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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1900. 
Kobe6 zu erreichen. Am 10. August warfen wir dort auf der Rhede Anker nach 
einer Reise von 18 Tagen. 
Ueber ein ähnliches Auftreten starker Strömung nach ONO unter der Südküste 
von Nipon im November 1893 berichtet Kapt. C. Sander vom Schiffe „Schliemann“, 
der das Unglück hatte, durch eine solche Strömung, verbunden mit Windstille und 
weil kein Ankergrund vorhanden war, am Ende seiner ersten Reise mit dem „Schlie- 
mann“, die von New York nach Yokohama ging, das Schiff zu verlieren. Er be- 
richtet: „Am 24. November 1893 gingen wir ostwärts durch die Linschoten- 
Gruppe und peilten um 8 Uhr abends Tokara Sima WNW, Am Mittag des 
20, November hatten wir den Berg Fusi in N 4°O rw., aus welcher Peilung und 
der Mittagshöhe der Sonne sich unser Schiffsort zu 34° 22’ N-Br und 138° 40' O-Lg 
ergab. Von hier aus kreuzten wir gegen nordöstlichen Wind in Sicht der Rock- 
Insel bis zum Abend des 30. November um 10 Uhr, zu welcher Zeit der Wind 
auf WNW lief, und steuerten dann unseren Kurs nach Yokohama. Der Wind 
wurde jedoch immer flauer, und herrschte um 2 Uhr früh am 1. Dezember bereits 
vollständige Windstille. In den letzten vier Stunden, während der Wind aus 
WNW herrschte, hatte ich eine starke Strömung nach ONO bemerkt, in welcher 
das Schiff sehr schwer zu steuern war. Nachdem es still geworden war, trieb 
das Schiff immer mehr dem Lande zu. Bei Tagesanbruch hatten wir uns dem- 
selben bereits bis auf 2 Sm genähert, und immer blieb es still. Das Schiff trieb 
so ohne Steuerkraft näher und näher an das Land, bis gegen 9 Uhr ein leiser 
Zug aus SW durchkam. Wir versuchten landabwärts zu wenden, was jedoch 
infolge der Strömung und wegen des zu flauen Windes ohne Erfolg blieb. Ich 
mußte deshalb als letztes Mittel zu halsen versuchen. Ankergrund war bis auf 
etwa 100 Fuls vom Lande nicht vorhanden. Das Halsen ging bei dem ganz 
fauen Winde sehr langsam. Das Schiff kam während dessen dem Lande immer 
näher. Um 10 Uhr 15 Minuten stiefs es auf einen Lavafelsen und safs auch sofort 
so fest, dafs es trotz aller Bemühungen nicht wieder abzubringen war, Inzwischen 
frischte der Wind auf, die See brach über das Schiff, und die Mannschaft mufste 
as verlassen. Am nächsten Morgen war das Schiff vollständig wrack.“ 
b. In der Sunda-Strafse. 
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Das Schiff „Arthur Fitger“, Kapt. Denker, passirte auf der Reise von 
Middlesbro nach Yokohama am 17. Juni 1898 um Mittag Java-Höft nahebei und 
steuerte bei leichter, zeitweise etwas auffrischender Briese durch den Prinzen- 
Kanal in die Sunda-Strafse. Nachmittags und während der Nacht hingen dicke 
Wolken über Java. Der Wind war leicht und mallend aus südlicher Richtung. 
Am 18. gegen 4 Uhr morgens wurde die Vierte Huk passirt. Bei Tagwerden 
frischte eine südwestliche Briese etwas auf, und gelangte das Schiff gegen 11 Uhr 
vormittags aus der Strafßse heraus. Der Strom war stets günstig; nur für wenige 
Stunden, von Mitternacht bis 4 Uhr morgens, lief er mit unbedeutender Stärke 
nach SW, 
Das Verhalten der Strömung war ein aufsergewöhnliches. Die Regel ist, 
Jafs in der Jahreszeit des östlichen Monsuns in den ostasiatischen Gewässern 
südlicher Breiten der Strom in den Strafsen, die nach dem Indischen Ozean 
hinausführen, wie Sunda-, Bali-, Lombok-, Allas-Strafse u. s. w., am stärksten und 
längsten nach S und SW setzt, umgekehrt im Westmonsun am meisten nach N 
und NO (siehe „Segelhandbuch für den Indischen Ozean“, Seite 560 ff.). Wenn 
im vorliegenden Falle das Auftreten der Strömung der Regel entgegengesetzt 
war, so dürfte sich dies am besten dadurch erklären, dafs zur selben Zeit eine 
Störung des Monsuns stattfand. „Arthur Fitger“ hatte, als er die Stralse an- 
segelte, den Wind nicht bis zuletzt östlich, wie es der Jahreszeit entsprochen 
hätte, sondern von etwa 9,3° S-Br her aus WNW bis SW, Stärke 3, und die 
Strömung aufserhalb der Sunda-Strafse nicht westlich, wie sie sonst ist, sondern 
östlich. Vom 15. zum 16. Juni wurde zwischen 9° und 7,5° S-Br eine Versetzung 
562°0 18 Sm beobachtet. Ueber derartige Monsunstörungen ist auch im Segel- 
handbuch Seite 564, 565 und 572 berichtet,
	        
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