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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

194 Annalen der Hydrographie uud Maritimen Meteorologie, Oktober 1900, 
Straße setzenden Strom kann nicht genug gewarnt werden. Er dürfte wohl noch 
manchen Schiffsführer bei dickem Wetter oder Windstille in Ungelegenheit bringen 
und ihn nöthigen, auf tiefem Wasser zu ankern. Ich will noch bemerken, dafs 
es zur Zeit unseres Falles gerade Neumond war. 
Mai 10 nachts flauer Südostwind bis Mitternacht, rasender Strom nach 
3SWzS, die Ankerkette machte ein starkes Geräusch, wenn das Schiff bald nach 
der einen, bald nach der anderen Seite vom Anker abscherte, Von 2* bis 5"a 
war das Scheren so stark, dafs das Schiff gesteuert werden mufste. Mit Tag- 
werden begannen von Neuem Kette einzuwinden. Der Strom setzt noch 2 bis 
3 Kuoten nach SSW. Kein Wind, setzten aber alle Segel bei und machten Alles 
fertig, um bei eintretender Briese und beim Kentern des Stromes den gefähr- 
lichen Ankerplatz verlassen zu können. Gegen 10" a wanden den Anker vor 
die Klüse, trieben bei flauer nördlicher Briese und schwachem nördlichen Strome 
von der Insel ab. Gegen 7" p, als völlige Windstille eintrat und der Strom 
bereits wieder entgegenkam, wurde 2 Sın nördlich von Brabands-Insel geankert. 
Mai 11 überholten unser Ankergeschirr und brachten es, Spill wie Klüse, 
so gut es ging, wieder in Ordnung. Blieben vor Anker. Von 9 Uhr morgens 
bis 5 Uhr nachmittags setzte der Strom 1 bis 2 Knoten längs der Küste nord- 
wärts, während der übrigen Zeit, die zumeist in die Nacht fiel, in entgegen- 
gesetzter Richtung, 3 bis 4 Knoten. 
Mai 12 9" a gingen beim Kentern des Stromes ankerauf und trieben nord- 
wärts bis eben oberhalb Merak-Insel, bei welcher wir um 4” p, als der Strom 
wieder entgegenkam, ankerten. Den ganzen Tag Stille, nur zeitweilig unter- 
brochen von leisem nördlichen Zug. 
Mai 13 morgens 9 Uhr gingen beim Kentern des Stromes wieder anker- 
auf und trieben mit der Strömung längs der Küste. Nach 10*a nördliche Briese 
einsetzend, gegen welche wir bis 5" p kreuzten. Alsdann flaute der Wind ab, 
und der Strom kam wieder entgegen. Ankerten WSW!/:W 7 Sm von Babi-Insel 
auf 20 Faden Tiefe. Während der Nacht schwere Gewitter mit heftigen Böen 
aus SO und NO und meistens dick von Regen. Strom nachts WzS 4 bis 5 Knoten. 
Nach 5a am 14. Mai Wetter abklarend. Hatten am 13. endlich die schon am 
38. Mai eingenommene Stellung wieder erreicht, durch den unglücklichen Zufall 
also 5 Tage verloren und im Ganzen 10 Tage bei der Durchsegelung der Sunda- 
Strafse zugebracht. 
Anmerkung von AbtheilungI der Seewarte. Die Bemerkung seitens 
Kapt. Hüneke, dafs in der Sunda- Stralse der Strom nach SW (zur Zeit des 
Ostmonsuns) immer nachts und bedeutend stärker auftritt als der nordöstliche 
Strom, der sich nur für wenige Stunden am Tage einstellt und, wie geringere 
Stärke, auch viel geringere Dauer hat als der Gegenstrom, steht mit dem, was 
im Segelhandbuch der Seewarte für den Indischen Ozean auf Grund der zahl- 
reichen Mittheilungen in den Journalen gesagt worden ist, in guter Ueberein- 
stimmung. Da die Kenntnifs der Strömungsverhältnisse bei der Durchsegelung 
der Stralse von grofser Wichtigkeit ist, möge das im Segelhandbuch Seite 560 
und 561 darüber Aufgeführte hier in Kürze wiedergegeben werden. 
„In der Sunda-Strafse findet nur einmal innerhalb 24 Stunden ein Gezeiten- 
stromwechsel statt. Iın Ostmonsun, d. i. etwa von Mai bis Oktober, läuft der 
Strom ungefähr 18 Stunden ununterbrochen stark nach SW; während der übrigen 
Zeit setzt er schwach nach NO oder ist still. Umgekehrt setzt in den Monaten 
Dezember, Januar und Februar des Westmonsuns der Strom ungefähr 18 Stunden 
stark nach NO und nur für 6 Stunden schwach nach SW. Die Unterbrechungen 
des vorherrschenden Stromes durch Strom entgegengesetzter Richtung oder Still- 
wasser finden bei Tage statt; die Nacht hindurch läuft die vorherrschende, also 
im Ostmonsun die südwestliche, im Westmonsun die nordöstliche Strömung, und 
tritt dieselbe dann auch meistens mit der gröfsten Stärke auf. Der Beginn des 
SJüdweststromes fällt zur Zeit des Ostmonsuns bei Nen- und Vollmond ungefähr 
auf 1 Uhr nachmittags, beim ersten und letzten Viertel auf ungefähr 7 Uhr 
abends: Der regelmäfsige Verlauf würde demnach, wie folgt, sein: Bei Neu- 
und Vollmond starker Südweststrom von .1 Uhr nachmittags durch die Nacht bis 
7 Uhr morgens, von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags schwächerer Nord- 
oststrom; bei den Mondvierteln ziemlich starker Südweststrom von 7 Uhr abends 
bis 1 Uhr nachmittags und schwacher Nordoststrom oder Stillwasser von 1 Uhr
	        
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