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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Krebs, W.: Luftdruckbeobachtungen in Britisch-Indien, 
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Luftdruckbeobachtungen in Britisch-Indien und die Theorie der 
Luftwogen., 
Vortrag, gehalten vor der meteorologischen Abtheilung 
der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu München 1899 
von Wilhelm Krebs.) 
(Hierzu Tafel 14.) 
Bei der Tagung in Bremen 1890 und derjenigen in Lübeck 1895 war mir 
vergönnt, der klimatologischen Abtheilung der Naturforscherversammlung über 
die Ergebnisse zweier Untersuchungen subtropischer und tropischer Witterungs- 
verhältunisse zu berichten, die Aussicht auf eine Vervollkommnung der für die 
Subtropen wichtigen Dürreprognosen eröffneten. Die erste betraf besonders Indien, 
die zweite China, beide waren im Wesentlichen klimatologisch-statistisch. 
Die erste Untersuchung liefs schon damals auch in wmeteorologisch- 
physikalischer Hinsicht einen wichtigen Zug erkennen. Die Bildung einer 
Depression, welche im Januar 1890 dem nordwestlichen Indien nach dreimonat- 
lichem ungewöhnlichen Regenmangel die ersten Niederschläge brachte, folgte 
dem Auftreten einer streng periodischen Luftdruckvertheilung von SO nach 
NW, das auf der Isobarenkarte des vorhergehenden Morgens entgegentrat. 
Unter dem Eindruck der Lektüre der von Helmholtz der Berliner Akademie 
der Wissenschaften nicht lange vorher eingereichten Vorträge über Wogen- 
bewegungen in der Atmosphäre, war ich bald überzeugt, hier eine Wogen- 
bewegung vorzufinden, welche durch Druckverminderung und -Vermehrung auf 
der Erdoberfläche zur Wahrnehmung kam. 
In Zusammenhang mit jener Depressions- und Niederschlagsbildung liefs 
erwähnte Beobachtung grofse praktische Wichtigkeit für Prognosenzwecke 
erwarten. 
Diese Depressionen sind dem Norden Vorderindiens, und zwar nur im 
Nordwinter, von Dezember bis März, eigen. Sie werden mit ihren Folge- 
erscheinungen als Kaltwetterregen (Cold weather storms) bezeichnet. Zur KEr- 
klärung ihres Zustandekommens wurden von indischen Meteorologen verschiedene 
Theorien aufgestellt, in deren einer auf eine westliche Luftströmung in 10000 Ful, 
also etwa 3000 m Höhe Bezug genommen ist, die aber nur in den Zeiten schönen 
Wetters beobachtet werden konnte, und deren Ursprung auf die trockenen iränischen 
Steppengebiete zurückyeführt wurde. 
Nach der Anordnung der Luftwogen vom 15. Januar 1890, die dem ersten 
Kaltwetterregen vom 16. Januar 1890 vorausging, schlofs ich schon 1890 auf eine 
obere Luftströmung aus SO. Das Vorhandensein derselben kurz vor Bewinn 
jedes Kaltwetterregens ist nach den von dem indischen Meteorologen Dallas”) 
sieben Jahre später veröffentlichten Wolkenbeobachtungen über Simla als fest- 
gestellt zu erachten. Dieselbe vollzieht sich nach Dallas zwischen 10000 und 
25 000 Fufs, also zwischen ungefähr 3000 und 8000 m Höhe. Sie kann deshalb 
gleichzeitig mit der Eliotschen West — Ost-Strömung vorhapiüen sein und über 
dieselbe hinwegstreichen. . 
Eine ähnliche periodische Luftdruckerscheinung fan®@ später Dr. Herrmann 
wiederholt auf den synoptischen Karten des nordatlantischen Gebietes, die von 
der Seewarte herausgegeben werden. Ich verfolgte sie weiterhin auf europäischen 
Wetterkarten, besonders im Anschlufs an Ballonfahrten, durch welche bestimmte 
obere Luftströmungen festgelegt waren. Eine neue wichtige Beziehung ergab 
sich zu den von verschiedenen europäischen Stationen veröffentlichten Baro- 
grammen. Die Barogramme verzeichnen die Druckänderung über einem Orte 
nach der Zeit, die Luftwogen dagegen verzeichnen die Druckänderung zu einer 
Zeit — allerdings der erst auf Simultanzeit zu reducirenden Ortszeit — nach 
der räumlichen Vertheilung. Diese Beziehung gestattete 
1) Die Vertretung der in diesem Aufsatz niedergelegten Ansichten und gegebenen Dar- 
stellungen mufs allein dem Verfasser überlassen bleiben. 
2) „Ann. d. Hydr. ete.“ 1897, S. 2583,
	        
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