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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1900,
Die Stadt Swatau liegt an der Nordseite des Flusses. Sie hat ungefähr
33 000 Einwohner, darunter etwa 20 deutsche. Die Fremdenniederlassungen
liegen zerstreut in der Nähe der Stadt. Das deutsche Konsulat liegt an der
Nordseite, das britische an der Südseite des Flusses, beide unmittelbar am
Wasser. An der Nordseite liegt auch das Zollamt, in dessen Baulichkeiten sich
auch das Hafenmeisteramt, das Lootsenamt und die Hafenpolizeibehörde befinden,
Handelsverkehr. Im Jahre 1898 liefen in den Hafen von Swatau ein
869 Dampfer von 871493 t Raumgehalt, unter diesen fuhren 72 von 683548 t
Größe unter deutscher Flagge. Segelschiffe kamen in diesem Jahre überhaupt
nicht an.
Die Einfuhr besteht hauptsächlich aus Bohnen und Bohnenkuchen, Mehl,
Weizen, Reis, Baumwollstoffen, Garn, Hanf, Seide, Opium, Eisen, Zinn, Kohlen,
Petroleum, KFarbstoffen, Erdnüssen und Streichhölzern. Ihr Werth betrug im
Jahre 1898 rund 71 Millionen Mark.
Die Ausfuhr besteht hauptsächlich aus Bohnen und Bohnenkuchen,
Zucker, Thee, Orangen, Tabak, Hanf, Indigo, Erdnufsöl, gefärbten Baumwoll-
stoffen, Grastuch und Papier. Ihr Werth betrug in demselben Jahre rund
38 Millionen Mark.
Direkte Postdampferverbindung besteht nicht, sondern die Post wird
in Hongkong umgeladen. Regelmäfsige Dampferfahrten bestehen vermittelst der
„Douglas Steamship Co.“ zwischen Hongkong, Swatau, Amoy, Futschau und
Formosa, durch die „Indo China Steam Navigation Co.“ zwischen Hongkong,
Swatau und Schanghai und durch die „Scottish Oriental Steamship Co.“ zwischen
Hongkong, Swatau und Bangkok oder Swatau — Singapore.
Telegraphenverbindung besteht über Land mit Hongkong und Amoy.
Ausrüstung. Frischer Proviant ist stets in jeder Menge zu mäßigen
Preisen zu haben, Dauerproviant jedoch nur in geringen Mengen und zu etwas
höheren Preisen als in Hongkong. Konserven aller Art sind meistens vorräthig.
Gutes Trinkwasser kann man von der Swatau-Wasserversorgungs-Gesellschaft
zum Preise von 80 Pf. die Tonne erhalten. Dieses Wasser ist entschieden besser
als das von den chinesischen Schiffshändlern angebotene Frischwasser.
Kohlen sind in der Regel genügend für den gewöhnlichen Verkehr vor-
handen, meistens 5000 bis 6000 t englische auf vier Firmen vertheilt. Aufserdem
sind Kohlen aus Japan und oft auch aus Tongking vorräthig. Die Kohlen werden
in Leichtern längsseit gebracht und durch Kulis schnell übergeladen.
Sonstige Ausrüstung für Schiff und Maschine ist nur in kleinen Mengen,
geringer Auswahl und vielfach von zweifelhafter Güte vorräthig.
Reparaturen können nur in sehr beschränktem Umfange ausgeführt
werden. Docks und Hellinge sind nicht vorhanden.
Angaben für den Schiffsverkehr, Das Kaiserliche Konsulat liegt
an der Nordseite des Flusses. Kin Zeitball fällt Sonnabends um O0" 0” 0®
mittlerer Ortszeit von einer Flaggenstange beim Zollhaus auf 23° 21’ 43“ N-Br
und 116° 40‘ 29” (7" 46” 42°) O-Lg; gleichzeitig fällt daselbst auch ein Kanonen-
schufs. Aufserdem sind im Zollhause zwei Chronometer vorhanden, die vom
Observatorium in Hongkong regulirt werden, mit deuen Schiffschronometer ver-
glichen werden können. Barometer und Thermometer können ebenfalls dort
mit Normalinstrumenten verglichen werden. Einrichtungen zur Deviations-
bestimmung sind nicht vorhanden, ebenso wenig sind Seekarten und Segel-
anweisungen zu haben.
Die zollamtliche Behandlung, die durch Staatsverträge geregelt ist,
stimmt mit der Behandlung in den übrigen Vertrayshäfen überein und ist sehr
anständig und verbindlich. Als Quarantänemafsregel ist vorgesehen, dafs
Schiffe, die ansteckende Krankheiten an Bord haben, unterhalb der Hafengrenze
ankern und am Tage die gelbe Flagge vom Vortopp zeigen müssen.
Deutsche Schiffsmakler und Schiffshändler sowie Agent des Ger-
manischen Lioyd sind nicht vorhanden, dagegen eine deutsche Firma als
Agent für den Norddeutschen Lloyd, die Hamburg — Amerika - Linie und die
Chinesische Küstenfahrt-Gesellschaft in Hamburg. Ks sind etwa 12 Seeversiche-
rungs - Gesellschaften vertreten und Agenturen von mehreren Banken am Orte
vorhanden.