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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1900.
Jahre 56 vor. Die Heuern betragen für chinesische Matrosen und Heizer
17 bis 20%, Prüfung und Vergleich von nautischen Instrumenten übernimmt
die deutsche Firma Cb. Gaupp & Co., die gleichzeitig die beste Bezugsquelle
für Karten, Segelhandbücher und Instrumente ist. Andere derartige Firmen sind
Falconer & Co., Lane, Crawford & Co.
Zeitsignalstation, ein Thurm mit Flaggenstange, befindet sich bei der
Polizeistation in der Nähe der Kaulung-Huk auf 22° 17’ 44“ N-Br, 114° 10’ 8“ O-Lg.
Der rothe Ball wird 5 Minuten vor dem Fallen zur Hälfte und 3 Minuten vorher
vorgehifst; er fällt um 1*0” 0° mittlere Ortszeit täglich mit Ausnahme der Sonn-
und Festtage. Wenn das Signal um 1* aus irgend einem Grunde nicht gelingt,
so wird der Ball zunächst langsam heruntergefiert und das Signal wird um
20” 0° mittlere Ortszeit von Hongkong wiederholt.
Die Signalstation für Schiffsmeldungen u. s. w. ist auf dem Victoria Peak.
Alle ankommenden Schiffe werden gemeldet, sobald sie in Sicht kommen.
Kommt ein Postdampfer in Sicht, so wird ein Kanonenschufs abgefeuert und
auflser dem Signal für den Abstand des Dampfers ein Ball über dessen National-
flagge gezeigt. Alle von Schiffen von See gemachten Signale werden wieder-
holt. Wenn mit Kriegsschiffen signalisirt wird, hilst sowohl die Signalstation
als auch das Kriegsschiff eine weißse Flagge im Topp.
Der Kanton-Flufs. >
Der Tschukiang, gewöhnlich Kanton-Flufs genannt, entspringt etwa 30 Sm
nördlich von Kanton in zwei Armen, die sich ungefähr 10 Sm oberhalb dieser
Stadt vereinigen. Hier zweigt sich auch ein langer schmaler Wasserlauf ab, der
in zwei Armen bei Samschui und 10 Sm weiter oberhalb die Verbindung mit
dem Sikiang oder Westflusse herstellt. Die Mündung des Kanton-Flusses ist
ungefähr 80 Sm unterhalb von Kanton.
Landmarken siehe unter Hongkong.
Ansteuerung des Kanton-Flusses. Das Hauptfahrwasser für die vom
Süden direkt nach Kanton bestimmten Schiffe ist die grofse Westdurchfahrt
westlich von den Ladronen. Sie ist frei von blinden Klippen oder gefährlichen
Sandbänken und nöthigenfalls auch ohne Lootsen mit Hülfe der verschiedenen
umliegenden Landmarken sicher zu durchsteuern. Man muls nur gut auf die
Gezeitenströme achten, die zwischen Macao und der Insel Liutin oft unregel-
mäfsig sind und an der Oberfläche in einer anderen Richtung setzen als weiter
unten. Durch diesen Unterstrom wird die Steuerfähigkeit der Schiffe sehr be-
einträchtigt. Der Ebbstrom ist stärker und dauert länger als der Fluthstrom;
man trifft bei starkem Oberwasser oft einen auslaufenden Unterstrom, während
der Fluthstrom an der Oberfläche in den Flufs läuft. Unter der Südküste der
Insel Wungkum und der westlich und südwestlich davon liegenden Inseln findet
man bei starkem Oberwasser und besonders bei frischen östlichen Winden bei-
nahe immer einen westwärts setzenden Strom, der eine Geschwindigkeit von
1 bis 2 Sm oder noch mehr erreicht. Auch hier behält der Unterstrom seine
Richtung bei, wenn auch zuweilen ein Oberflächenstrom ostwärts oder in den
Flufs hinein zu setzen scheint. Auf diese Weise haben Schiffe beträchtliche
Stromversetzungen gehabt (siehe Bericht des Kapt. E. G. Pfaff, D. „Niobe“, über
Ansteuerung von Hongkong, Seite 518) und Segelschiffe, die in die Nähe von
Wungkum oder zwischen dieser Insel und Potu gerathen waren, sind bei mäfsiger
Briese trotz aller Anstrengung, nach Osten zu kommen, bis hinter die St. Johns-
Insel zurückgetrieben. Bei der Annäherung an die grofse Westdurchfahrt darf
man daher nicht zu nahe an die südwestlich von Wungkum liegenden Inseln
hinangehen; in der Durchfahrt selbst sollte man sich in dem tiefen Wasser in
der Nähe der Ladronen und Potu (Passage-Insel) halten.
Kann man bei unsichtigem Wetter nicht unterscheiden, ob man die La-
dronen, die gewöhnliche Ansteuerungsmarke der nach Kanton bestimmten Schiffe,
oder die Inseln östlich davon vor sich hat, so giebt das Loth einen guten An-
1) Engl. Adm.-Karten No. 2562. 1782, 1741, 1740. 1742, 1739, Kanton River.