AMOY.
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stadt und besitzt keine nennenswerthe Industrie. Am bedeutendsten, ist die
Papierfabrikation entwickelt.
Nachrichten für den Schiffsverkehr. Das Kaiserliche Konsulat liegt auf
der Nordostseite der Insel Kulangseu.‘
. Die deutsche Firma Pasedag & Co. ist die Vertreterin der meisten
deutschen Dampfergesellschaften, deren Schiffe Amoy anlaufen, wie auch die des
Germanischen Lloyd und mehrerer deutscher Versicherungsgesellschaften, Kin
deutscher Schiffshändler befindet sich auch am Orte. -
Im Kaiserlichen Seezollamte, das auf der englischen Niederlassung liegt,
befinden sich fast alle Schiffahrtsbehörden, wie Zollamt, Hafenmeister, Lootsen-
amt u. SS. W,.
Einrichtungen zur Bestimmung der Deviation wie zur Prüfung von nautischen
und meteorologischen Instrumenten sind nicht vorhanden. Seekarten und Segel-
anweisungen sind nicht zu haben.
Ein Zeitsignal wird jeden Mittwoch und Sonnabend gegeben, Dasselbe
besteht aus einem Kanonenschufs, der um 0* mittlerer Ortszeit oder um 16" 7" 43,9°
mittlerer Greenwicher Zeit von der Signalbatterie gegeben wird. Eine Viertel-
stunde vorher wird auf der Signalstation auf Kulangseu die Flagge T' des inter-
nationalen Signalbuches gehifst und gleichzeitig mit dem Kanonenschufs nieder-
geholt. Wenn das Signal nicht rechtzeitig erfolgt ist, bleibt die Flagge 10 Minuten
lang halbmast wehen,
Sturmsignale werden dort ebenfalls gezeigt.
Aufser dem auf der Insel Kulangseu befindlichen Seemannsheim sind Wohl-
fahrtseinrichtungen für Seeleute nicht vorhanden. Kranke Seeleute finden in dem
chinesischen Krankenhause Aufnahme.
Der Handelsverkehr ist von ziemlicher Bedeutung. Die Haupt- Einfuhr,
artikel sind Opium, Baumwollwaaren, Metalle, Mehl, Petroleum, Reis, Thee
Bohnen und Bohnenkuchen. Ihr Gesammtwerth betrug für das Jahr 1898 rund’
45 Millionen Mark. Die Haupt-Ausfuhrartikel sind Opium, Papier, Zucker, Thee
and Tabak. Der Gesammtwerth derselben betrug gleichzeitig rund 20 Millionen Mark.
In demselben Jahre kamen 796 Dampfer von 802 308 Registertonnen und
28 Segelschiffe von 15704 Registertonnen Raumgehalt an. Darunter waren
70 deutsche Dampfer von 64 040 Registertonnen und 3 Segler von 1341 Register-
tonnen Raumgehalt. Die vorherrschende Flagge ist die englische. Der ganze
Verkehr ist fast nur Küstenfahrt. Direkte Postdampferverbindung mit
Europa oder Nordamerika ist nicht vorhanden, sonderr. die Postverbindung erfolgt
durch Umladung in Hongkong.
Eisenbahnverbindungen giebt es bislang nicht. .
Telegraphenverbindung mittelst der Linie der Grofsen Nordischen
Telegraphen-Gesellschaft und der Eastern Extension Australasia & China Tele-
graph Company Ltd.
Ausrüstung an frischem und Dauerproviant ist in kleinen Mengen stets
zu haben; gröfsere Mengen von ersterem können jedoch in 12 bis 14 Stunden, von
letzterem jedoch nur von Hongkong bezogen werden und sind daher um 5 bis
10° o theurer als in Hongkong. Sonstige Ausrüstungsgegenstände werden eben-
falls von Hongkong bezogen und sind am Orte nur in geringen Mengen vorräthig.
Kohlen sind gewöhnlich 500 bis 600 t japanische und etwa 500 t englische
vorhanden. Die japanischen Kohlen sind in mehreren Händen, die Cardiff-Kohlen
ausschließlich in Händen der deutschen Firma Pasedag & Co. Gelegentlich
sind auch australische Kohlen vorräthig.
Die Kohlen werden frei Lagerschuppen geliefert, am Lande unter Aufsicht
der Schiffsmaschinisten gewogen und in 15 bis 20 t fassenden Leichtern längsseit
der Schiffe gebracht. |
Frisches Wasser ist in jeder Güte und Menge erhältlich. Trinkwasser
wird aus Quellen, Kesselspeisewasser meistens aus dem Drachenflusse entnommen.
Eine Tonne kostet gewöhnlich !/s $ oder etwa 0,65 Mark.
Reparaturen aller Art können innerhalb gewisser Grenzen ausgeführt
werden; es sind Vorräthe aller Art von Hölzern, Metallen, Segeltuch vorhanden
sowie auch die entsprechenden Werkstätten. Das am Nordende der Stadt be-
findliche. und aus Granit bestehende Trockendock ist 110 m lang und 18,3 m
breit: es hat bei Springtide-Hochwasser auf der Schwelle wie auch auf den