Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1900.
Herr Geheimrath von Neumayer sah in der Zeit vom 8. bis 17. November
gelegentlich eines Aufenthaltes in Neustadt a. H, häufig nach den Leoniden aus,
worüber er die folgenden Angaben machte:
Vom 7. bis 10. November meist ganz bewölkt und regnerisch, daher keine
Beobachtungen erhalten. Am 11. November früh von 4* 55” bis 6" 10” bei theil-
weise bedecktem Himmel beobachtet. „Um 4* 58” sah ich ein kleines schwaches
Meteorit von kurzer Bahn, was scheinbar aus dem Löwen kam und dem Horizont
in SO zuflog, aber nicht erreichte. Um 5*8” ein sehr kleines Meteor (etwa 4.
bis 5. Größe) von kurzer Bahn, das gleichfalls aus dem Löwen zu kommen schien
und zwischen den äufsersten Sternen der Deichsel des Grofsen Bären durchflog
und bald verschwand.“ (Nach der Skizze ist ungefähr der Anfang: @ — 12,5%
d — + 50°, und das Ende: & = 13,5%, d = +55°.) „Um 5* 30” in NNO etwa
25° hoch ein kurzes Meteor etwa 4. bis 5. Gröfse aufserordentlich rasch nach
dem südöstlichen Horizont zuschiefsend, kein Leonide. Später nichts mehr gesehen.“
Am 12. November von morgens 3" 20” bis 4 57" bei wechselnder Be-
wölkung beobachtet, aber keine einzige Sternschnuppe gesehen; am Abend noch
mehrfach bis 10’ Uhr beobachtet, aber nichts wahrgenommen.
Am 13. November von morgens 1*45" bis 43” bei sehr veränderlicher
Bewölkung beobachtet, wodurch die Wahrnehmung von Meteoren sehr erschwert
wurde, keine einzige Sternschnuppe gesehen. „Bei der wechselnden Bewölkung
ist es schwer, ein allgemeines Resultat anzugeben, allein da ich beständig auf-
merksam Ausschau hielt und es zeitweise auch günstiger war, aber nichts sah,
so scheint es mir wahrscheinlich, dafs gröfsere Meteore (1. bis 3. Größe) und
auf längerer Bahn nicht erschienen sind. Der Nordwesten war durch das Haus
allerdings verdeckt.“ Am Abend des 13. November war leichtes Gewölk über
dem ganzen Himmel, ein Beobachten von Meteoren daher bis 10* 15" nicht möglich.
Am 14. November von morgens 2"5"” bis 4: 26" meist mehr oder minder
stark bedeckt, kein einziges Meteor gesehen. „Wenn ein Meteor von der Größe
jener, die ich 1866 in Scharen den Himmel durchziehen sah, erschienen wäre, so
müfßte man es unerachtet des Schleiers wahrgenommen haben.“ Am Abend von
10" bis 11" 25” bei wechselnder Bewölkung keine Sternschnuppe gesehen, dann
vollständig bedeckter Himmel.
Am 15. November von morgens 1* 30” bis 4* 10" fast beständig ganz be-
wölkt, ebenso morgens 6 Uhr. Abends klart es 9'/2a Uhr zeitweise auf, jedoch
nicht anhaltend, daher um 10*5” die Beobachtungen abgebrochen.
Am 16. November von Mitternacht 12% bis 1° 40” morgens ganz bewölkt,
dann wird es klarer. Der Mond stört sehr die Beobachtungen. „Um 2*44” flog
ein Meteor, das scheinbar aus dem Löwen kam, bei einer Dauer von 1* bis ®*
nach dem Sternbild des kleinen Hund; um 2" 48” ein ähnliches, schwach leuch-
tendes Meteor in nahe der gleichen Bahn. Es klart mehr und mehr auf. 2* 57",
ein schönes Meteor kam scheinbar aus dem großen Löwen und zog südlich am
Procyon vorüber bis zum Gürtel des Orion. Um 3* 24” überzieht sich der
Himmel mit. Fracto-Cumulus-Wolken, Von einem Leonidenschwarm kann jeden-
falls keine Rede sein, noch weniger von einer grofsartigen Erscheinung.“ Da
es sich mehr und mehr bewölkt, werden die Beobachtungen um 4* 30“ abge-
brochen; auch am Abend nichts mehr wahrgenommen.
Theils um die Möglichkeit eines freieren Ueberblickes über den Himmel
zu haben, theils um auch eventuell zur Höhenbestimmung der Sternschnuppen
Material zu erhalten, da gleichzeitig noch an mehreren Orten in der Nähe von
Hamburg und Kiel beobachtet wurde, gingen in den beiden Nächten 14./15. und
15./16. November von der Seewarte Herr Dr. H, Maurer und der Verfasser
dieser Mittheilung, denen sich Herr Karstens anschlofs, auf den Süllberg bei
Blankenese, der 11,2 km von der Seewarte bezw. 11,4 km von der Sternwarte
entfernt ist, während gleichzeitig Herr Dr. Stechert auf der Seewarte seinen
Standpunkt nahm. In der ersten Nacht war wegen Nebels keine Beobachtung
möglich; in der folgenden Nacht blieb es jedoch klar, wobei die folgenden
Beobachtungen erhalten wurden. Hierbei wurden die gesehenen Sternschnuppen
in die Rohrbachschen Karten eingezeichnet, welchen nachher mittelst eines
photographischen Netzes die Positionen entnommen worden sind.