Ann. d. Hydr. ete., XXVII. Jahrg. (1900), Heft XI.
19
Der Wentschau-Fluls.®
Der Wentschau- oder Ngau-Flufßs, an dessen rechtem Ufer die Stadt Went-
schau liegt, ist etwa 180 Sm lang und mündet in die Wentscbau-Bucht auf un-
gefähr 27° 55'N. ” Dschunken von etwa 20t Tragfähigkeit können bis nach
Wentschi, 30 Sm oberhalb von Wentschau, kommen. Der Einflufs der Tide erstreckt
sich nicht über Wentschi hinaus, Im Flusse giebt es zahlreiche Fischerbuhnen,
besonders in den Monaten August und September; einzelne sind grofs genug, um
Schiffsschrauben gefährlich zu werden.
Landmarken. Die Küste südlich von der Wentschau-Mündung ist bis zu
der ungefähr 30 Sm entfernt liegenden Pingyang-Huk von ausgedehnten bei
Niedrigwasser trockenfallenden Schlickbänken eingefalst, die bis ungefähr zu der
Verbindungslinie der Wentschau- und der Pingyang-Huk reichen.. Aufserhalb
dieser Bänke liegen verschiedene Klippen und Inselchen. Ausgedehnte Bergketten,
die in der Nähe der Mündung bis dicht an den Flufs hinanreichen, erheben sich
auf der Südseite des Flusses zu 300 bis 600 m Höhe. Hervorzuheben ist der
471 m hohe Cone Peak, der an seiner kegelförmigen Gestalt gut kenntlich ist.
Die Elephant-Kette, etwa 4 Sm östlich von Cone Peak und nur %/4 Sm vom Ufer
der Mündung entfernt, ist nur 292m hoch, zeigt jedoch eine auffällige, runde,
218 m hohe Anhöhe. Nördlich von der Flufsmündung erstreckt sich die Küste
in ungefähr nordnordöstlicher Richtung in die Lotsin-Bucht hinein, hinter der sich
der 1100 m hohe Berg Rambler erhebt. Das ganze Mündungsgebiet des Wentschau-
Flusses nimmt eine Gruppe von mehreren gröfseren und kleineren Inseln ein, die
etwa 15 Sm weit seewärts reichen und von verschiedenen Klippen und Bänken
umgeben sind. ; .
Von den Inseln, die südlich von der der Flufsmündung direkt vorgelagerten
Inselgruppe liegen, sind die Namki-Inseln etwa 20 Sm östlich von der Pingyang-
Huk, die Pikischan-Inseln 9 Sm nordnordöstlich von der Namki-Gruppe und die
Tungpwan- und Taepi-Inseln zwischen den Pikischan-Inseln und dem Festlande
zu erwähnen. Alle diese Inselgruppen sind im Umkreise von einigen Seemeilen
von Riffen und einzelnen Klippen umgeben, die ein Durchlaufen zwischen den
einzelnen Inseln gefährlich machen. Man sollte daher bei der Ansteuerung des
Ngau-Flusses vom Süden stets den Weg aufserhalb derselben wählen. Bei sämmt-
lichen der genannten Inselgruppen findet man mehr oder minder geschützte
Ankerplätze und auf den ersteren beiden auch frisches Wasser.
Die südlichsten der vor der Mündung liegenden Inseln bilden die drei
Tseigh-Inseln, 8 Sm nordnordwestlich von Pikischan, an die sich nach Norden
die große Tong Hwang-Inselgruppe anschliefst. Oestlich von Tong Hwang, der
größten Insel der Gruppe, liegt aufser der Coin- und der Flask - Insel noch eine
Reihe von Klippen, deren nördlichste Mosquito-Klippe heifst. Zwischen den
Tseigh-Iuseln und der Pwanpin-Insel einerseits und der Takiu-, Cutting- und
Snell-Insel andererseits liegt der Bullock-Hafen, der auf 7 bis 18 m Wasser gegen
westliche, nördliche und östliche Winde geschützte Ankerplätze bietet. Ein anderer
gut geschützter Ankerplatz für Dampfer befindet sich nordwestlich von der Snell-
Insel oder westlich von der Stoney-Insel auf etwa 14,5 m Wasser, Schlickgrund,
in den Peilungen: der Gipfel der Snell-Insel in S0*/40 und das Inselchen vor der
Nordwesthuk von Takiu in SSW1AW.
Nördlich schliefsen sich an die Tong Hwang-Insel, von dieser durch den
Sanpwan-Pafs getrennt, die Inseln Grofs-Sanpwan und Miau an; erstere ist von
O und W gut kenntlich an zwei runden Erhebungen auf dem 235 m hohen Gipfel,
die Paps heifsen, letztere erreicht in ihrem höchsten Theile eine Höhe von 330 m,
Zwischen der auffälligen 221 m hohen Insel Hokin und der grofsen Hutau-Insel
mit einigen über 300 m hohen Gipfeln führen zwei durch ausgedehnte Bänke ver-
engte Durchfahrten in den Fluß. Etwas nördlich von Hutau liegt die niedrige
felsige Junk-Insel und östlich davon die Kwangta-Insel.
1) Engl. Adm.-Karten No. 1763, Wen-Chau Port and Approaches; No. 1754, Tung Yung
io Wen Chau Bay; No. 1759, Wen Chau Bay to Kweshan Islands.
Ann, d, Hydr. ete., 1900, Heft XI.