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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Kiungtschau. 
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Die Stadt Kiungtschau, Der Hafenplatz von Kiungtschau ist, wie bereits 
erwähnt, die Stadt Hoihau, die im Jahre 1876 für den Handel geöffnet wurde 
und seit der Zeit auch officiell Kiungtschau genannt wird. Die Bevölkerung von 
Hoihau wird auf etwa 12000 Seelen geschätzt, darunter 6 Deutsche und einige 
andere Europäer. Die Stadt erstreckt sich längs der flachen Küste der Bucht 
und am Ufer eines seichten Baches, der bei Hochwasser einen Nebenarm des 
Hauptflusses bildet. Obwohl durch diese Lage, die das Landen von Gütern nur 
bei Hochwasser gestattet, der Handel sehr erschwert wird, hat die Stadt doch 
eine ziemliche Bedeutung gewonnen. Gleich den meisten chinesischen Städten 
ist auch diese mit einer Mauer umgeben und hat ausgedehnte Vorstädte. Vier 
grofse Thore stehen im rechten Winkel zum Flusse. 
Kiungtschau, die Hauptstadt von Hainan, zählt etwa 40000 Einwohner 
und hat nur für kleine Boote Wasserverbindung mit Hoihau; sie liegt etwa 3% Sm 
südlich von der letzteren Stadt, Die Strafse zwischen den beiden Orten führt 
über eine flach wellenförmige Ebene. Auf beiden Seiten der Strafßse liegen aus- 
gedehnte gut im Stande gehaltene Kirchhöfe. Die Bedeutung von Kiungtschau 
liegt nur darin, dafs diese Stadt Sitz der Behörden ist; sonst ist sie viel unbedeu- 
tender und hat weniger Kaufmannesläden als Hoihau, Die längste Strafe der 
Stadt ist ungefähr %/4 Sm lang, ist jedoch sehr schmutzig, wie auch die ganze 
Stadt einen schmutzigen und verfallenen Eindruck macht. Die Gesundheits- 
verhältnisse von Hoihau lassen wegen des schlechten Trinkwassers und der fort- 
währenden Feuchtigkeit der Luft, die Wechselfieber erzeugt, viel zu wünschen übrig. 
Die ungesundeste Zeit beginnt im Mai oder Juni und dauert bis Oktober, im 
Sommer sind Cholerafälle ziemlich häufig; im März und April treten oft sehr 
heftige Gewitterstürme auf, welche die Luft reinigen und den Gesundheitszustand 
bessern, so dafs Fieberfälle in diesem Monat fast gar nicht vorkommen. 
Handelsverkehr (1898). Es liefen ein: 
Dampfer mit Ladung 169 mit 103 576 Reg.-T. 
= 4 in Ballast 197 „ 127386 , 
Davon waren deutsch: 
Dampfer mit Ladung 68 mit 46 012 Reg.-T. 
in Ballast 54 „ 37905 
Einfuhr: Opium, Baumwollgarn, Petroleum, Mehl, Manchesterwaaren u. 8. w. 
jm Werthe von 2 002 876 Haikwan Taels. 
Ausfuhr: Schweine, Geflügel, Eier, Zucker, Leder u. s. w. im Werthe von 
1 686 682 Haikwan Taels. 
Hoihau hat Kabelverbindung mit der gegenüber liegenden Halbinsel 
Leitschau und von hier Anschlufs an die übrigen Telegraphenlinien Chinas. 
Seefischerei wird nur durch kleine Dschunken für den örtlichen Bedarf 
betrieben. 
Schiffsausrüstung. Kesselkohlenvorräthe sind nicht vorhanden, höchstens 
kann ein Dampfer gelegentlich so viel Kohlen erhalten, um nach Hongkong zu 
kommen. Frischer Proviant, als Schweine, Hühner, Eier u. s. w., ist in grofsen 
Mengen zu haben. Die Durchschnittspreise stellen sich für Schweine auf 10 $ 
der Picul = etwa 121 Pfund, für.Hühner 0,20 bis 0,30 $ das Stück und für Eier 
0,60 $ für 100 Stück. Dauerproviant ist nicht zu haben. Wasserversorgung ge- 
schieht durch chinesische Wasserboote zum Preise von ungefähr 0,50 $ für die 
Tonne. Das Wasser ist meistens schlecht. 
Auskunft für den Schiffsverkehr. Das deutsche Konsulat liegt im Zoll- 
hause, an dem Hoihau-Flusse. Die Hafenbehörde ist mit der Zollbehörde ver- 
bunden und hat ebenso wie die Hafenpolizeibehörde ihren Sitz im Zollhause, 
Ein Krankenhaus, The American Presbyterian Mission Hospital, ist vorhanden. 
Landungsplatz für Boote ist beim Zollhause. Die Priele, welche durch die der 
Flufsmündung vorgelagerten Bänke führen, sind von Booten meist nur bei Hoch- 
wasser zu passiren. Zum Verkehr mit dem Lande bedient man sich am besten 
eines chinesischen Sampans.
	        
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