Kiungtschau.
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mit einzelnen Sandinselchen erstrecken sich vor der Stadt Hoihau bis 1! Sm
vom Lande entfernt. Dazwischen führen nur einzelne theilweise für Boote be-
fahrbare Priele hindurch und nach der Stadt. Vor der Bakscha-Huk sowohl wie
vor der Tschingmae-Huk sind viele Fischerbuhnen, auf die bei der Ansteuerung
der Bucht gehörig Rücksicht zu nehmen ist.
Vom Osten kommend, sind drei Einfahrten in die Hainan-Strafse, die Süd-
oder Innere Einfahrt, die Mittlere und die Nordeinfahrt. Die erstere führt dicht
unter der Nordostküste von Hainan längs und ist betonnt; sie wird daher haupt-
sächlich benutzt und ist besonders bei unsichtigem Wetter zu empfehlen, weil
auch dann wegen der Nähe des Landes noch Landmarken auszumachen sind. Die
Mittlere Einfahrt verdient bei klarer Luft den Vorzug, während die Nordeinfahrt
nicht empfehlenswerth ist und auch . wenig benutzt wird. Die Einsteuerung in
die Hainan-Strafse vom Osten wird meistens unter Führung eines Lootsen unter-
nommen, der von Hongkong oder einem anderen Platze in der Nähe mitgenommen
wird. Bei klarer Luft kann man direkt auf die Mofu-Huk zusteuern, anderenfalls
thut man gut, die 30 Sm weit sichtbare Nord-Taya-Insel anzusteuern, weil man
sonst durch die häufig mit beträchtlicher Geschwindigkeit laufende Strömung auf
die Südbänke versetzt werden kann. Während des Nordost-Monsuns darf man nicht
darauf rechnen, Land weiter als 10 bis 12 Sm zu sichten. Das Loth ist eben-
falls ein guter Führer; solange man zwischen 55 und 75 m Wasser hat, ist man
im richtigen Fahrwasser. Man läuft nun auf den Mofu-Hügel zu, bis man auf
ungefähr 18 m Wasser kommt, und hält sich dann mit nordwestlichem Kurse
zunächst auf dieser Wassertiefe. Bei frischem Winde erkennt man die Bänke
im Norden aufser an dem dunkelgelben Wasser, das sich auf ihnen befindet,
recht gut an der darauf stehenden Brandung; bei der Hainan-Huk allerdings
steht dann auch im Fahrwasser eine kurze, hohe, überkämmende See, die schwer
erkennen läfst, wo die Bänke aufhören. Von Landmarken ist eigentlich nur der
Mofu-Hügel mit Sicherheit auszumachen, die Mofu-Huk erst, wenn sie achteraus
in SO kommt; bei klarer Luft sieht man auch den Potschin-Hügel mit der Pagode,
Nachdem man die 3,7 m-Stelle an St. B. und die schwarze Tonne mit Dreieck-
toppzeichen der Riversdale-Untiefe an B. B. gelassen und zwischen der rothen
Tonne und der schwarzen Tonne vor der Hainan-Huk hindurchgelaufen ist, muß
man den Kurs auf West ändern, sobald man die letztere Tonne passirt hat oder
die Potschin-Pagode frei vom Lande ist.
Die weitere Fahrt westwärts südlich von der Kleinen (Little) Bank und
nördlich von den Bakscha-Bänken bietet unter Benutzung der oben angeführten
Landmarken und bei Beachtung der Strömungen keine Schwierigkeit. Oestlich von
der Einfahrt in die Hainan-Straße setzt der Fluthstrom gewöhnlich nordwestwärts
und der Ebbstrom ostwärts; während des Nordost-Monsuns trifft man weiter ab eine
Versetzung nach WSW von 1 bis 2 Sm an. In der Strafse selbst setzt der Strom
westwärts oder ostwärts, In der Inneren Durchfahrt setzt der Fluthstrom stark
auf das Riff vor der Hainan-Huk zu, und weiter westlich mufs man mit dem Strom
rechnen, der in die Potschin-Bucht hineinsetzt. Die starken, quer über die West-
einfahrt der Inneren Durchfahrt hinwegsetzenden Gezeitenströme lassen es zuweilen
gerathen erscheinen, östlich und nördlich von der Kleinen Bank zu passiren.
Westlich von Hainan Head kann man auf 10 bis 15 m Wasser ankern
und bei nicht zu starkem Monsun auch östlich davon auf etwa 20m. An letzterer
Stelle kann man gezwungen werden, für kurze Zeit zu ankern, wenn man von
heftigem Regen oder Nebel überrascht wird.
Nachdem man die vor der Bakscha-Huk befindlichen Fischerbuhnen in
gutem Abstande umsteuert hat, kann man, mit etwa Südsüdwest-Kurs auf die Hum-
mocks zuhaltend, den Ankerplatz aufsuchen.
Zur Ansteuerung der Mittleren Einfahrt (Reisebericht S. M. S. „Irene“ 1896)
diente die vor derselben ausgelegte schwarz und roth wagerecht gestreifte
Tonne mit Kugeltoppzeichen (existirt nach den neuesten Karten und Segel-
anweisungen nicht mehr), die auf beinahe 3 Sm Entfernung gesichtet wurde,
obwohl die Luft nicht völlig klar war. Der südlichste Theil der Nordbank
mit 11 bis 18 m Wasser liefs sich gut anlothen. Die auf den Bänken stehende
Brandung konnte von den weifßsen Köpfen des nicht unbeträchtlichen See-
ganges gut unterschieden werden und kam schon in vorlicher Peilung in
Sicht. Von dem Lande wurde zuerst 5 Sm nach dem Passiren der Tonne