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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Herrmann, E.: Die Eisverhältnisse an der deutschen Küste im Winter 1899/1900. 541 
23. wieder der Schlepper sich bedienen mufsten. Nach den Weihnachtsfeiertagen 
wurde zunächst kein Kis mehr gemeldet. Am 12. Januar nöthigte eine Eisdecke die 
Segelschiffe abermals, Schlepperhülfe anzunehmen. Auch am 22. Januar war die 
Schiffahrt erschwert und am 27. war für Segelschiffe Schlepperhülfe erforder- 
lich, desgleichen am 8. Februar. Von da bis zum 7. März war nur noch am 
J). und 17. Februar die Schiffahrt etwas erschwert. Am 8. März machte eine 
Eisdecke für Segelschiffe Schlepperhülfe nöthig. Am 15. März gestattete zu- 
sammengeschobenes Eis nur starken Dampfern die Zufahrt und am 16. 
schlossen dichte starke Eismassen die Schiffahrt ganz. Die Ursache für diese 
stärkere Eisbehinderung in der Mitte des März ist nicht härterer Frost, sondern 
Jas Auftreten lebhafterer nordwestlicher Winde am 14. März, durch welche KEis- 
massen von See in den Eingang des Haffs hineingetrieben wurden. Dieser 
»inzige Tag des vergangenen Winters mit vollständiger Eissperre endete die 
Eisbehinderungen für Memel, denn vom 17. März an kamen Erschwerungen der 
Schiffahrt nach Memel nicht mehr zur Meldung. E. Herrmann. 
Von Hamburg nach Tampico, Mexiko, weiter nach Laguna de 
Terminos und von dort zurück nach Falmouth. 
Aus dem Bericht über die Reise der Bark „Gertrude Henriquez“, Kapt. F. Bachmann. 
|. Durchfahrt von Ost nach West zwischen Antigua und Guadeloupe, 
Beim Ansegeln der Durchfahrt zwischen Antigua und Guadeloupe am 
18. Oktober 1899 morgens konnten wir, da die Luft klar war und nur kleinere 
Passatwolken aufwies, das Land schon in einer weiten Entfernung sehen, Als 
wir in die Straße kamen und die Insel Montserrat in Sicht erhielten, beob- 
achteten wir eine beträchtliche Stromversetzung nach NW, so dafs wir, um den 
Kurs, den die Landpeilungen ergaben, einzuhalten, immer südlicher steuern 
mußten. Der Wind war zur Zeit ONO 4. Im Uebrigen machte die Durchfahrt 
keine Schwierigkeiten. 
2. Sturm im Karaibischen Meere im Oktober 1899. 
Im Karaibischen Meere nahmen wir die Route nördlich von Jamaica. Als 
wir unweit der Südküste von Haiti am 24. Oktober westlich von der Beata-Insel 
und Alta Vela gekommen waren, begann das Barometer, welches bis dahin sich 
zwischen 761 und 759 mm (red.) gehalten hatte, langsam zu fallen. Es herrschte 
dabei leichter bis frischer Wind aus O, begleitet von vielem Blitzen und von 
häufigen Böen und Regengüssen. Nachdem das Barometer zum Fallen über- 
gegangen, nahm der Wind eine Richtung südlich von O an, dabei mehr und 
mehr auffrischend, so dafs die Reise schnell vorwärts ging. In der Nacht vom 
27. zum 28. Oktober, als wir uns nördlich vom Westende Jamaicas befanden, 
nahm der Wind, von O0SO nach SO und später nach SSO drehend, zum Sturme 
zu; das Barometer war um 4 Uhr morgens auf 749,6 mm gefallen. Da die Luft 
dick von strömendem Regen war und wir in der Nähe der Cayman - Inseln sein 
mufsten, ließ ich das Schiff um 4 Uhr auf B. B.-Halsen beilegen. Der Sturm 
holte, während das Barometer noch fiel, um 8 Uhr morgens auf SSO. Er wehte 
mit voller Kraft, mit schweren Böen und wolkenbruchartigem Regen. In allen 
Richtungen blitzte es, und es lief eine hohe gewaltige‘ unregelmäfsige See. Die 
Lage des Schiffes auf B, B.- Halsen war keineswegs eine günstige. Wir gingen 
deshalb, und da der Wind sich noch mehr nach rechts drehte, gegen 2 Uhr 
nachmittags auf St. B.-Halsen. Um 4 Uhr erreichte das Barometer mit 747,1 mm 
seinen niedrigsten Stand; zur gleichen Zeit holte der Wind auf SSW und nach 
8 Uhr auf SW und begann langsam abzunehmen. Am nächsten Tage, dem 
39, Oktober, wehte es bei allmählich zunehmendem Luftdruck aus SW bis W
	        
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