Pettersson: Ueber die Salzbestimming im Meerwasser durch Titrirung. 501
Der absolute Werth der Volumeneinheiß der Gradirung kommt dabei gar
nicht in Betracht, und es ist gleichgültig, ob die Instrumente vom Fabrikanten
bei 15°, 16°, 17,5° u. 8. w. geaicht wurden.
Ich ziehe es vor, sämmtliche Gewichts- und Volumenbestimmungen bei 15° C.!)
auszuführen und mit Apparaten zu arbeiten, welche bei dieser Temperatur geaicht
sind. Das ist aber durchaus nicht unerläßlich, und ich bemerke in der fraglichen
Abhandlung ausdrücklich, dafs die Zimmertemperatur nicht viel auf das Resultat
der Chlortitrirung einwirkt, wenn nur die Wasserproben und die Titrirflüssigkeit
eine und dieselbe Temperatur haben.
Ein Jeder kann sich leicht überzeugen, dafs man beim Titriren im Labo-
ratorium von heimgebrachten Meerwasserproben nach obiger Angabe Resultate
erhält, welche um nicht mehr als 0,025°o voneinander differiren. Dafs man
auch beim Titriren an Schiffsbord sehr übereinstimmende Resultate erhält, zeigen
die folgenden Halogen- und Salzbestimmungen von Knudsen an Wasserproben
von dem Boden der Jan Mayen-Rinne, welche vom 7. bis 12. Juli 1896 an Bord
des dänischen Kreuzers „Ingolf“ geschöpft wurden.?)
Stat. No. | Datum
101
102
103
L04
105
‚06
107
Juli 7
11
»
ww
»
N
„nm
—85ı2
N-Br
66° 23°
56° 23’
56° 23’
56° 23’
65° 34’
65° 34’
65° 33
W-Le
12° 05°
LO° 26°
8° 52’
7° 25'
7° 31'
8° 54’
10° 98
Tiefe
"Temp.
N
011 — 07°
412 —0,99
1090 — 0,69
1802 —1,1°
1435 —0,8°
342 | — 06°
927 | — 0,39
Halog. 9% '
19,34
19,29
19,32
9,31
19,32
19,31
Salz 9/06
34,98
34,89
34,96
34,94
34,96
34.93
t
S 7
1,02816
1,02810
102816
102813
[,02814
102810
Ich glaube, dafs es überflüssig ist, aus dem reichen hydrographischen
Beobachtungsmaterial, welches vorliegt, weitere Belege herbeizuführen für die
Ansicht, dafs
1. die von der Stockholmer Konferenz empfohlene Genauigkeitsgrenze
von 0,05%0o bei Salzgehalt- und 0,00004 bei specifischen Gewichts-
bestimmungen wirklich erforderlich ist, um die hydrographischen
Probleme der Jetztzeit zu behandeln,
und dafs
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die Bestimmung der Koncentration des Seewassers durch die gewöhn-
lichen Methoden der chemischen Analyse, seien es gewichtsanalytische
oder titrimetrische, ohne besondere Verschärfung des Verfahrens diesen
Anforderungen genügt.
Was die aräometrische Methode betrifft, so ist es in neuerer Zeit klar ge-
worden, dafs die wesentlichste Fehlerquelle in der ungleichen Benetzung des
Skalenrohres liegen mufs, und sind mehrere Versuche gemacht, durch Ab-
änderung der Instrumente sowie durch Modifikationen iu dem Princip der Methode
dieser Schwierigkeit zu entgehen. Nun hat Krümmel zur Evidenz bewiesen,
dafs diese Senkwagen, Hydrometer, „Aräometer vom »Challenger«-Typus“ u. 8. w.
das specifische Gewicht mit Sicherheit nur innerhalb der dritten Decimalstelle
angeben und dafs schon die vierte Decimale unrichtig sein kann. Damit wäre
die Salzbestimmung mittelst Aräometer aus dem Bereich der exakten hydro-
graphischen Methoden zu verweisen, und man darf sich wohl wundern, dafs die
Sachverhältnisse, welche Krümmel jetzt festgelegt, so lange bestritten worden sind.
Professor Krümmel berührt auch die Frage von der Veränderlichkeit
des Salzkoefficienten mit der Verdünnung und erwähnt als Beispiel, „dafs
Knudsens Salzbestimmungen für den Sund um nicht weniger als 0,1°%o des
Salzgehaltes falsch sind“, weil er den unveränderlichen Chlorsalz - Faktor 1,809
bei allen Berechnungen anwendete.
1) Diese Temperatur wird aus praktischen Rücksichten empfohlen. Unter + 15° C. ist es
unangenehm zu arbeiten, über + 15°C. wächst der Ausdehnungskoefficient der Wassersorten
beträchtlich.
2) Auf Grundlage der exakten Resultate der „Ingolf“- Expedition, welche sämmtlich durch
chemische Analysen erhalten wnrden, habe ich die Anschauungen über die Wassercirkulation im
Nordmeere entwickelt, welche in der erwähnten Abhandlung in „Petermanns Mitcheilungen“ von
diesem Jahre. Heft I bis IV, vublicirt sind.