfläche hin vollzieht.
Daneben ergaben diese Untersuchungen, daß es vortheilhaft ist, die
Isobaren auf den Luftdruckkarten von Millimeter zu Millimeter auszuziehen, da
sie dann in den üblichen 5 mm-Intervallen korrekter gezogen werden können.
Diese Erfahrungen habe ich auf die erstentdeckte Erscheinung der
periodischen Luftdruckvertheilung angewandt, die über Vorderindien am Morgen
des 15. Januar 1890 auftrat. Da diese als erste wesentliche Störung der Wetter-
lage nach einer zweimonatlichen Zeit gleichmäfsigen Hochdruckes und fast
absoluter Dürre typische Verhältnisse erwarten liefs, hielt ich sie einer genaueren
Untersuchung werth.
Das Ergebnifs hat diese Erwartung nicht getäuscht.
Da ich genaue Messungen ausführen wollte, ist die vorgelegte Karte in
der leicht kontrolirbaren Projektion auf einem Pyramidenstumpf entworfen, über
die ich zuerst dem Geographentag von 1887 berichtet habe. Diese wird in
der Weise gewonnen, dafs die Parallelabstände und je einer der Meridianabstände
oben und unten zwar als gerade Linien, aber in der dem Mafsstabe entsprechenden
natürlichen Gröfse eingetragen sind. Als nördlichen wählte ich von diesen
Meridianabständen 32° N-Br, die ungefähre Breite der Station Lahore, weil hier
eine besondere Messung vorgenommen werden sollte. Der Mafsstab ist 1:10000000.1)
Neben der Isobarenkarte ist ein Profil der periodischen Luftdruckvertheilung
im gleichen Horizontalmafsstabe entworfen. Die Richtung, in der es ent-
nommen wurde, ist dadurch genau von SO nach NW gelegt, dafs die Durchschnitte
der in dieselbe fallenden Meridian- und Parallelkreuzungen direkt miteinander
verbunden wurden.
Die Luftdruckvertheilung auf der Karie ist nach den Angaben von
62 Stationen bestimmt. Diese sind nach den auf die Gradminute genauen
Positionsangaben des „Meteorological Report“ von 1890 als Punkte eingetragen
und mit Kreisen hesser sichtbar gemacht.
Die höchstliegende der von mir verwendeten Stationen, Saugor, liegt nur
1762 Fuß oder 537 m hoch, also etwa so hoch wie München. Es ist gemeint
die exakte Höhe des Barometergefäfses.
So konnten unbedenklich die in Indien reducirten Barometerstände benutzt
werden. Dieselben sind auf Meereshöhe reducirt, bis 500 Fufs nach einer von
Blanford, höher als 500 Fuß nach einer von dem britischen Ingenieurhauptmann
Cunningham auf Grund der Laplaceschen Formel ausgearbeiteten Tabelle,
ohne Rücksicht auf Dampfdruck,
Handschriftliches Material aus Kalkutta gestattete Reduktion der Baro-
meterablesung zu Montgomery auf Seehöhe und Nachberechnungen für Lahore
(702 Fufs), in denen der Dampfgehalt der Luftsäule bias Meeresniveau und ihre
mittlere Temperatur berücksichtigt wurde. Diese Nachberechnungen ergaben,
ebenso wie die Reduktion nach anderen Formeln, relative Abweichungen nur in
Tausendsteln eines Zolles.
Ich durfte mich demnach wohl für berechtigt halten, die Isobaren der
Karte auf !/2s Zoll, also 1 mm genau auszuziehen. So sind die Isobaren
auf der einen Seite mit auf der anderen Seite mit
30,16 Zoll 766 mm,
30,12 » 765
30,08 764 »
30,04 , 763
20.00 . 162 .
bezeichnet,
Durch senkrechte Ordinaten wurden danach die Maxima und Minima des
Luftdruckes, wo sie auf der Profillinie liegen oder ihr nahe kommen, auf die
Basis der Profilkarte übertragen, welche parallel der Sehne des Profilbogens
gelegt ist. Oberhalb dieser Basis ist mit Unterabtheilungen von */oo Zoll eine
1) Die Zahlenangaben beziehen sich auf die beim Vortrag demönstrirte Karte, die auf
Tafel 14 entsprechend verkleinert ist.