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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1900. 
Die zweite Eiszeit des vergangenen Winters an der Nordseeküste ist nicht 
nur von kurzer Dauer, sondern bringt auch nur geringere Krschwerungen für 
die Schiffahrt mit sich. Der am 14. Januar für das nordwestliche Deutschland 
aintretende stärkere Frost bewirkt am folgenden Tage auf Ems, Jade, 
Weser, Elbe und bei Norderney neues Eistreiben, auf dem Watt bei Husum 
die Bildung von dichten Eismassen. Für Segelschiffe ist die Schiffahrt geschlossen 
auf der Ems vom 16. bis 18. Januar, erschwert bei Norderney vom 16. bis 18,, 
auf der Jade und der Elhe vom 15. bis 18.; während von der Weser keine Ver- 
kehrsstörungen durch das Eis gemeldet werden. Es ist hier der Gegensatz zwischen 
dem schnellen und stärkeren Erscheinen den Verkehr hindernden KEises alsbald 
nach Eintritt von Frost und des langsameren Zurücktretens der KEishindernisse 
bei Thauwetter bemerkenswerth, denn schon vom 16. Januar blieb das Thermo- 
meter an der Nordseeküste zunächst über dem Gefrierpunkte. Das KEistreiben 
in der Elbe hielt noch bis zum 24. Januar an. 
Das letzte Drittel des Januar ist für ganz Deutschland aufserordentlich 
mild, insbesondere im nordwestlichen Deutschland sinkt das Thermometer nur 
an wenigen Tagen unter den Gefrierpunkt. Gegen Anfang Februar aber werden 
Nachtfröste allgemein und auch am Tage wird 0° nur wenig überschritten. 
30 kommen die stärkeren Nachtfröste gegen den 7. Februar und der am 8,, 9. 
und 10. vielfach auch am Tage anhaltende Frost nochmals durch KEisbildung im 
nordwestdeutschen Küstengebiete zur Geltung. Am 8. Februar wird zuerst von 
der Elbe loses Eis gemeldet. Am 10. folgt die Weser in gleicher Weise nach, 
während an diesem Tage das Eis auf der Elbe und Ems sich bereits zu strich- 
weise auftretendem Treibeis verdichtet hat. Mit dem 17. Februar tritt intensives 
Thauwetter im Nordseegebiet ein. Das KEistreiben hält an auf der Ems bis 
zum 19., auf der Weser nur bis gegen den 17., auf der Elbe bis gegen den 
22, Februar. Dafs der Verkehr für Segelschiffe erschwert sei, wird in dieser 
dritten Eiszeit des Winters 1899/1900 nur gemeldet von der Ems in den Tagen 
vom 12. bis 17. Februar, von der Jade vom 15. bis 17. Februar, zeitweise von 
einzelnen Meldestellen der Elbe innerhalb der Tage vom 9. bis 16. Februar. 
Der Zugang zu Husum ist am 14. und 15. Februar für Segelschiffe geschlossen 
gewesen. 
) Die letzte Woche des Februar brachte für das ganze westliche Deutsch- 
land so hohe Grade der Luftwärme, dafs das Wasser der in die Nordsee 
mündenden Flufsläufe auf Temperaturen gebracht wurde, welche eine nennens- 
werthe Eisbildung durch die Fröste der ersten Märztage nicht mehr zuliefsen, 
Somit hatten für die Nordsee die Kiszeiten des Winters mit dem zweiten Drittel 
des Februar ihr Ende erreicht. 
Il. Ostsee. 
Die Eisverhältnisse der Ostseeküste lassen sich nicht unter so einheitlichen 
Gesichtspunkten zusammengefafst betrachten, wie die der Nordseeküste. Grofse 
Verschiedenheit der Eisverhältnisse werden bedingt nicht allein durch grofse 
Unterschiede der winterlichen Temperaturen des östlichen und des westlichen 
Theiles der Ostseeküste, sondern in hervorragendem Mafse auch durch die 
Verschiedenartigkeit der Küstengestaltung und der hydrographischen Verhältnisse, 
wobei diese Verschiedenartigkeit in einigem Grade ausgleichende Erscheinungen, 
wie die Gezeitenströmungen an der Nordseeküste, fast gänzlich fehlen. Dazu 
treten noch wesentliche Verschiedenheiten in der Art der an den einzelnen 
Küstenstrecken und Hafenplätzen verkehrenden Schiffe, sowie der Hülfsmittel 
zur Beseitigung der Eishindernisse, so dafs besonders der etwaige Schlufs der 
Schiffahrt an den einzelnen Orten von sehr verschiedenen Kisverhätnissen ab- 
hängig ist. 
Das zur Zeit hier vorliegende Material gestattet zunächst nicht, die Kis- 
verhältnisse des letzten Winters an der Ostseeküste zu diesen verschiedenen 
Umständen in Beziehung zu setzen. Daher wird die folgende Darstellung sich 
auf die einfachen Thatbestände an den verschiedenen Küstenorten beschränken 
müssen. Zum Vergleich mit den in diesem Winter an den verschiedenen Theilen 
der Ostseeküste herrschenden anhaltenden Frostperioden mag dieser Darstellung 
der Eisverhätnisse eine Zusammenstellung der Tage folgen, an denen das 
Thermometer den Thaupunkt nicht überstieg.
	        
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