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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1900.
Ich glaube, dafs man bei der Beurtheilung derartiger Fragen auch die
Naturverhältnisse mit in Betracht ziehen soll. Wenn Knudsen den Salzgehalt
der zwei Proben von Oberflächenwasser, die er am Anfang der Reise im Öre-Sund
nahm, um 0,1°%oo unrichtig angiebt, so hat das vom hydrographischen Gesichts-
punkte nichts zu bedeuten, denn die Variation des Salzgehaltes auf diesem Ge-
biete ist so grofs, dafs Schwankungen von 1°%oo und mehr im Oberflächenwasser
an sehr nahe liegenden Stellen vorkommen. Von der südlichen Mündung des
Sundes bis zu der Gegend von Marstrand und Skagen ändert sich der Salz-
gehalt der Oberfläche von etwa 9 oder 10% eo bis anf 30 — 33%. Auf diesem
Mischungsgebiete trifft man Stromfäden und Strudel von salzhaltigerem und
3alzärmerem Wasser überall nebeneinander. Dasselbe ist mehr oder weniger
der Fall mit dem Küstenwasser der skandinavischen Halbinsel und mit dem
Wasser des Polarstromes u. s. w. Einen wirklich konstanten Salzgehalt des Ober-
flächenwassers trifft man erst, wenn man aus diesem Mischwasser in die grofsen
ozeanischen Gebiete hinauskommt, wo der Salzgehalt über 33°%0oo ist. Für das
Intervall 33 — 36% oo spielt die exakte Chlorbestimmung und Feststellung der
Relation zwischen Chlor- und Salzgehalt die wichtigste Rolle in der Ozeano-
graphie, und für solches Wasser hat es sich nach den zahlreichen bisher ge-
machten Analysen herausgestellt, dafs das Verhältnifs Salz: Halogen sehr nahe
1,810 liegt.
Die Verhältnisse in dem Brackwasser der Flufsmündungen oder in den
Buchten der Binnenmeere werden wohl mehr lokales als allgemeines Interesse
haben. Wenn der Salzgehalt von solchen Gewässern um ein oder sogar mehrere
Tausendstel unrichtig bestimmt wird wegen der jetzt herrschenden Unsicherheit
über den Salzkoefficienten, so ist das für die allgemeine Hydrographie ohne Belang.
Dagegen ist die exakte Bestimmung des Halogen- und Salzgehaltes der
unteren Wasserschichten und des Bodenwassers der Binnenmeere von höchstem
Interesse, weil dieses Wasser ozeanischen Ursprunges ist und die Möglichkeit
vorliegt, dafs die chemischen Bestandtheile der gelösten Salze sich nicht nur
durch Mischung mit Flufswasser, sondern auch durch Einwirkung lebender Orga-
nismen gewissermafsen modificirt worden sind. Es wäre z, B. von Interesse, zu
wissen, ob das Verhältnis Salz: Halogen dasselbe ist in einem Bodenwasser der
westlichen Ostsee von 14,06% oo Chlorgehalt wie in einem Bodenwasser von dem-
selben Halogengehalt aus dem Weifsen Meere.
Zu dieser Kategorie von Problemen gehört auch die Frage von dem Salz-
gehalt der in den inneren Tiefmulden der eigentlichen Ostsee befindlichen so-
genannten stagnirenden Wasserschichten. Dieser wurde bekanntlich zum ersten
Mal im Jahre 1877 von F. L. Ekman bestimmt. Seit 1893 sind Tieflothungen
an denselben Stationen mehrmals von uns ausgeführt worden, welche zeigen,
dafs diese Bodenschichten keineswegs stagnirend sind, sondern langsam ver-
laufenden säkularen Aenderungen unterliegen, wie die folgenden Zahlen zeigen.
Die drei von den schwedischen Hydrographen untersuchten, durch unter-
seeische Schwellen voneinander getrennten Tiefbecken sind: I. O von Bornholm,
II. O von Gotland, III. SO von Landsort.
Die Temperatur und der Salzgehalt des Wassers am Boden der erst-
genannten Mulde wurde gefunden:
I. 0 von Bornholm.
55° 23‘ 10“ N-Br, 16° 2' 0” O-Lg.
Datıım
| "Tiefe
°C,
Temp.
Salz 9/an
m
24, Juli 1877
6. November 1893
19.-—20. März 1896
25. Juli 1897
19. März 1898
4. November 1898
16. März 1899
10. August 1899
4. November 1899
90
90
90
2
29
20
930
9
90
”Paden)
2,80°
2,80°
5,009*
2,90°
5,40°
322°
8,189
3,530 Ms
45°
16,96
16,28
15,75
15,52
14,69 .
al (Min.)
16,00
15,91
15,57