Pettersson: Ueber die Salzbestimmüung im Meerwasser durch Titrirung. 5038
Dafs die Bodenschicht in dem ersten grofsen Tiefbecken der eigentlichen
Ostsee durch den Unterstrom stetig erneuert wird, konnte man schon aus. den
Tiefenverhältnissen und der Topographie.des Bodens der südlichen Ostsee schließen.
In den beiden folgenden grofsen Tiefbecken O0 von Gotland und bei Landsort,
wo die Tiefe bezw. 220 und 420m beträgt, sind die Verhältnisse aber solche,
dafs sehr exakte Bestimmungen des Salzgehaltes nöthig sind, um den KEinflufs
des Unterstromes mit absoluter Sicherheit zu konstatiren.
Salzgehalt und Temperatur wurden gefunden:
I. 0 von Gotland.
57° 23‘ 50” N-Br, 19° 51' 50” O-Le.
Datum
ı Tiefe
Temp. °C.
Salz 07.9
m
1. August 1877
27, April 1893
8, November 1898
6. Juni 18999
13. August 1899 |
310°
3 4,250
dt 4.14%
214 | 4b
9 A
235
12,19
11,87
11,16 (Min.)
11,98
11,78
Il. SO von Landsort.
Datum
Tiefe
Temp. °C.
Salz 9/07
m
27. Juli 1877
5. Juli 1893
15. April 1898
L9. September 1898
2. Juni 1599
220
320
320
320
2320
3,80° 10,50
3,85° 10,32
3,62° 9,87 (Min.)
363° ' 10,15
267° | 10,05
Man wird in diesen Resultaten nicht nur den Beweis finden, dafs es in
der Ostsee durchaus keine stagnirenden faulenden Wasserschichten wie in dem
Schwarzen Meere und in gewissen Fjorden der schwedischen und norwegischen
Küste giebt, sondern man wird wahrscheinlich auch mit Berücksichtigung der
gleichzeitig gemachten Gasanalysen einmal Rechenschaft geben können über die
Wassercirkulation der Ostsee und die periodischen Veränderungen derselben. Zu
solchen Problemen braucht man sehr gut die Hülfsmittel der quantitativen
chemischen Analyse. Dabei kommt aber nicht nur das Verhältnifs Salz: Halogen,
sondern auch das Verhältnifs der Schwefelsäure zu der Halogenmenge, von Kalk
zu Magnesia u. s. w, in diesen Gewässern in Betracht; wiv stehen also in diesem
Falle nicht vor einem allgemeinen, sondern vor einem speciellen chemischen
Problem der Hydrographie.
Wir dürfen hoffen, dafs die jetzt in Kopenhagen unter Knudsens Leitung
angefangene Vorarbeit zu der internationalen Meeresuntersuchung üns Gewilsheit
verschaffen wird über die in diesen Wasserschichten herrschende Relation zwischen
Salzmenge und Halogengehalt, Bis das geschehen ist, wird es angerathen sein,
mit dem konstanten Chlorfaktor 1,810 nach F.L. Ekmans Vorgang zu rechnen.
Die Zahlen, welche man dadurch erhält, können leicht umgerechnet werden und
behalten jedenfalls ihren Werth insofern, als die Primärangaben durch exakte
chemische Bestimmungen erhalten wurden:
Die alte Streitfrage, ob physikalische oder chemische Methoden bei hydro-
graphischen Arbeiten den Vorzug verdienen, scheint erledigt zu sein durch die
Resolution der Stockholmer Konferenz A, IV:
„Die Ermittelung dieser Konstanten!) kann entweder durch Gewichts-
analyse oder Titrirung erfolgen oder durch physikalische Bestimmungen ver-
mittelst hydrostatischer Wagen, Pyknometer und Aräometer, wobei Vorsorge zu
treffen ist, etwaige Störungen durch Wärmewirkungen, Kapillarität, Viscosität ete.
auszuschließen.“
5 Salzgeehalt und Diechtigkeit.