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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

van) 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1900. 
mit der Stärke 7 bis 5, und auch am zweiten und dritten Tage nach dem Sturme 
blieb der Wind, zuletzt bei schönem Wetter, aus dem westlichen Halbkreise. 
Erst nachdem das Barometer wieder über 761 mm gestiegen war, setzte am 1. No- 
vember der regelmäfsige Nordostpassat wieder ein. 
Ich hätte beim Heranziehen des Sturmes das Schiff gern westlich von den 
Cayman-Inseln gebracht, um mehr Seeraum beim Treiben zu haben; da aber der 
Schiffsort nicht genau genug bekannt und die Luft dick von Regen war, sah 
ich mich genöthigt, an der Ostseite der Inseln beizudrehen. Wir lagen zuerst 
auf den unrichtigen Halsen; als der Wind anfıng, nach rechts um zu gehen, sah 
ich das ein und ließ das Schiff auf St. B.- Halsen legen, worauf das Barometer 
bald aufzugehen und der Sturm abzunehmen begann. Obgleich die eigentliche 
Orkanzeit schon vorüber war, befürchtete ich doch, in das Centrum eines Wirbel- 
sturmes hinein zu laufen. 
Anmerkung der Abtheilung I der Seewarte. Die „Pilot Chart“ für 
Dezember 1899 des „Hydrographic Office“ in Washington verzeichnet die Bahn 
eines Sturmes, der am 27. Oktober westlich von Jamaica auf etwa 80° W-Lg er- 
schien und, langsam nordwärts weiter ziehend, am 29. in derselben Läuge Cuba 
überschritt. In der folgenden Zeit wurde die Zuggeschwindigkeit eine größere; 
am 30. lag das Sturmfeld nördlich von den Bahamas, am 31. trat es bei Kap 
Fear auf den amerikanischen Kontinent und ging am 1. November über Baltimore, 
Philadelphia, New York und Boston hinweg. Den weiteren Verlauf der Sturm- 
bahn führt die Karte über Neu-Schottland und Neufundland ganz bis nach der 
Westseite von Schottland, wo die Depression am 5. November angekommen sein 
soll. Mit den Beobachtungen an Bord von „Gertrude Henriquez“ sind die An- 
gaben der Karte in guter Uebereinstimmung. Die Aenderung des Windes von 
0SO dureh SO und S nach SW zeigt an, dafs die Sturmbahn nach Nord gerichtet 
war und dafs die Bark an der rechten Seite derselben sich befand. Die Annahme 
der Bahn in höheren Breiten quer über den Nordatlantischen Ozean bleibt zu- 
nächst unsicher. 
3. Von Tampico nach Laguna de Terminos. 
Am 18. November 1899 verliefs „Gertrude Henriquez“ mit Hülfe des 
Schleppers den Hafen von Tampico. Aulserhalb des Wellenbrechers stand eine 
gefährliche südöstliche See, die aber beim Weitersegeln auf tieferem Wasser 
etwas abnahm. Es wehte ein frischer Wind aus SO bis SSO, der am 19. einen 
stürmischen Charakter annahm, Derselbe flaute am folgenden Tage zur Wind- 
stille ab; erst am 21. trat der erwartete nördliche Wind ein. Dieser blieb 
jedoch auch nur flau, drehte sich nach rechts und setzte sich am 23. November 
wieder in SO fest. In der Nacht vom 23. zum 24. November steigerte sich die 
Windstärke auf 6. Schon am Abend vorher zeigten sich im Norden weifse 
Wolkenköpfe und heftiges Wetterleuchten, und das Barometer, welches vorher 
einen Stand von 757 mm gehabt hatte, begann zu sinken. Kurz nach Mittag des 
24. fiel dann beim niedrigsten Barometerstande von 754,4 mm der Wind, nach- 
dem er für einige Stunden flau und umlaufend gewesen war, als ein heftiger 
Norder mit Stärke 7 aus NNW ein, worauf das Barometer rasch auf 761,1 mm 
aufgzing und die regelmäßigen täglichen Schwankungen sich wieder einstellten. 
Der Norder liefs uns in einem Etmal den halben Weg von Tampico nach 
Laguna zurücklegen. Um 3'/a Uhr nachmittags am 25. November wurde Land 
gesichtet, zuerst Vigia-Feuerthurm, dann der Feuerthurm, der die Einfahrt nach 
Laguna bezeichnet. Die Wassertiefe nahm schnell ab. Da der Abend heran- 
nahte und näher der Einfahrt eine schwere Brandung stand, so wurde um 
5'/a Uhr, als die äufserste Tonne auch in Sicht gekommen war, NzW 21% Sm 
von dieser auf 6,3 m (3!/s Faden) Tiefe yeankert. 
4, Wind und Strom in der Florida-Strafse. 
Nachdem „Gertrude Henriquez“ am 14. Februar 1900 mit einer vollen 
Ladung Mahagoni-, Cedern- und Blauholz von der Aufsenrhede von Laguna de 
Terminos in See gekommen war und ihre Reise westlich von Cuba und durch
	        
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