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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Der Kanton-Flufs. 
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halt. Die Wassertiefen in der Nähe der Kaipong- und Lema-Inseln betragen 
40 bis 44 m, während man an der Aufsenseite der Ladronen und ebenso der 
Inseln westlich davon bis zu einer beträchtlichen Entfernung seewärts nur 18 
bis 20 m Wasser findet, Letztere ähneln auch wegen ihrer Gröfse und regel- 
mäfsigen Gestalt mehr einer Festlandküste, während die östlichen Inseln hoch 
und uneben sind und vereinzelt liegen. 
Segelschiffe thun bei östlichen Winden, oder falls solche oder nördliche 
Winde zu erwarten sind, wie z. B. am Ende des Südwestmonsuns, gut, die 
Nordosthuk von Tamkan anzusteuern und durch die Lema- und Lantau-Durch- 
fahrt in den Flußs zu laufen. Auf diese Weise entgehen sie der Gefahr, durch 
den Strom westwärts vertrieben zu werden, und können auch mit nördlichen 
Winden ‚einen Ankerplatz im Flufs erreichen. Die Taifune beginnen gewöhnlich 
mit steifem Winde aus nördlicher Richtung und drehen nach Osten, ehe sie mit 
voller Gewalt einsetzen. Man kann also in einem solchen Falle noch rechtzeitig 
mit günstigem Winde bis oberhalb der Insel Lintin kommen, wo man geschützter 
liegt als zwischen den Inseln weiter aufserhalb. Befindet man sich des Abends 
vor der Lema-Durchfahrt, und man erwartet einen Taifun, so laufe man unver- 
züglich in die Taitam-Bucht oder in die Tathong- oder die Ost-Lamma-Durch- 
fahrt, wo man geschützte Ankerplätze findet. Bei unsichtigem Wetter und steifen 
östlichen und südöstlichen Winden, wenn man nur 3 bis 4 Sm weit sehen oder 
die Lema-Durchfahrt nicht erreichen kann, sollte man aufserhab der 48 m-Grenze 
beidrehen. Man treibt dann frei von allen Inseln. Bei südwestlichen Winden 
trifft man in der Lema-Durchfahrt oft einen ostwärts mit einer Geschwindigkeit 
bis zu 1!/ Sm setzenden Strom, der durch den zwischen den zahlreichen Inseln 
herauslaufenden Ebbstrom und den von SW kommenden Fluthstrom hervor- 
gerufen wird und bei der Durchsteuerung einige Schwierigkeit bereitet. Die 
Geschwindigkeit dieses Stromes läfst nur etwas nach, wenn er unter gewöhn- 
lichen Umständen seine Richtung ändern mülste. 
Mit westlichem Kurse steuere man auf die Lantau-Durchfahrt zu, indem 
man sich nördlich von Lingting hält. Dieser Weg ist dem südlich von der Insel 
vorzuziehen; man muls sich nur gut frei von den Klippen halten, die vor dem 
Nordostende von Lingting liegen. Der Kurs durch die Lantau-Durchfahrt ist 
etwa NWzW. Mit tiefgehendem Schiffe darf man die Verbindungslinie zwischen 
den Südwesthuken der Lantau- und der Atschau-Insel (Soko-Gruppe) nicht über- 
schreiten. Nach dem Passiren der Südwesthuk von Lantau in angemessener 
Entfernung kann man mit etwa nordnordwestlichem und darauf mit nördlicherem 
Kurse unter Berücksichtigung des Gezeitenstromes weiter bis zur Insel Lintin 
oder oberhalb von ihr laufen. Man halte guten Ausguck nach Fischerbuhnen, 
von denen mehr in der Mündung des Kanton-Flusses vorhanden sind, als in der 
Karte verzeichnet stehen. Die an der Ostseite von Lintin und im Flusse befind- 
lichen Fischerbuhnen sind nachts an beiden oder doch wenigstens an den dem 
Fahrwasser zugekehrten Enden durch weiße Lichter gekennzeichnet. ; 
Man kann auch die Taitami-Durchfahrt zwischen den Kaipong- und Lema- 
Inseln benutzen, mufs sich dann aber gut nordöstlich von der Cambridge-Klippe 
halten. Darauf steuere man zwischen den Samun-Inseln und Lingting oder 
zwischen Aitschau und den Samun-Inseln auf die Lantau-Durchfahrt zu. 
Während des Ebbstromes, der im Juli oder August bei Springtide oft 
eine Geschwindigkeit bis zu 4!/» Sm erreicht, trifft man m der Lantau - Durch- 
fahrt starke Stromwirbel an. Zwischen Lintin und den Inseln östlich davon 
setzt der Ebbstrom südwärts, während er an der Westküste südostwärts läuft. 
Zwischen Lintin und der Boca Tigris soll sich das Fahrwasser sehr ver- 
ändert haben, so dafs es rathsam ist, einen Lootsen zu nehmen. 
Ankerplätze vor der Mündung des Kanton-Flusses. Die Urmston-Rhede 
zwischen Tongku und Sawchau im Westen und der Castle Peak - Insel im Osten 
bietet nach allen Richtungen guten Schutz. Der beste Ankerplatz ist auf etwa 
14 oder 16m Wasser mit dem Gipfel von Tongku eben frei vom Südende von 
Lintin, etwas näher am Festlande als an Tongku. Tiefgehende Schiffe laufen 
zwischen der Sandbank südlich von Lintin und den beiden Inseln Sawchau 
und Tongku hindurch und um die Nordküste der letzteren Insel auf die Rhede. 
Sie dürfen jedoch der Festlandküste wegen der dort liegenden Klippen nicht 
näher als etwa 1/24 Sm kommen.
	        
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