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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1900.
setzt der Ebbstrom bei Beginn der Ebbe 0zS mit ziemlicher Geschwindigkeit.
Beim Wechseln der Tide von Fluth zu Ebbe ändert sich die Stromrichtung über
Nord, während der Wechsel von Ebbe zu Fluth über Süd vor sich geht. Stau-
wasser ist kaum bemerkbar. Vor der Salamis-Huk am rechten Ufer findet man
heftige Stromwirbel. Oberhalb dieser Huk bis zum Ankerplatz westlich von der
Jar-Huk folgen die Gezeitenströme der Richtung des Fahrwassers.
Die Kabbelung bei Niedrigwasser auf den flachen Bäuken zwischen Hutau
und der Wentschau-Huk ist für Boote bei Briese gefährlich. Nach Wentschau
bestimmte Boote können nach halber Fluth die Durchfahrt zwischen der Insel
Tschitu (Yangfuschantu) und dem Forthügel benutzen.
Quarantäneplatz befindet sich 1 Sm unterhalb des Unteren Ankerplatzes;
dort müssen alle Schiffe ankern, die ansteckende Krankheiten an Bord haben
oder irgendwie krankheitsverdächtig sind.
Die Stadt Wentschau ist von einer Mauer von, wie es scheint, bedeutendem
Alter umgeben, deren Umfang etwa 4 Sm beträgt. Innerhalb derselben befinden
sich jedoch ausgedehnte Wasserbecken, angebaute Felder und zahlreiche Gärten,
so dafs trotz des grofsen Flächenraumes die Einwohnerzahl nur ungefähr 50 000
beträgt.
Die Strafsen im Innern der Stadt sind gut erhalten; letztere zeichnet sich
überhaupt durch Reinlichkeit und Sauberkeit vortheilbaft vor anderen chinesischen
Städten aus, doch scheint andererseits auch nicht das rege geschäftliche Treiben
unter der Bevölkerung zu herrschen, welches man sonst in chinesischen Hafen-
plätzen zu finden gewohnt ist. Wentschau macht vielmehr einen mehr ruhigen,
kleinstädtischen Eindruck. Die Einwohner sind höflich und freundlich.
Das Klima ist im Allgemeinen gesund und soll dem Schangbais vor-
zuziehen sein. Europäer haben in der ersten Zeit nach der Ankunft durch Fieber
zu leiden. Die in der nächsten Nachbarschaft liegenden bei Niedrigwasser trocken-
fallenden Schlammbänke und die zahlreichen Reisfelder scheinen keinen direkt
gesundheitsschädlichen Einfluß auszuüben. Die zeitweise auftretenden ansteckenden
Krankheiten, als Cholera, Blattern u. s. w. beschränken sich auf die einheimische
Bevölkerung.
Handelsverkehr im Jahre 1898.
Einlaufende Dampfer mit Ladung 32 mit 21 516 Reg.-T.
# „ Ballast 3 , 21922 „
Segler „ Ladung 8 „ 1275
Einfuhr: Petroleum, Opium, Woll- und Baumwollwaaren, Stückgut u. s. w.
im Werthe von 990000 Haikwan Taels.
Ausfuhr: Thee, Apfelsinen, Seifenstein, Reis, Bauholz u. s. w. im Werthe
von 449000 Haikwan Taels,
Schiffsausrüstung. Japanische Kohlen in kleinen Mengen sind zuweilen
zu haben; sie kosten 8 bis 10 $ die Tonne. Trinkwasser wird durch Prähme
herbeigeschafft, welche dasselbe aus einer Quelle einige Seemeilen unterhalb von
Wentschau am Fufse eines Berges holen. Von dieser Quelle aus wird das
Wasser durch eine Röhrenleitung aus Bambus bis an das Ufer des Kanals ge-
leitet, in dem die Prähme liegen. Das Flulswasser ist nur zur Zeit der Fluth
etwas brackig, ist jedoch dickschlammig, von gelber Farbe und gleicht dem des
Peiho; wegen seiner vielen erdigen Bestandtheile eignet es sich nicht zum Destilliren.
Frischer Proviant, als Fleisch, Geflügel, Fisch, ist zu mäfsigen Preisen zu
haben. Gemüse und Früchte sind reichlich und billig,
Honakong.)
Die Insel Hongkong, eine englische Kronkolonie, liegt inmitten einer
Gruppe von Felseninseln vor der Mündung des Tschukiang oder Kanton-Flusses.
Die Hafenstadt der Insel heifsg Vietoria und ist als ein Hauptort für den ost-
1) Engl. Adm.-Karten No. 1180, Approaches to Hongkong; No. 1466, Hongkong; No. 1459,
Hongkong Harbour.