Der Wentschau-Flufs.
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Unterer Ankerplatz, auch Snipe-Ankerplatz genannt, befindet sich vor
dem Dorfe westlich von der Jar-Huk und wird von den Schiffen benutzt, die
wegen ihres Tiefganges nicht bis zur Stadt gelangen können, oder von solchen,
die auf einen Lootsen warten. Man ankert ungefähr vor dem Zollhause; es ist
rathsam, das Schiff zu vertäuen. Das Dorf wird durch zwei Forts geschützt und
bat Verbindung durch einen Kanal mit der Stadt Wentschau.
Baken. Zwischen der Snipe-Insel und der Stadt Wentschau sind eine An-
zahl von Baken aufgestellt, die das tiefste Fahrwasser beim Kreuzen des Flusses
anzeigen; sie werden entsprechend den häufigen Fahrwasseränderungen versetzt,
so daß über ihre Lage nur allgemeine Angaben gemacht werden können.
Nach dem Bericht S. M. Kunbt. „Wolf“ (1893) befand sich das erste Baken-
paar (Stangen mit Toppzeichen) auf dem rechten Ufer etwa °/4 Sm oberhalb des
alten Zollhauses und bezeichnete das. Fahrwasser quer über den Flufs bis zur
Big-Insel. Hier traf man die Deckpeilung der beiden Baken auf dem Westende
der Snipe-Insel. Diese Deckpeilung führte in nordwestlicher Richtung auf einen
weifsen Tempel (Joss-Haus) zu. Bei Tschingfu endlich auf dem linken Ufer stand
das dritte Bakenpaar, in dessen Deckpeilung man bis zur Stadt Wentschau gelangte,
Zur Bezeichnung der spitzen Elephant-Klippe, die etwa 1 Kblg. südöstlich
von der Pagoden-Insel gegenüber der Stadt liegt und bei Springtide-Hoch wasser
2,4 m unter der Wasserlinie ist, dient eine rothe eiserne Bake, deren Korbtopp-
zeichen roth mit weißem wagerechten Band in der Mitte ist.
Ankerplatz vor der Stadt wird durch den Hafenmeister angewiesen, der
bei der Annäherung eines Schiffes an Bord kommt. S. M. S. „Iltis“ ankerte west-
lich von der Elephant-Klippe und lag dort gut. Der Ankergrund besteht an der
Stadtseite aus sehr feinem und weichem Schlick, der schlecht hält, während auf
der Nordseite des Hafens, näher an den Bänken, der Schlamm mehr mit Sand
yemischt ist, in dem die Anker gut halten. Die Bänke bestehen aus hartem
Sand. Da die Abwässer von Wentschau östlich von der Stadt in den Fluß geleitet
werden, sollte man stets westlich vom Zollamte ankern.
Lootsen. Regierungslootsen sind nicht vorhanden, doch kann man zu
jeder Zeit chinesiche Fischer bekommen, die das Lootsen übernehmen; sie stellen
zuweilen sehr hohe Forderungen.
Gezeiten. Am Nordostende der White-Klippe ist die mittlere Wasserstands-
marke eingegraben, Die Hafenzeit bei der White-Klippe ist 953”, die Fluth-
höhe bei Springtide 6,7 m und bei Niptide 4,6 m.
Die Hafenzeit bei der Knob-Huk (Wentschau-Insel) ist 10* 0”, die Fluth-
höhe bei Springtide etwa 6,1 m, bei Niptide 5,2 m.
Die Hafenzeit bei der Snipe-Insel ist 10* 15”, die Fluthhöhe beträgt bei
Springtide 6,9 m, bei Niptide 5,2 m. Nach dentschen Berichten ist die Hafenzeit
für den unteren Ankerplatz.bei der Jar-Huk 9* 35”, die gröfste in zwei Jahren
beobachtete Flathhöhe betrug 6,8 m, die kleinste 3,6 m und die mittlere Fluth-
höhe bei Springtide bei gewöhnlichem Wetter 5,4 m.
Der Fluthstrom erreicht bei der White-Klippe eine Geschwindigkeit von
2 Sm, der Ebbstrom von 2! Sm. Bei der Wentschau-Huk beträgt die Dauer
des Fluthstromes 5!/a Stunden und seine gröfste Geschwindigkeit 3'/4 Sın, die
Dauer des Ebbstromes 6 Stunden und seine Geschwindigkeit 4!/a Sm. In der
Durchfahrt südlich von der Wentschau-Insel erreicht der Ebbstrom eine Ge-
schwindigkeit von etwa 5 Sm. Der Fluthstrom sowohl wie der Ebbstrom laufen
bis ungefähr 25 Minuten nach Hoch- und Niedrigwasser am Ufer,
Bei der Stadt Wentschau beträgt nach den Beobachtungen S. M.Knbt. „Cyklop“
die Dauer des Ebbstromes 7!/ Stunden, die des Fluthstromes 4 Stunden 50 Minuten.
Beide Gezeitenströme laufen ungefähr bis 38 Minuten nach Hoch- und Niedrig-
wasser. Die Zeit des Stauwassers hält ungefähr 20 Minnten an. Der Kbbstrom
läuft mit einer Geschwindigkeit von 2,7 bis 4 Sm, der Fluthstrom von 1,7 bis 2 Sm,
Nach anhaltenden und starken Regengüssen, wie sie namentlich während des
Frühjahrs und Sommers häufig sind, hält ein auslaufender Strom oft mehrere
Tage hinter einander an und erreicht eine Geschwindigkeit von 5 bis 6'/a Sm,
wobei sich der Fluthstrom nur durch ein Aufstauen und eine verminderte Ge-
schwindigkeit des auslaufenden Stromes bemerkbar macht.
Bei der Ansteuerung der Mündung aufserhalb der Tong Hwang-Insel ist zu
beachten, dafs der Fluthstrom westnordwestwärts setzt. Vor der Hutau-Huk